Anzeige / Text: Julia Wildemann

Dirk Müller, Geschäftsführer des Wasserverband Siegen-Wiitgenstein

Von der Talsperre ins Glas

Wasserverband Siegen-Wittgenstein

Trinkwasserversorgung in der Region

330 Kilometer Leitungen, 29 Pumpwerke, 26 Hochbehälter und zwei Talsperren mit einem Gesamtvolumen von rund 23 Millionen Kubikmetern Wasser sichern die Trinkwasserversorgung in der Region. Betrieben und gewartet wird das weitverzweigte Versorgungsnetz vom Wasserverband Siegen-Wittgenstein. Wir trafen WVS-Geschäftsführer Dirk Müller und sprachen mit ihm über die Hauptaufgaben des Verbands, die Bedeutung der Talsperren und die Qualität unseres Trinkwassers.

Herr Müller, mit welchem Ziel wurde der Wasserverband Siegen-Wittgenstein 1953 gegründet?

Nach dem zweiten Weltkrieg zeigte sich, dass die Trinkwasserversorgung aufgrund der geringen Grundwasservorkommen mit vielen dezentralen Gewinnungen in Form von Sickerungen, Flachbrunnen, Entwässerungsstollen der alten Bergwerke und auch direkten Bachentnahmen sowohl quantitativ als auch qualitativ nicht zu leisten war. Mit der Gründung des Verbands sollte die Versorgung für die Bereiche Hilchenbach, Kreuztal und Freudenberg gesichert werden. Über die Jahre schlossen sich immer mehr Gemeinden an und heute stellen wir Trinkwasser für insgesamt 300.000 Einwohner im Kreisgebiet und den beiden hessischen Kommunen Biedenkopf und Breidenbach bereit.

Wo liegen die Hauptaufgaben des Wasserverbands?

In unserer Satzung sind die Aufgaben ganz klar festgelegt: Trink- und Brauchwasser beschaffen und bereitstellen, Gewinnungsanlagen für Grund- und Oberflächenwasser bauen, erwerben und betreiben, das Niedrigwasser durch Zuschusswasser aus den Talsperren erhöhen und den Grundwasserstrom anreichern sowie der Hochwasserschutz durch Freihaltung von Hochwasserschutzräumen in den Stauanlagen.

Mit dem Bau der Breitenbach- und Obernautalsperre in den 1950er- bzw. späten 1960er-Jahren wurden die Weichen für eine flächendeckende Trinkwasserversorgung gestellt. Warum genau fiel die Wahl auf die beiden Standorte?

Damals war das Wasserwirtschaftsamt Hagen zuständig. Regierungsbaurat Wilhelm hat den Bau von Talsperren immer wieder thematisiert; während der Kreistagssitzung 1952 in Dahlbruch wurde er dann beschlossen. Insgesamt 30 Standorte wurden hinsichtlich ihrer Eignung und Wirtschaftlichkeit untersucht. Breitenbach und Obernau konnten sich aufgrund ihrer Lage durchsetzen.

Die beiden Talsperren dienen nicht nur der Trinkwasserversorgung, sondern sind auch beliebte Freizeittreffpunkte.

Ja, das sehen wir als Wasserversorger natürlich mit einem lachenden, aber auch mit einem weinenden Auge. Soweit es sich um sanften Tourismus handelt, der die Talsperrenschutzgebiete beachtet, freuen wir uns über das Interesse aller Besucher. Spaziergänger, Wanderer, Inlineskater und Radfahrer sind immer willkommen. Insbesondere die Schutzzone I zwischen Randweg und Gewässer und natürlich die Wasserfläche selbst dürfen durch Freizeitaktivitäten nicht beeinträchtigt werden. Daher besteht ein Betretungs- und Badeverbot.

Das Wasser muss teilweise – besonders in Richtung Wittgenstein – weite Strecken zurücklegen. Wäre der Bau einer dritten Talsperre sinnvoll?

Mit Blick auf die Versorgungssicherheit können wir entsprechende Pläne nur befürworten. 2019 wurde im Auftrag des Kreises eine Vorstudie zur Vorbereitung einer aktualisierten Machbarkeitsstudie für eine dritte Talsperre erstellt, an der natürlich auch der Wasserverband beteiligt war.

Wie macht sich der Klimawandel wassertechnisch in unserer Region bemerkbar?

Extremwetterereignisse nehmen durch den Klimawandel zu. Die Temperaturen steigen. Das haben auch die beiden Trockenjahre 2018 und 2019 gezeigt. Die Stauinhalte wurden stark in Anspruch genommen. Mit der Entwicklung haben auch die Wälder in der Region zusätzlich zu den negativen Auswirkungen des Borkenkäferbefalls zu kämpfen. Der Wald ist unser Wasserschutzforst, der für eine natürliche Abflussverzögerung und Filterung des Wassers sorgt. Eine Verschlechterung seines Zustands kann langfristig auch Auswirkungen auf die Rohwasserqualität in den Talsperren haben.

Welche Maßnahmen greifen im Falle einer andauernden Trockenperiode?

Die Leistungsfähigkeit unserer Wasserversorgung konnten wir in den beiden vergangenen sehr trockenen Jahren unter Beweis stellen – andere Regionen Deutschlands hatten teilweise Probleme. Ausnahme war die Unterstützung der Sicherstellung des Trinkwasserbedarfs durch den Tankwageneinsatz in Zinse. Hier laufen aktuell Planungen, um die dezentrale Gewinnung zu erweitern. Weitere Maßnahmen sind die Erhöhung der Wassermengen in den noch bewirtschafteten dezentralen Gewinnungen im Rahmen der bestehenden Wasserrechte sowie die Aufbereitung und Reaktivierung von lohnenswerten Altanlagen zur Schonung der Talsperren.

Die Trinkwasserqualität ist deutschlandweit hoch. Wie schneidet Siegen-Wittgenstein im Vergleich ab?

Ein Ranking in diesem Sinn existiert nicht – aber wir können uns durchaus messen lassen. Die Rohwasserqualität in der Region ist ausgezeichnet. Durch die naturnahen, größtenteils bewaldeten Einzugsgebiete liegt die durch den Menschen verursachte Belastung fast bei Null. Das zeigt sich auch bei der Aufbereitung in unseren Wasserwerken. Alle Analysewerte liegen weit unter den Grenzwerten der Trinkwasserverordnung, die in Deutschland einen sehr hohen Standard garantiert.


Interview erschienen in der Top Sommerausgabe 2020

0271 70960
info@wvs.nrw

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