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Interview: Melanie Heider

Talbrücke Rälsbach (161 Meter) bei Wilnsdorf-Rinsdorf
Talbrücke Rälsbach (161 Meter) bei Wilnsdorf-Rinsdorf

A45: Lebensader für den heimischen Wirtschaftsraum

Hans-Peter Langer, IHK-Geschäftsführer Standort und Infrastruktur

Die Erneuerung der A45 zwischen Gießen und Dortmund schreitet voran. Ziele sind ein durchgehender Neubau der Talbrücken und ein sechsstreifiger Ausbau – aus Sicht der heimischen Wirtschaft ein Jahrhundertprojekt, das zur Wettbewerbsfähigkeit und zum Erfolg vieler Unternehmen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beiträgt.

Am 26.10.1971 eröffnete Alt-Bundeskanzler Willy Brandt an der Raststätte Sauerland feierlich die „Sauerlandlinie“, damals noch unter der Bezeichnung „Bundesautobahn 13“. Vorangegangen waren zehn Jahre Bauzeit. Mit dem 50 Kilometer langen Teilstück zwischen Olpe und Lüdenscheid wurde die letzte Lücke in der Verbindung Dortmund-Aschaffenburg geschlossen. In den folgenden Jahren wurde die A45 im Bereich Dortmund noch weiter nach Norden verlängert. Auf einen sechsspurigen Ausbau wurde damals verzichtet. Dass die Maßnahme, mit Ausnahme eines Abschnitts im Bereich Dortmund, 2016 komplett in den Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes aufgenommen wurde, war für die heimische Wirtschaft eine sehr gute Nachricht.

„Wir sind eine starke mittelständische Industrieregion mit einem vergleichsweise hohen Exportanteil von mehr als 40 Prozent“, weiß Hans-Peter Langer, Geschäftsführer Standort und Infrastruktur der IHK Siegen. „Zahlreiche Weltmarktführer haben im heimischen Wirtschaftsraum ihre Wurzeln. Wir sprechen von der ‚Sauerlandlinie‘ daher häufig als verkehrliche „Lebensader“ für die Region.“

Wachstumsfaktor Autobahn

Das hat seinen Grund: Mit ihrer Fertigstellung begannen die Wirtschaftsräume entlang der A45 enorm zu prosperieren. Ein Phänomen, wie es von alten Handelsrouten her bekannt ist. Sie erlaubten den Transport und den Austausch von Waren. Nach und nach entstanden entlang dieser Wege Unterkünfte, Handelsstände und Fuhrmannskneipen. Ganze Orte und Städte erwuchsen. Menschen fanden ein attraktives Wohn- und Arbeitsumfeld.

Die belebende Wirkung der Autobahn in der Region lässt sich gut dokumentieren. So leben heute in den hiesigen Anrainerkommunen der A45, namentlich Olpe, Wilnsdorf, Burbach, Freudenberg, Wenden und Drolshagen, etwa 15.500 Menschen mehr als 1976 – ein Bevölkerungszuwachs von 16,8 Prozent. „Man könnte auch sagen: Eine kleine Gemeinde ist hinzugekommen“, bemerkt Hans-Peter Langer. Die Stadt Siegen fällt in der Statistik allerdings aufgrund ihrer oberzentralen Funktion heraus. Hier gibt es zu viele andere Einflussgrößen, die sich niederschlagen. Werden alle übrigen Nicht-Autobahnanrainer-Kommunen zusammen betrachtet, zeigt sich: Dort blieb der Positiv-Trend aus. Die Zahlen weisen sogar auf einen leichten Rückgang hin.

Noch drastischer ist die Entwicklung bei der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten: Zwar gab es hier von 1976 bis 2019 auch bei den autobahnfernen Kommunen einen Zuwachs von 34 Prozent; bei den Anrainern beläuft sich das Wachstum jedoch auf die Größenordnung einer ganzen Stadt mit mehr als 25.000 Einwohnern. „Das ist ein Anstieg von 116 Prozent“, fasst Langer zusammen. „Viele namhafte Unternehmen, die sich in den letzten 40 Jahren in den Städten und Gemeinden an der Autobahn ansiedelten, hatten dabei vor allem die hohe Verkehrsgunst des neuen Firmenstandortes im Auge. Dies zeigt, wie eine Verkehrsverbindung wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand nicht nur begünstigt, sondern eben auch oft erst ermöglicht.“

Eckpfeiler für die Südwestfälische Industrie

Schwerpunktbranchen sind die Metallerzeugung und -verarbeitung sowie der Maschinen- und Anlagenbau. Eine Besonderheit besteht darin, dass hier unter anderem viele große, unteilbare Produkte gefertigt werden, die mit Spezialtransporten über die Straße bewegt werden müssen. Fast jeder zweite sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeitet im Produzierenden Gewerbe. Insbesondere der hohe Industrieanteil hat zur Folge, dass Güter über die bestehenden Verkehrswege in unserem Wirtschaftsraum, die Straße und die Schiene, bewegt werden müssen. „Die industriellen Erzeugnisse können eben nicht per E-Mail transportiert werden“, bemerkt Hans-Peter Langer.

Der wirtschaftliche Erfolg der Region führt zwangsläufig zu mehr Verkehr. Im Fall der A45 richten Experten ihr Augenmerk auf die starke Aus- und Belastung der Autobahn durch den Nord-Süd-Transitverkehr. Prognosen sagen eine gravierende Zunahme des Verkehrs in den kommenden Jahren voraus, insbesondere beim Güterverkehr. Der Verkehrsverband Westfalen hat zudem in seiner Studie „A45 – Der Infarkt droht“ deutlich gezeigt, was geschieht, wenn ein zukunftsgerechter Ausbau der A45 mit einem durchgängig sechsstreifigen Querschnitt ausbleiben würde.

Ein Aus für den Ausbau hätte fatale Folgen gehabt

„Ohne den Ausbau der A45 hätte die Region Qualitätseinbußen beim Verkehrsabfluss hinnehmen müssen. Zudem hätte sich die Zentrenerreichbarkeit verschlechtert.“ Die damit einhergehende Beeinträchtigung der Standortattraktivität hätte sich negativ sowohl auf die Neuansiedelung von Unternehmen als auch auf die bestehende Industrie ausgewirkt. Dies hättewiederum zur Folge gehabt, dass auch die Attraktivität für die Ansiedelung junger Bevölkerungsgruppen und hoch qualifizierter Arbeitskräfte sinken würde. „Vergessen wir nicht, dass wir es derzeit mit einem Arbeitnehmermarkt zu tun haben und viele der heimischen Betriebe händeringend gut ausgebildetes Personal suchen“, erinnert der IHK-Geschäftsführer.


Die IHKs entlang der Sauerlandlinie begleiten die Planungs- und Baufortschritte seit Beginn intensiv und unterstützen den Prozess in Zusammenarbeit mit der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH mit kommunikativen Maßnahmen, wie dem Online-Informationsportal 

Kontakt
www.a45wirdneu.de