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Interview: Melanie Heider

Für das „Projekt „Siegtalbrücke“ mit 1.050 Metern Länge ist eine Schrägseilbrücke mit sechs Spuren geplant. Voraussichtliche Bauzeit: 2027 bis 2034.
Für das „Projekt „Siegtalbrücke“ mit 1.050 Metern Länge ist eine Schrägseilbrücke mit sechs Spuren geplant. Voraussichtliche Bauzeit: 2027 bis 2034.

„Königin der Autobahnen“: Erfolgsgeschichte ausbauen

Marco Gräb, Leiter Außenstelle Netphen der Autobahn Westfalen

Marco Gräb, Leiter Außenstelle Netphen der Autobahn Westfalen

Die Autobahn GmbH ist mit ihrer Niederlassung Westfalen für fast 1.400 Kilometer Autobahn zwischen Gießen und dem niedersächsischen Leer verantwortlich. Die Strecken müssen betrieben, unterhalten, zum Teil erweitert oder sogar erneuert werden. Die A45 im Sieger- und Sauerland ist dabei ein besonderes Großprojekt. Allein 60 Großbrücken werden in den nächsten Jahren durch Neubauten ersetzt und die Sauerlandlinie durchgängig sechsspurig ausgebaut. Marco Gräb ist als Außenstellenleiter in Netphen derzeit für den Ersatzneubau von 23 Talbrücken und den Ausbau von rund 73 Kilometern Autobahn verantwortlich. Sein Ziel: Die A45 für die Zukunft leistungsfähig aufstellen.

Welche Bedeutung hat die A45?

Nordrhein-Westfalen ist ein Transitland – nicht nur für den innerdeutschen Warenverkehr, sondern auch für den internationalen Gütertransport. Da spielt die A45 eine wichtige Rolle. Doch die Sauerlandlinie hat auch für die Binnenwirtschaft sowie die touristischen Regionen eine herausragende Funktion. Sie ist so etwas wie die Schlagader einer starken Wirtschaftsregion.

Warum wird an der A45 gerade jetzt so viel gebaut?

Die Autobahn-Infrastruktur in NRW stammt weitgehend aus einer Zeit, in der mit wesentlich weniger Verkehr geplant worden ist. Und der Verkehr hat nicht nur in der Menge zugenommen, sondern vor allem die Lkw bringen auch mehr Gewicht auf die Straße. Gerade Brücken werden so extrem belastet. Die Bauwerke an der A45 sind in den 1960er- und 1970er-Jahren gebaut worden. Durch die enorme Zunahme des Verkehrs kommen sie nun beinahe zeitgleich an ihre Belastungsgrenzen. Unsere Aufgabe ist es, die notwendigen Baustellen so zu koordinieren, dass die Leistungsfähigkeit der A45 während der Bauphase nicht übermäßig beeinträchtigt wird. Für mein Team und mich bedeutet das, dass wir immer wieder innovative Verfahren in den Blick nehmen müssen, um zu prüfen, ob wir damit besser vorankommen. Das fordert uns, macht die Arbeit bei der Autobahn Westfalen aber auch enorm spannend!

Wie sieht das in der Umsetzung aus?

Wir können die A45 nicht für ein paar Jahre stilllegen, weil wir in Ruhe bauen wollen. Damit der Verkehr weiter fließen kann, müssen wir an einigen Stellen neben den bestehenden Brücken neu bauen, weil nur ein Bauwerk für beide Fahrtrichtungen vorhanden ist. Für Abbruch der alten Brücke und Neubau der zweiten Hälfte wird der Verkehr dann auf den ersten Neubau in Seitenlage gelegt. Wie bei der Lennetalbrücke in Hagen gerade beeindruckend demonstriert, wird diese Brückenhälfte später dann an ihren endgültigen Platz geschoben. Das klingt leicht, ist aber, was die Ingenieurleistung angeht, immer wieder eine echte Herausforderung.

Welche Herausforderungen bringt die A45 noch mit sich?

Bei den zweiteiligen Brücken bedeutet die Erneuerung, dass die alten Bauwerke zum Teil noch einmal ertüchtigt werden müssen. Schließlich rollt für eine ganze Zeit der gesamte Verkehr über eine Brückenhälfte. Wir sanieren also erst und bauen dann neu. Die A45 stellt uns darüber hinaus mit der Topografie vor große Herausforderungen. Wir bauen hier zum Teil in einem beinahe alpinen Gelände. Die Projekte sind schon in der Planungsphase sehr aufwändig. Und nicht alles lässt sich auf dem Papier vorhersehen – wir brauchen also auch immer wieder Zeit, um individuelle Lösungen zu finden.

Baustellen sind für Autofahrerinnen und Autofahrer oft ein Ärgernis. Was tun Sie, damit die Fahrt über die A45 nicht zu stressig wird?

Wir setzen innovative Verfahren ein, wie zum Beispiel die Verschiebung der neuen Talbrücke Rinsdorf samt der Pfeiler. Das hat so noch niemand gemacht! Der Bau der Teilbrücke neben der Autobahn hat für die Verkehrsteilnehmer noch keine Auswirkungen. Erst wenn der Verkehr über die neue Brückenhälfte fließt, müssen die Nutzer mit verengten Fahrspuren zurechtkommen. Wir planen die Baustellen zudem so, dass wir Projekte zusammenfassen – zwei nahe beieinander liegende Bauwerke werden zum Beispiel gleichzeitig erneuert. Und zwischen zwei Baustellen gibt es immer wieder eine längere Strecke, auf der sich die Verkehrsteilnehmer entspannen können. Das macht Baustellen sicherer und der Verkehr fließt störungsfreier.

Die Autobahn GmbH hat in den Niederlassungen neue Teams aufbauen müssen. Wie ist das mit Blick auf den Fachkräftemangel gelungen?

Ein Teil der Mitarbeiter ist von den Landesverwaltungen quasi mit den Projekten ins Team Autobahn gewechselt. Aber wir mussten und müssen auch neue Kräfte finden, um die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen. Dabei hoffen wir, dass unsere spannenden Projekte das Interesse junger aber auch erfahrener Kräfte wecken. Zudem ist die Autobahn GmbH ein attraktiver und familienfreundlicher Arbeitgeber – und wir in Netphen sind ein tolles Team. Wir suchen nicht nur – wie es vielleicht naheliegend ist – für die Bereiche Brücken- und Straßenbau. Wir suchen zum Beispiel für unsere vielfältigen Aufgaben im Bereich Umwelt Landespfleger, die sich um Planung, Bau und Pflege von Ausgleichsflächen kümmern. Und auch mit Blick auf die Digitalisierung stellen sich uns neue Herausforderungen, für die wir unser Team mit weiteren Kräften ausbauen wollen.

Projekt „Talbrücke Landeskrohner Weiher“
Projekt „Talbrücke Landeskrohner Weiher“: Die Brücke zwischen den Anschlussstellen Wilnsdorf und Haiger/Burbach spendet im Sommer im Badeweiher Schatten. Auch der neue Baukörper soll in dem Gewässer fußen. Baubeginn ist in diesem Jahr.

ÜBER DIE AUTOBAHN WESTFALEN

Die 2018 gegründete Autobahn GmbH des Bundes hat am 1. Januar 2021 die Verantwortung für Planung, Bau, Betrieb, Erhaltung, Finanzierung und vermögensmäßige Verwaltung der Autobahnen in Deutschland übernommen. Mit etwa 13.000 Kilometern Autobahn und zukünftig bis zu 15.000 Mitarbeitern wird die Gesellschaft eine der größten Infrastrukturbetreiberinnen in Deutschland sein.  

Die Niederlassung Westfalen mit ihrem Hauptsitz in Hamm erstreckt sich vom niedersächsischen Emsland über das Ruhrgebiet bis ins nördliche Hessen. Zur Niederlassung Westfalen mit 1.465 Mitarbeiterstellen gehören die fünf Außenstellen Osnabrück, Bochum, Hagen, Netphen und Dillenburg, zwei Projektbüros sowie 18 Autobahnmeistereien. Betreut werden 1.385 Kilometer Autobahn in drei Bundesländern  (NRW, Niedersachsen, Hessen) mit ca. 2.330 Brücken und 11 Tunnel. In der Außenstelle Netphen am Standort „Untere Industriestraße 20“ arbeiten zukünftig ca. 60 Beschäftigte.

Gleich drei der fünf Außenstellen der Autobahn Westfalen haben aktuell die „Königin der Autobahnen“ im Blick. In Hagen, Netphen und im hessischen Dillenburg wird der sechsspurige Ausbau und der Ersatz der Talbrücken geplant und baulich umgesetzt.


Kontakt
www.autobahn.de/westfalen