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© Thomas Kellner und VG Bild-Kunst Bonn : 86#01 Grand Canyon, 2014, C-Print, 416cm x 75cm, Auflage 1+3

Thomas Kellner: The Big Picture

Grand Canyon: 2.160 Einzelaufnahmen – ein Naturwunder 

Thomas Kellner ist bekannt für seine Bilder von scheinbar tanzender Architektur. Für seine Werke fotografiert er stundenlang – dabei dreht und kippt er Bild für Bild das Stativ. Ganz anders bei seinem bisher größten Panorama-Kunstwerk: Die erhabene Anmut des Grand Canyon bildet er erstmals gänzlich ohne jeden spielerischen Eingriff ab. 

Der Grand Canyon, eine 450 Kilometer lange Schlucht im Norden des US-Bundesstaats Arizona, zählt zu den größten Naturwundern auf der Erde. 1908 wurde das Gebiet um den Grand Canyon von Theodore Roosevelt zum National Monument erklärt und schließlich 1919 als Nationalpark unter Schutz gestellt. Früher galt er als gefährlicher unerforschter Ort, heute zieht er als Touristenattraktion jährlich vier Millionen Besucher an und bietet mit seinem ungewöhnlich geformten und bunt gefärbten Gestein ein großartiges Motiv für Künstler. 

„Der Grand Canyon ist etwas, was man erleben muss – etwas, dass einem die Sinne raubt und einen in eine neue Zeit und Welt eintauchen lässt. Er ist ein einziges Gemälde“, schwärmt Thomas Kellner. Da ist das Eisen, das im Felsen oxidiert oder verrostet und die Klippen schwarz, braun, rot, rosa und gelb färbt. In Verbindung mit Mangan oder Kupfer wird das Farbspektrum um Lila- und Grüntöne erweitert. Zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang überlagern Gold- und Rottöne das Antlitz und bieten einen Anblick aus überwältigenden Mustern und Formen, die nur so zur Abstraktion einladen. Die majestätische Seele dieses Gemäldes einzufangen, haben schon einige Künstler und Fotografen versucht. Sie hatten zum Teil nicht nur Schwierigkeiten, Licht und Schatten auszugleichen, sondern wussten auch nicht, wo sie ihre Kamera positionieren sollten. 

Thomas Moran war 1873 einer der ersten, der den gewaltigen Eindruck auf Leinwand gebracht hat. Sein Bild „Der Abgrund des Grand Canyon“ misst 2 x 3 Meter und bildet die Felsengesteine in erdigen und blassen Farbpigmenten ab. Ebenso wagte sich David Hockney 1982 an eine getreue Darstellung der tiefen Schlucht. Er zerlegte sie aus der Sicht des Powel Point in 60 Einzelaufnahmen und fügte sie anschließend zu einem Tableau und später zu einer Collage mit einer Breite von zwölf Metern zusammen. So schaffte er es, Tiefe und Weite in einem Bild zu verwirklichen. 1998 setzte er seine Aufnahmen zu einem riesigen Bild, bestehend aus 60 Leinwänden, zusammen. 

Ähnlich wie Hockney, spiegelt Thomas Kellner in seiner Umsetzung des Grand Canyon viele verschiedene Perspektiven wider. Was ihm jedoch gelang, anders als Hockney, ist ein offensichtlicher Bezug zum Kubismus. Im Sommer 2014 platzierte er seine Kamera am Aussichtspunkt Lipan View und machte insgesamt 2.160 Aufnahmen in fünf Stunden. Diese setzte er als einzelne 24 x 36 mm lange Fragmente zu einem großen Werk von 4,5 Metern Länge zusammen. 

Das Panorama soll verdeutlichen, wie schwer eine Landschaftsfotografie aus nur einer Perspektive und einem flüchtigen Blick in ihren Details und ihrer Schönheit zu ergreifen ist. Sein Werk bietet die Möglichkeit, den Grand Canyon in all seinen Facetten wahrzunehmen und gibt ein Gefühl von Nichtigkeit in Anbetracht der Unermesslichkeit der Landschaft. 

AKTUELLE AUSSTELLUNGEN

The Big Picture 

bis 11.12.2020 im Kulturbahnhof Kreuztal 

Bahnhofstraße 11, 57223 Kreuztal
geöffnet Mo bis Fr von 7 bis 16 Uhr 

begleitend zur Ausstellung erscheint das Leporello-Buch „The Big Picture“ im Verlag seltmann + söhne

www.kulturbahnhof-kreuztal.de

Kurzfilm zur Ausstellung im Kulturbahnhof Kreuztal:

Building Dialogs 

Digitale Kunstausstellung des Art Museum of the Americas (USA) 
seit dem 25.08.2020

Das Artmuseum of the Americas (AMA) in Washington D.C. setzt sich mit moderner und zeitgenössischer Kunst auseinander. Die Ausstellung „Building Dialogs“ (Dialog – Eine Brücke zum Unbekannten) zeigt die Kompositionen vier internationaler Künstler – Alejandra Delgado Uría, Brad Temkin, Gesche Würfel und Thomas Kellner. Aufgrund der Corona-Pandemie verwandeltet sich das älteste Museum lateinamerikanischer und karibischer Künste in den Vereinigten Staaten in einen virtuellen Ausstellungsraum und lädt weltweit zum Dialog über Standpunkte der Künstler und Kuratoren, Bilder und Präsentationen ein. 

www.museum.oas.org

VITA

Thomas Kellner wurde 1966 in Bonn geboren. Er studierte Kunst, Soziologie, Politik und Wirtschaft an der Universität Siegen. 1996 erhielt er den Kodak- Nachwuchs-Förderpreis, der ihn zu einem Leben als Künstler ermutigte. Seit dieser Zeit lebt er als Künstler und Kurator fotografischer Ausstellungsprojekte in Siegen. 2003 wurde er in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) berufen. Thomas Kellner hat seine Arbeiten seit 2002 in Einzelausstellungen in Deutschland, Australien, Russland, China, Frankreich, Polen, Dänemark, Spanien, Brasilien und in den USA gezeigt und war an zahlreichen Gruppenausstellungen und Publikationen beteiligt. Seine Arbeiten sind in bedeutenden privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten. 


Telefon 0271 2383343
tk@thomaskellner.com