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Junge Frau und ihr Arbeitskollege sitzen auf einer Treppe und schauen auf einen Laptop

ABC der Arbeitswelt

Von Arbeiten 4.0 bis Generation Z

Text: Melanie Heider

Arbeitsmarkt Im Jahresdurchschnitt 2019 waren rund 45,3 Millionen Personen mit Arbeitsort in Deutschland erwerbstätig (Statistisches Bundesamt/Destatis) – im Agenturbezirk Siegen/Olpe 178.127 Menschen (+1,3 % zum Vorjahr), davon 73.298 weibliche Beschäftigte (+2,1 %). 2018 betrug die gewöhnliche Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen in Deutschland durchschnittlich 34,9 Stunden (1991: 38,4 Stunden), davon in Vollzeit 41,0 Stunden/Woche und 19,3 Stunden/Woche in Teilzeit. Der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen in Teilzeitarbeit hat sich dabei in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt von 14 Prozent auf 28 Prozent. Ein Grund dafür ist, dass deutlich häufiger Mütter einer Erwerbsarbeit nachgehen als früher. Etwa 48 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen arbeiteten laut der Bundesagentur für Arbeit im Juni 2018 in Teilzeit.

Bewerbermarkt Das Recruiting auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt hat sich gewandelt, weil sich das Machtgefüge gedreht hat. Denn was ein attraktiver Arbeitgeber ist, entscheidet schon lange nicht mehr der Firmenchef selbst. Fakt ist jedoch: Nur wer es schafft, die besten Köpfe zu rekrutieren, wird im Wettbewerb vorne liegen. Das verlangt nach einem Umdenken im hart umkämpften Bewerbermarkt und in der eigenen Unternehmensstruktur. In diesem Zuge wird das Employer Branding immer wichtiger. Unternehmen bewerben sich bei potenziellen Mitarbeitern – und stellen auf Stellenbörsen und Messen ihre Firmen-DNA, ihre Visionen und ihre Vorteile heraus. Das persönliche Storytelling – via Unternehmensportrait oder Recruiting-Video mit Mitarbeiter-Testimonials – sticht dabei die anonyme Stellenanzeige aus. Wer seinen Standort sichern und personell ausbauen möchte, muss sich auf dem Bewerbermarkt – gerade in ländlichen Regionen – einen Namen machen und seinem Geschäftsmodell ein Gesicht geben. So können potenzielle Bewerber direkt entscheiden, ob Job und Unternehmen zu ihnen passen.

Concept Offices & Co-Working Moderne Büroräume werden immer mehr zu einem zentralen Baustein der Geschäftsausstattung von Unternehmen. Vorreiter sind Arbeitsstätten in den USA von Weltmarktführern wie Google, Microsoft und Apple. Das Bewusstsein dafür, dass der Mensch noch immer den meisten Teil des Tages im Büro bzw. Geschäft verbringt, hat neue Raumkonzepte auf den Plan gerufen. Hierzulande erkennen immer mehr Firmen, dass ein entsprechendes Raumambiente die Produktivität fördert, insbesondere im kreativen und planerischen Bereich. Büroausstatter und Objektbauer sorgen dabei mit natürlichen Materialien, ergonomischen Arbeitsplätzen und Wohlfühl- und Rückzugszonen für Besprechungen und Pausen für eine erhöhte Arbeitsqualität. Die Arbeitsräume werden damit zum zweiten Zuhause. Gerade in Großstädten boomen zudem sogenannte Co-Working-Spaces, also Bürogemeinschaften, die von Selbstständigen und Freiberuflern angemietet werden können – vom ganzen Büroraum bis hin zum einzelnen Schreibtisch. Der Alleinstreiter im Home Office wird damit in ein soziales Miteinander integriert, das wiederum den Kooperationsgedanken fördert und Kontaktmöglichkeiten für neue Business-Ideen und Innovationen schafft.

Demografie er demografische Wandel macht auch vor der Arbeitswelt nicht Halt. Wenn in den nächsten Jahren rund 20 Millionen Menschen aus der sogenannten Baby-Boomer-Generation, den Geburtsjahren 1950 und 1960, in den Ruhestand gehen, müssen ihre Stellen neu besetzt werden. Bereits in zehn Jahren gehen fast eine halbe Million Arbeitnehmer mehr in Rente, als junge Menschen ins Erwerbsleben starten. Maschinelle Robotertechnik kann hier ein probates Mittel sein, um einige Arbeitsplätze zu kompensieren, doch auch eine solche Struktur gilt es sehr bedacht aufzubauen. Kompetente Zeit- und Leiharbeitsfirmen können für den Übergang zielgenau die benötigten Fachkräfte stellen, um Lücken mit kurzen Einarbeitungszeiten zu schließen. Langfristig sind überall neue Konzepte für den bedarfsgerechten Einsatz von Mensch und Maschine gefragt.

Entwicklung Lebenslanges Lernen ist im 21. Jahrhundert ein wesentlicher Schlüsselfaktor für langfristigen Unternehmenserfolg. Know-how-Aufbau und Kompetenzbildung im eigenen Haus oder über extern geschlossene Kooperationen sind unabdingbar, um Produkte und Konzepte zukunftssicher auszurichten und nachhaltig im Markt zu platzieren. Wissen ist dabei nicht nur ausschließlich in theoretischer Form in der Forschung gefragt. Gerade der Fortschritt der Technologien verlangt nach Praktikern, also nach Menschen, die Maschinen nicht bloß digital konstruieren, sondern auch versiert sind, entsprechende Prototypen zu bauen und weiterzuentwickeln.

Frau sitzt mit Säugling auf dem Arm im Schneidersitzt vor einem Laptop auf dem Sofa

Familienfreundlichkeit Zertifizierungen wie „Familienfreundliches Unternehmen“ sind ein Prädikat für Firmen, die ihre Mitarbeiter fest in den eigenen Werten verankert haben. Alte Strukturen werden verändert und so neu angelegt, dass z.B. unterschiedlichste Arbeitszeitmodelle möglich werden – für die Pflege von Angehörigen, die Elternzeit von Frau oder Mann, für das berufsbegleitende Studium oder das Co- bzw. Home-Office.

Globalisierung Das Auslandsgeschäft wird auch in Zukunft eine wichtige Säule für die Standortsicherung von Unternehmen in Deutschland sein. Hohe steigende Wachstumsraten sind im Exportgeschäft u.a. aufgrund der anhaltenden Handelskonflikte zwischen den USA und China oder dem rückläufigen Absatz in der Industrie (insbesondere Automobilbranche) jedoch erst einmal nicht zu erwarten. Anders als in den Vorjahren war der Export bereits 2019 gemessen am Gesamtbruttoinlandsprodukt nicht mehr der Wachstumstreiber für Deutschland. Noch ist der deutsche Arbeitsmarkt aufgrund der starken Binnenkonjuktur vom schwachen Wirtschaftswachstum nicht betroffen. Mittelständler brauchen jedoch jetzt eine Strategie, um auch weiterhin im Ausland erfolgreich ihre Geschäfte zu tätigen.

Handwerk Über eine Million meist kleine und mittelständische Handwerksbetriebe sind in Deutschland tätig. Nach einer längeren Talfahrt in der Beschäftigtenquote schneidet das Handwerk in Zeiten der Digitalisierung wieder etwas besser ab. Für das Gesamtjahr 2019 geht der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) von einem Umsatzplus im Handwerk von etwa vier Prozent aus. Die Zahl der Beschäftigten stieg laut seiner Prognose um 40.000. Zwar hält sich der Fachkräftemangel aufgrund des demografischen Wandels und des allgemeinen Akademisierungstrends, dennoch sorgen Modelle wie das duale Studium oder die betriebliche Ausbildung wieder für mehr Zuspruch bei jungen Menschen. Denn gerade handwerkliche Berufe haben ein hohes Potenzial zur Entfaltung persönlicher Kompetenzen und beeinflussen die Entwicklung des eigenen Selbstwertgefühls positiv. Zudem kommt den Berufen im Ausbaugewerbe und den persönlichen Dienstleistungen eine regionale Bedeutung zu, da sie für die Binnenkonjunktur enorm wichtig sind. Die Wiedereinführung der 2004 aufgehobenen Meisterpflicht in zwölf seitdem zulassungsfreien Berufsgruppen Anfang 2020 ist ein weiteres Zeichen für mehr Qualität und Qualifizierung im Handwerk. Künftig ist der Meisterbrief hierzulande wieder in 53 Gewerken Voraussetzung zur Gründung eines Betriebs.

IT-Landschaft Die vernetzte Welt verlangt nach IT. Längst sind dabei mehr als statische PC- oder Internetverbindungen gemeint. Gefragt sind unternehmensindividuelle IT-Strukturen, Software- und App-Programme sowie Cloud-Lösungen die Prozesse optimieren können – über die Grenzen des Büros hinaus, ob für flexible Arbeitszeitmodelle mit Zugang zum Firmenserver von überall, die Fernwartung von Maschinen und Anlagen oder für die Integration von Industrie 4.0 in Produktionsprozesse. Die Zuverlässigkeit entscheidet auch in Zukunft über den Fortbestand eines Unternehmens. Sowohl in den Bereichen Schnelligkeit und Liefertreue wie auch in den Bereichen Qualität, Innovation, kundenorientierter Beratung oder Service. Dabei nimmt das Thema IT-Sicherheit hinsichtlich Verschlüsselung, Datenschutz und Cyberangriff-Abwehr einen besonders großen Stellenwert ein.

Joint Ventures Netzwerk und Austausch sind neben Innovationskraft und visionärem Denken wichtige Erfolgsfaktoren für alteingesessene Unternehmen und junge Start-ups. Das Öffnen für neue Ideen und die Kompetenzerweiterung durch strategische Partner wie auch der vertrauensvolle Erfahrungsaustausch, ein Know-how-Transfer und Kooperationen sind wichtig, um auf einem dichtbesiedelten Binnen- und Weltmarkt auch in Zukunft die gewünschte Zielgruppe mit dem richtigen Produkt bzw. Service zu bedienen.

Konjunktur Die deutsche Konjunktur befindet sich wegen der im vergangenen Jahr gesunkenen Exportquote aktuell im Wandel: Erstmalig seit 2009 ging die Wirtschaftsleistung der Industrie im Produzierenden Gewerbe ohne Bau zurück (-3,6 %). Stattdessen verzeichneten im vergangenen Jahr die Dienstleistungsbereiche (+2,9 %) wie Information und Kommunikation, die Finanz- und Versicherungsdienstleister sowie das Baugewerbe (+4,0 %) und der private und öffentliche Konsum überwiegend kräftige Zuwächse, sodass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) immerhin noch um 0,6 Prozent schwach wuchs. Insbesondere die erneut gestiegenen privaten und öffentlichen Konsumausgaben im Inlandsgeschäft sorgen für eine gute Binnenkonjunktur und eine stabile Arbeitsmarktlage.

Leitbranchen Branchengewinner der neuen Arbeitswelt sind all diejenigen, die es verstehen, ihre Unternehmensstrategie und -struktur der Digitalisierung, den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter wie auch der Nachfrage des Marktes anzupassen. Neben dem IT-Sektor und elektrotechnischen Berufen zählen das Gesundheitswesen samt Pflege- und Pharmabranche aufgrund des demografischen Wandels, die Forschung und Bildung, aber auch das Handwerk samt Baugewerbe und persönlichen Dienstleistungen zu den starken Wirtschaftszweigen. Steigende private Konsumausgaben und der Anstieg der Teilzeitarbeit kurbeln auch Freizeitangebote und das Gastgewerbe an. Zu den Jobs der Zukunft gehören daher der App-Entwickler genauso wie der Koch. Nicht mehr wegzudenken ist die Präsenz im Internet, insbesondere für lokale Geschäftskonzepte, um die Bekanntheit vor Ort zu steigern. Vom digitalen Wandel betroffen sind aktuell bereits der Zahlungsverkehr, die Lagerlogistik, der Einzelhandel und die Mobilität.

Mit dualen Studiengängen und neuen Ausbildungsmodellen will das Handwerk für junge Menschen attraktiv bleiben.

Mitarbeiter Das Bewusstsein für Mitarbeitermotivation und die allgemeine Zufriedenheit der Belegschaft zur Erhöhung der Identifikation mit dem Unternehmen ist ein längst erkanntes Thema in den Chefetagen. Die Liste der möglichen betrieblichen Aufwendungen ist lang – vom Betrieblichen Gesundheitsmanagement, teils im eigenen Firmen-Fitnessstudio über flexible Arbeitszeitmodelle, das steuerlich vergünstigte Elektro-Firmenfahrzeug oder -Fahrrad sowie Obst- und Wasser-Flatrates fürs Büro oder bezuschusste Mahlzeiten, Firmenrenten und Mitarbeiterbeteiligungen. Doch nicht jeder Mitarbeiter ist gleich. Damit die Benefits nicht ihr Ziel verfehlen, ist es ratsam, den individuellen Bedarf zu ermitteln – im persönlichen Gespräch.

Neugründungen Im Jahr 2018 wurden in Deutschland laut Statistik des Bundesamtes 169.100 Kleinunternehmen gegründet. Insgesamt – inklusive Umwandlungen, Zuzügen und Übernahmen – wurden sogar 542.500 Unternehmen neu gegründet. Start-ups sind ein gutes Beispiel dafür, dass immer mehr Menschen ihre persönlichen Ziele verfolgen und ihre Passion zur Profession machen. Die von Erfindergeist und Leidenschaft angetriebenen Geschäftskonzepte schaffen als nachgelagerter Effekt neue Angebote und Lösungen für Unternehmen und Privatpersonen. Spezielle Studiengänge wie „Entrepreneurship“ an der Universität Siegen, Initiativen wie „Startpunkt 57“ oder spezialisierte Ansprechpartner z.B. im Gründerwerk Siegen nehmen sich ebenfalls dem Thema an, um bei aller Euphorie den Existenzgründern auch die betriebswirtschaftlichen Aspekte des Unternehmertums von Anfang an zu vermitteln.

Onlinegeschäft Die Bedeutung von Online-Shops, Homepages und Social Media wächst mit dem Digitalisierungsgrad der Gesellschaft und des Verbrauchermarkts. Ein Grund, weshalb sich durch E-Commerce in den vergangenen Jahren bereits neue Berufsfelder herausgebildet haben, vom Instagrammer und Social Media Manager über Webshop- und App-Entwickler. Auch die Online-Beratung – z.B. via Chatfunktion – wird als direkte Kontaktmöglichkeit verstärkt als zusätzlicher Service von Unternehmen angeboten.

Persönlichkeit Im digitalen Zeitalter steht der Mensch als Kunde im Fokus. Maßgeschneiderte Dienstleistungen, vom Personal Training über passende Versicherungspakete oder die individuelle Finanzberatung und Anlagestrategie, erleben einen Aufschwung. Das Konzept „Individualität statt Masse“ bedient den Wunsch nach persönlicher Wertschätzung und kundenorientierten Lösungen. Dabei hilft auch der Einsatz neuester Technologien, z.B. bei der Bad- oder Küchen-Visualisierung in 3D mit VR-Brille, der Konfigurationsapp für Neuwagen oder der vollelektronischen Vermessung des Körpers für Bekleidung und Schuhwerk.

Qualifizierung Weiterbildungen im fachlichen Bereich wie auch im Bereich Führung sind wesentliche Stellschrauben für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. Neben Business-Akademien oder Weiterbildungs- und Umschulungsinstitutionen (z.B. WBS Training in Siegen und Olpe) sind themenbezogene Coachings und Seminare attraktive Fördermaßnahmen, auf die Unternehmen für die bedarfsgerechte Qualifizierung von neuen Mitarbeitern oder der bestehenden Belegschaft immer häufiger zurückgreifen. Die Ermittlung und Förderung der individuellen Fähigkeiten ist dabei die vielversprechendste Zukunftsstrategie. Denn wird ein Mensch gemäß seiner Fähigkeiten eingesetzt und seiner Kreativität Freiheit gelassen, kann dieser auch sein ganzes Potenzial entfalten.

Unterschiedliche Robotertypen in Fabrik

Roboter 1958 wurde der erste Industrieroboter von George Devol und Joseph Engelberger in den USA erfunden. Heute kommen laut World Robotics Report der International Federation of Robotics (IFR) im deutschen verarbeitenden Gewerbe auf 10.000 Beschäftigte 338 Industrieroboter – 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit belegt Deutschland im weltweiten Vergleich den dritten Platz. Ausgestattet mit intelligenter Software und Sensortechnik übernehmen sie das Schweißen, Stanzen, Fräsen oder die Montage.

Smart Data Die Weiterentwicklung von Big Data – also der reinen Datenwolke – auf Smart Data, bei der gesammelte Daten zueinander ins Verhältnis gesetzt und mittels Algorithmen analysiert werden, um konkrete Prognosen und eigenständige Entscheidungen zu treffen, ist schnell vorangeschritten. Smarte Technologien sind als vollautomatisierte Sensortechnik oder KI (Künstliche Intelligenz) mittlerweile schon in der Produktions-, der Kommunikations- wie auch in der Gebäudetechnik zu finden. Der Einsatz geht mit Prozessoptimierungen wie auch energetischen und logistischen Einsparpotenzialen und der Schaffung neuer personeller Einsatzmöglichkeiten einher. Da der computergestützte Einsatz von Robotertechnik die weniger anspruchsvollen und algorithmierbaren Aufgaben übernimmt, ermöglicht die Digitalisierung Menschen die Entfaltung ihrer kreativen Kompetenzen und ihres technischen Know-hows zur Ideen- und Innovationsentwicklung.  Damit Unternehmen digital aufrüsten können, ist parallel der Bund gefragt, entsprechend seiner Hightech-Strategie 2025 die Rahmenbedingungen mit einem flächendeckenden Breitbandausbau mit schnellem Internet voranzutreiben.

Teamwork Die gezielte Projektarbeit hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr durchgesetzt. Denkkulturen und Unternehmensstrukturen öffnen sich. Von „New Work“ ist die Rede, bei der es um flache Hierarchien, Demokratie, Transparenz, eine Wir-Kultur und einen Führungsstil geht, der motiviert statt einem Machtgefüge folgt und Mitarbeitern durch neu zugesprochene Freiheiten zu einer selbstorganisierten Einheit mit Eigenverantwortung und Eigeninitiative werden lässt, die gemeinsam die Strategie des Unternehmens weiterentwickeln und den Erfolg vorantreiben. Stichworte sind „Unbossing“, „Shared Leadership“ und „Crowdsourcing“. Eine solche Unternehmenskultur sorgt gleichzeitig für ein gesundes Arbeitsklima. Denn Arbeitnehmer, die einer für sie sinnstiftenden Arbeit nachgehen, sind im Schnitt seltener krank (AOK Fehlzeiten-Report 2018). Weitere positive Effekte sind eine gesteigerte Zufriedenheit mit der Arbeitsstelle und ein Zugehörigkeitsgefühl zum Arbeitgeber.

Umbruch Zu den Jobs der Zukunft gehört der App-Entwickler genauso wie der Koch. Deutsche Familiennamen wie Müller, Schmied oder Wagener bezogen sich einst auf den ausgeübten Beruf. Die Digitalisierung ermöglicht nun wieder die Entfaltung der individuellen Fähigkeiten und die Ausbildung persönlicher Qualifikationen, da der computergestützte Einsatz von Robotertechnik die weniger anspruchsvollen und algorithmierbaren Aufgaben übernimmt. Schon die Elektrizität löste zwar den Beruf des Laternenanzünders ab, schuf jedoch den des Elektrotechnikers. Schon 2018 arbeiteten 45,3 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren in einem hochqualifizierten Beruf. 1998 lag der Anteil bei 38,5 Prozent (Statistisches Bundesamt/Destatis, 2020).

Teambesprechung an großem Tisch
Im Austausch mit den Kollegen lassen sich neue Konzepte effizient erarbeiten.

Verantwortung Die soziale Verantwortung, die Unternehmer für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie deren Familien, aber auch die Wirtschaftsstärke vor Ort und das regionale Engagement durch Sponsorings für Vereine und kulturelle Ereignisse haben, ist groß. Auch ist es Aufgabe von Unternehmen – gemeinsam mit Kreis, Land und Bund – für Menschen mit Migrationshintergrund wie auch mentaler oder körperlicher Beeinträchtigung, Lösungen zu finden, um sie im Arbeitsmarkt der Zukunft einzusetzen. Wie und wofür sich ein Unternehmen engagiert, wird nicht nur von der Öffentlichkeit gesehen. Gerade für die Belegschaft oder potenzielle Bewerber ist das regionale Engagement des eigenen Arbeitgebers von zentraler Bedeutung und kann das Gefühl der Zugehörigkeit stärken.

Work-Life-Balance Die Zeiten, in denen Arbeiter von morgens bis abends in Fabriken beschäftigt waren, sind passé. Das Thema Work-Life-Balance wird auch in den nächsten Jahren Unternehmen beschäftigen. Die Digitalisierung wie auch der gestiegene Anteil an Teilzeitarbeit machen eine Anpassung der bisherigen Arbeitszeitmodelle hin zu einer flexiblen und individualisierten Arbeitszeitgestaltung notwendig. Nur jeder dritte Beschäftigte arbeitete 2018 in Vollzeit, bei Frauen nur jede zweite. Zusammengenommen mit allen geringfügig Beschäftigten arbeitet nur noch jeder vierte von zehn Arbeitnehmern in Vollzeit.

XX-Chromosom Die sogenannte Sheconomy bringt neuen Schwung in den Arbeitsmarkt. Ob junge Studierende, die zum ersten Mal ins Berufsleben starten, oder Frauen, die nach der Elternzeit den Wiedereinstieg ins Berufsleben planen: Bereits 2017 hatten fast zwei Millionen Frauen mehr eine Stelle als vor zehn Jahren. Insgesamt gingen laut Bundesagentur für Arbeit in dem Jahr 74 Prozent einer bezahlten Arbeit nach (2007: 69,2 %). 2017 waren zudem insgesamt 29,2 Prozent der Führungskräfte in Deutschland weiblich (Statistisches Bundesamt). Den höchsten Anteil weiblicher Führungskräfte meldete der Bereich Erziehung und Unterricht (64,6 %) sowie das Gesundheits- und Sozialwesen (61,3 %). Laut Sonderauswertung der staatlichen Förderbank KfW führten 2017 jedoch auch 15,4 Prozent (580.000 Frauen) eines der rund 3,76 Millionen mittelständischen Unternehmen. Bei den Gründungen lag der Frauenanteil im Jahr 2017 bei 37 Prozent. Das Potenzial der Frauen bleibt auch in Zukunft enorm. Insbesondere im Bereich Medizin wird ein großer Umschwung erwartet. Zwei Drittel der Studierenden sind inzwischen Frauen.

Y-Generation Den zwischen 1980 und 2000 Geborenen ist mehr Lebens- und weniger Arbeitszeit wichtiger als den Generationen davor. Das merken auch Unternehmen und reagieren mit einer veränderten Unternehmensstruktur und -kultur auf die Bedürfnisse der Altersgruppe. Eine gelungene Work-Life-Balance basiert für die heute 20- bis 40-Jährigen auf Selbstverwirklichung im Job bei gleichzeitigem Ausgleich durch Zeit fürs Privatleben bzw. die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Z-Generation Die heranwachsenden Generation Z stellt den Arbeitsmarkt der Zukunft vor eine besondere Herausforderung. Gerade noch sind Unternehmen dabei, ihren Mitarbeitern ein ausgewogenes Beruf-Freizeit-Verhältnis zu ermöglichen, schon fordert die nächste Generation ein ganz neues Modell. Die zwischen 1997 bis 2012 Geborene) sympathisiert zunehmend mit einer Work-Life-Separation, also der Trennung von Arbeit und Freizeit. 

Artikel erschienen in der Top Frühjahrsausgabe 2020

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