Text: Melanie Heider, Fotos: Sina Fröhlich

Pünktlich zum Sommersemester 2020 wurde die Stadt-Mensa fertig, doch aufgrund der Corona-Pandemie verschiebt sich die Inbetriebnahme ins nächste Frühjahr.

Regionaler Referenzcharakter

Hightech trifft Historie: Neue Mensa am Campus Unteres Schloss 

Der Masterplan „Uni in die Stadt“ nimmt weiter Gestalt an: Mit der Fertigstellung der Mensa in der Siegener Oberstadt ist ein neuer Baustein realisiert worden. Künftig werden an dem nun komplettierten Campus Unteres Schloss eine Cafeteria, eine Mensa und eine Lounge die Versorgung der Studierenden sicherstellen. Die Eröffnung ist etappenweise geplant. 

Die Bauarbeiten sind abgeschlossen – die offizielle Übergabe des Bauträgers Immobilien Projekte Siegerland GmbH (IPS) an den zukünftigen Hausherren, die Universität Siegen, wird Ende September vollzogen. Offiziell wird die Gastronomie jedoch erst im nächsten Jahr für Studierende, Universitätspersonal sowie die Öffentlichkeit öffnen. Pläne hat der Betreiber, das Studierendenwerk Siegen, allerdings heute schon für die Cafeteria: Je nach Entwicklung der Corona-Lage könnte sie zu Beginn des Jahres 2021 den Betrieb aufnehmen. 

Identität und Innovation 

Auf insgesamt vier Etagen – zwischen dem unteren Eingang „Am Obergraben“ und dem Grundstücksareal hinter dem ehemaligen Kreisklinikum in der „Grabenstraße“ – ist ein moderner zeitgenössischer und energetisch effizienter Neubau entstanden. „Genau genommen ein barrierefreies Bauwerk mit regionalem Referenzcharakter“, freut sich Jörg Münker, Baudezernent der Universität Siegen. Einzigartig ist dabei die Umsetzung des Stadtentwicklungskonzepts in die bauliche Sprache – die Integration der unter Denkmalschutz stehenden historischen Stadtmauer als Außen- und Innenwand der Cafeteria, die energieeffiziente Technik im Inneren und das durchgängige barrierefreie Konzept heben die Stadt-Mensa auf eine hohe nachhaltige Ebene. 

„Es war eine echte Herausforderung, ein solches Gebäude mitten in der Stadt zu errichten“, erinnert sich Jörg Münker. Die vier Geschosse wurden vom „Obergraben“ ausgehend in den Hang hinein gebaut. Acht bis zehn Meter Höhenunterschied galt es dabei zu überwinden; das Erdreich musste zu beiden Seiten hin abgesichert werden. „Die hervorragende Zusammenarbeit und die perfekte Ausführung aus einer Hand sind daher wesentliche Eckpfeiler, die zum Gelingen dieses besonderen Projekts beigetragen haben.“ 

Die Beteiligten des mit Abstand besonderen Bauprojekts (v.l.): Detlef Rujanski (Geschäftsführer Speisesaal der Mensa im Obergeschoss Studierendenwerk Siegen), Andreas Moll (IPS / ImmoWert), Marc Christoph (IPS / Hundhausen), Christian Vitt (stellv. Baudezernent Universität Siegen), Florian Reh (Betriebsleiter Unteres Schloss) und Jörg Münker (Baudezernent Universität Siegen) 

Baubeginn war im Frühjahr 2018. Rund 20 Millionen Euro – darunter auch NRW-Landesmittel – investierte die Universität seitdem in den Neubau. Im Auftrag der IPS GmbH als Grundstückseigentümer führte die Arbeitsgemeinschaft „ARGE CAMPUS“, bestehend aus den Unternehmen W. Hundhausen Bauunternehmung GmbH, OTTO QUAST Bauunternehmen GmbH & Co. KG und der RUNKEL Unternehmensgruppe, als Generalunternehmer sämtliche Leistungen in Zusammenarbeit mit 37 verschiedenen Gewerken aus. 

„Wir freuen uns, mit dem Bauvorhaben zur Stärkung des Universitätsstandorts Siegen weiter beitragen zu können“, sagt ImmoWert-Geschäftsführer Andreas Moll, der gemeinsam mit Marc Christoph (Geschäftsführer Hundhausen) die Geschäftsführung der Immobilien Projekte Siegerland GmbH (IPS) stellt – vormals Siegener Gesellschaft zur Förderung der Altstadt mbH (SGFA). 2014 hatten sie in dieser Funktion bereits den „Campus Siegen Altstadt“ mit dem ehemaligen Kreisklinikum- und Gesundheitsamt-Standort in der Oberstadt realisiert – heute werden beide Objekte von der ImmoWert Siegen verwaltet. 

Zu den architektonischen Highlights zählen der gläserne Durchgang durch die jahrhundertealte Stadtmauer aus Bruchsteinen und die dynamische Fassadengestaltung mit fränkischer Muschelkalk-Verkleidung. In der Straße „Am Obergraben“ ist der geradlinige Kubus mit großer Glasfront sowie die optisch abgesetzte Anlieferzone zum neuen markanten Aushängeschild geworden. Hier befindet sich auch die Lounge mit Ausgabetheke, Sitzgelegenheiten, Automaten zur Selbstversorgung sowie angrenzendem Still- und Wickelraum. 

Nachhaltig durch eigene Strom- und Wärmeerzeugung 

Die technische Innovationskraft verbirgt sich versteckt im Technikraum, dem Herzstück des Hightech-Gebäudes. Ein kleines Blockheizkraftwerk erzeugt hier Wärme und Strom. Während die 20 Kühl- und Tiefkühlräume sowie 26 Kühlvitrinen mit dem umweltfreundlichen Kältemittel CO2 betrieben werden, sorgen vier große Lüftungsgeräte in der Großküche für eine sensible Klimatisierung. Gleichzeitig sorgt eine Wärmepumpe dafür, dass die anfallende Abwärme der Kälteanlage zur Erwärmung des Warmwassers genutzt werden kann. „Neben der von Marktpreisen unabhängigen Energieversorgung kommt damit auch der ökologisch nachhaltige Gedanke zum Tragen“, erläutert Christian Vitt, stellvertretender Baudezernent der Universität Siegen. „Denn durch die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme ist eine wesentlich effizientere Nutzung mit deutlich geringeren Verlusten möglich. Große Pufferspeicher sorgen überdies für lange Laufzeiten des BHKWs und damit schnelle Amortisation.” 

Obergraben und Oberstadt miteinander verbunden 

Künftig soll das neue Mensa-Gebäude auch als direkter Zugang vom Obergraben in die Oberstadt dienen. Dafür wurde das Gebäude komplett barrierefrei errichtet – über alle Stockwerke hinweg sind Treppengeländer und Schilder mit Blindenschrift ausgestattet, zudem wurden Leitlinien sowie taktile Orientierungshilfen auf dem Boden angebracht. Die Aufzüge verbessern ebenfalls zu den Öffnungszeiten die Barrierefreiheit des zum Wintersemester 2014/2015 eröffneten Campus Unteres Schloss. Im Außenbereich ist zudem ein neuer Aufstieg für Fußgänger entstanden. 

„Die Verbindung zwischen der historisch gewachsenen Geländetopografie und der modern ausgearbeiteten Gebäudegestaltung inklusive intelligentem Energiemanagement und barrierefreiem Konzept machen die Innenstadt-Mensa zu einem regionalen Vorzeige- wie auch für uns zu einem persönlichen Herzensobjekt“, stellt Marc Christoph heraus. 

Modernes kulinarisches Konzept 

Betrieben wird die neue Mensa vom Studierendenwerk Siegen. Dafür entstehen etwa 40 Arbeitsplätze für bis zu 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 2.700 Essen sind im Regelbetrieb pro Tag geplant. Studierendenwerk-Geschäftsführer Detlef Rujanski, Betriebsleiter Florian Reh und das Team setzen dabei auf die Verbindung zwischen einem abwechslungsreichen klassischen Mensa- Speiseplan und einem moderneren gehobeneren Konzept mit unterschiedlichen Themenbereichen vom Grill über den Pizzaofen bis hin zum Wok ebenso wie eine ökologisch nachhaltige Küche mit regionalen Lebensmitteln. Dafür wurden die Buffetstationen der Cafeteria im Erdgeschoss mit einem Shop-in-Shop-System ausgestattet. Insgesamt 650 Sitzplätze, die im Anschluss an den Mensabetrieb teilweise als studentische Arbeits- und Lernplätze genutzt werden können, laden bald Studierende, Mitarbeiter und Gäste der Hochschule zu einer kulinarischen Weltreise ein.