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Wir bekommen ein Baby!

Kleines Wunder, großes Glück

Text: Julia Wildemann

Kaum ein Ereignis verändert das eigene Leben so nachhaltig wie die Geburt eines Kindes. 40 Wochen haben die werdenden Eltern Zeit, um sich auf diesen Meilenstein vorzubereiten. Und doch ist von einem Moment auf den anderen plötzlich nichts mehr wie es war. Mit dem ersten Schrei beginnt das Abenteuer Familie. In den ersten drei Jahren werden wichtige Weichen für das gesamte Leben gestellt. So viel will auf dem Weg vom Säugling zum Kleinkind entdeckt und erlernt werden. In unserem Top-Thema rund ums Babyglück bündeln wir Wissenswertes zu Schwangerschaft sowie Geburt und verraten, wie Eltern zwischen Kinderwunsch, Geburtsvorbereitung und ersten Sprechversuchen den Überblick behalten.

Die Basis jeden Lebens bildet eine Eizelle, die nach dem Eisprung mehrere Tage durch den Eileiter wandert und auf ihrem Weg von einer Samenzelle befruchtet wird. Nächste Station ist die Gebärmutter, in deren Schleimhaut sich die befruchtete Eizelle einnistet. Fleißig teilen sich die Zellen und wachsen im Verlauf der Schwangerschaft zu einem Menschen im XS-Format heran. Ist die Phase der Einnistung (Implantation) abgeschlossen, werden Hormone ausgesendet, die den Körper in Schwangerschaftsmodus versetzen und so die Basis für eine optimale Entwicklung des Embryos schaffen.

Hormone – wichtige Signalgeber

Mit dem Beginn der Schwangerschaft durchläuft der Körper eine enorme Wandlung. Davon betroffen ist auch der Hormonhaushalt. Dank HCG, Östrogen und Co. passt sich der Organismus der Mutter an die Bedürfnisse ihres Babys an und ist nach 40 Wochen bereit für die Geburt.

  • Humane Choriongonadotropin – kurz HCG – wird auch als Schwangerschaftshormon bezeichnet. Es wird nach der Befruchtung ausgeschüttet und sorgt für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft, indem es die Gebärmutterschleimhaut auflockert und die Produktion von Progesteron anregt, das wiederum den Eierstöcken signalisiert, dass in den kommenden Wochen kein Eisprung mehr stattfinden muss. HCG ist auch für die Schwangerschaftsübelkeit verantwortlich, unter der rund zwei Drittel aller Frauen leiden. Der Körper nimmt den Embryo noch als Fremdkörper wahr und reagiert mit Erbrechen. Erst mit dem Ende des ersten Trimesters nehmen die Konzentration des Hormons und damit auch die Übelkeit wieder ab.
  • Die Gruppe der Östrogene besteht aus über 30 Hormonen, die in der Schwangerschaft eine essentielle Rolle spielen. Sie schaffen optimale Bedingungen für die Einnistung, beeinflussen Wachstum sowie Durchblutung der Gebärmutter und verändern die Größe der Brust.
  • Die Konzentration von Progesteron – auch Gelbkörperhormon genannt – steigt während der Schwangerschaft um das Zehnfache an. Es entspannt die Gebärmuttermuskulatur und reduziert so das Risiko vorzeitiger Wehen.
  • Relaxin lockert den Muttermund und sorgt für flexible Gelenke und Bänder im unteren Rücken und Becken, die den Geburtsprozess erleichtern. Die verbesserte Beweglichkeit ist im gesamten Körper spürbar und kann das Verletzungsrisiko beispielsweise beim Sport erhöhen.
  • Das Melanozyten-stimulierende Hormon (MSH) kurbelt die Melaninproduktion an, um die Haut von Schwangeren mit einem natürlichen Schutzschild gegen Sonnenstrahlen zu schützen. Nebenwirkung der stärkeren Pigmentierung sind unschöne Flecken besonders im Gesicht, an Stirn, Wangen und Kinn.

2018 kamen in Deutschland 787.500 Kinder zur Welt.
Das Durchschnittsalter der Mutter beim 1. Kind lag bei 30 Jahren.

Fokus auf Folsäure

Vitamin B9 besser bekannt als Folsäure spielt eine wichtige Rolle bei zahlreichen Stoffwechselvorgängen. Sie ist verantwortlich für die Blutbildung und die Synthese von DNS-Bausteinen. Ohne Folsäure wäre kein Wachstum möglich. Für den Embryo ist sie besonders im ersten Trimester lebensnotwendig. Ein Mangel kann Entwicklungsstörungen im Zentralnervensystem und schwere Missbildungen verursachen. In der Schwangerschaft verdoppelt sich der Bedarf an Folsäure auf 800 Mikrogramm pro Tag. Deshalb wird die Einnahme von ergänzenden Präparaten empfohlen. Mit der Einnahme sollte schon vor dem Einsetzen der Schwangerschaft begonnen werden, damit der Fötus ab dem ersten Tag ausreichend versorgt wird. Auch nach der Geburt sollte auf eine folsäurereiche Ernährung geachtet werden, denn über die Muttermilch gelangt das Vitamin in den Blutkreislauf des Babys und fördert das Wachstum und die Entwicklung der Organe. Die besten Folsäure-Lieferanten sind Hülsenfrüchte, Hefe und Getreidekeime. Zugreifen dürfen werdende Mütter außerdem bei Spinat, Rosenkohl, Spargel, Brokkoli, Grünkohl, Tomaten, Karotten, Radieschen und Avocado. Auch Vollkornprodukte, Sojabohnen, Orangen, Bananen, Nüsse und tierische Produkte wie Eier, Milch, Fleisch oder Fisch sind wertvolle Vitamin B9-Lieferanten.

Wir nehmen jede Patientin als einzigartige Persönlichkeit wahr. Genauso so einzigartig wie die Frauen sind auch deren Schwangerschaften. Wir möchten den Zauber, der diesen Monaten innewohnt, so wenig wie möglich stören, sind aber trotzdem zu jedem Zeitpunkt verlässlicher Ansprechpartner.“

Dr. med. Osama Shamia
Von der Befruchtung bis zur Entbindung: Eine Schwangerschaft dauert im Durchschnitt 280 Tage.

Doch was tun, wenn sich die Familienplanung schwieriger gestaltet als gedacht. Sollte es nicht auf Anhieb klappen, ist das erst mal kein Grund zur Sorge. Nur etwa ein Drittel aller Paare, die versuchen schwanger zu werden, können sich bereits nach wenigen Monaten über einen positiven Schwangerschaftstest freuen. Im Normalfall vergeht jedoch bis zu einem Jahr, bis gejubelt werden darf. Wer den eigenen Zyklus gut kennt, kann durch gutes Timing die Chancen erhöhen. Die sogenannte natürliche Familienplanung nimmt Zykluslänge, Kerntemperatur des Körpers (Basaltemperatur) und Beschaffenheit des Zervixschleims genau unter die Lupe, um den bestmöglichen Zeitpunkt für die Befruchtung abzupassen. Ovulationstests erfassen den Anstieg des eisprungfördernden Hormons Lutropin und unterstützen so beim Bestimmen der fruchtbaren Tage. Auch Kinderwunsch-Apps oder Fruchtbarkeits-Tracker helfen beim Überwachen des Zyklus. Zudem spielt das Alter eine entscheidende Rolle. Bereits mit Ende 20 nimmt die natürliche Fruchtbarkeit der Frau ab, Qualität und Anzahl der Eizellen werden stetig geringer. Wer mit Mitte 30 das Thema Familienplanung angeht, sollte nach sechs Monaten ohne Anzeichen einer Schwangerschaft ärztliche Unterstützung suchen. Frauen, die 40 Jahre oder älter sind, sollten sich bei einem Kinderwunsch direkt an einen Experten wenden.

Schwanger durch künstliche Befruchtung

Schwanger durch künstliche Befruchtung
Wer der Natur auf die Sprünge helfen möchte, kann auf unterschiedliche Methoden der künstlichen Befruchtung zurückgreifen. Welches Verfahren am sinnvollsten ist, muss individuell vom betreuenden Reproduktionsmediziner geprüft werden. Um die Ursache der Unfruchtbarkeit festzustellen, wird das Paar im ersten Schritt sorgfältig untersucht.

Im Anschluss stehen folgende Verfahren zur Auswahl:

  • Insemination
  • In-Vitro-Fertilisation (IVF)
  • intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICIS)
  • intratubarer Gametentransfer (GIFT)

Wer zahlt?

Wer gesetzlich versichert ist, hat nach §27a SGB V einen Anspruch darauf, dass die Krankenkasse an „Maßnahmen zur Herbeiführung einer Schwangerschaft“ finanziell unterstützt. Meist werden 50 Prozent der Kosten für Medikamente und die anschließende Behandlung übernommen. Voraussetzung ist ein detaillierter Behandlungsplan, der über die Art der künstlichen Befruchtung und die Kosten informiert.

Die Krankenkasse beteiligt sich jedoch nur dann, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden: Das Paar ist verheiratet und verwendet ausschließlich eigene Ei- und Samenzellen. Die Behandlung ist medizinisch notwendig. Beide Ehepartner müssen mindestens 25 Jahre alt sein. Für Frauen liegt die Altersgrenze bei 40 Jahren, Männer dürfen nicht älter als 50 sein. Nach der Geburt des ersten Kindes, besteht Anspruch auf bis zu drei weitere Behandlungen.

Die Regelungen der privaten Krankenkassen unterscheiden sich deutlich voneinander. Jeder Fall muss individuell geprüft werden. Findet sich keine organische Ursache für die Unfruchtbarkeit, ist der Versicherer nicht verpflichtet, sich an den Kosten zu beteiligen. Je nach Police gelten keine Altersgrenzen, und die Anzahl der Versuche ist nicht pauschal vorgegeben. Die Kosten für das Einfrieren von Samen- und befruchteten Eizellen oder Behandlungen wie Assisted Hatching und Polkörperdiagnostik müssen in der Regel privat bezahlt werden. An operativen Verfahren zur Gewinnung von Samenzellen beteiligen sich jedoch die meisten Krankenkassen.

Abgedeckt werden:

  • 8 Zyklen einer Insemination
    ohne vorherige hormonelle
    Stimulation plus
  • 3 Zyklen einer Insemination
    mit hormoneller Stimulation plus
  • 3 Zyklen einer IVF oder einer
    ICSI-Behandlung

Möglichkeiten der Pränataldiagnostik

Geht es meinem Kind gut? Entwickelt es sich normal? Wird es gesund zur Welt kommen? – Diese Fragen stellen sich fast alle werdenden Eltern. Erste Antworten liefert die Pränataldiagnostik als Ergänzung zu den regelmäßigen Vorsorgeterminen mit Ultraschall und CTG. Fehlbildungen, Stoffwechsel- und Chromosomenstörungen des Embryos können mittlerweile dank Ersttrimesterscreening, Fruchtwasseruntersuchung oder Bluttests bereits im Mutterleib festgestellt werden. Bei rund fünf Prozent der untersuchten Embryonen werden beim Ersttrimesterscreening Auffälligkeiten entdeckt. Um die Tragweite eines negativen Untersuchungsergebnisses zu verdeutlichen, ist eine ausführliche Beratung im Vorfeld Pflicht. Aufklären sollte der Mediziner auch über Risiken der Behandlung und die Möglichkeit einer psychosozialen Beratung. Entscheidet sich das Elternpaar nach einem schwerwiegenden Befund für einen Schwangerschaftsabbruch, gelten klare Regeln: Die Indikation darf nicht von selben Mediziner gestellt werden, der den Abbruch vornimmt und muss mit dreitägigem Abstand zur Diagnose erfolgen.

An alles gedacht?

Elternzeit beantragen
Der Antrag auf Elternzeit muss dem Arbeitgeber spätestens sieben Wochen vor dem geplanten Beginn schriftlich vorliegen. Enthalten sein müssen Infos zur Dauer und – falls schon bekannt – eventuelle Teilzeitregelungen während oder nach der Elternzeit.

Anmeldung beim Standesamt
Der Sprössling muss beim Standesamt angemeldet werden. Dort wird auch die Geburtsurkunde ausgehändigt.

Angabe des Familiennamens
Spätestens einen Monat nach der Geburt muss der Familienname beim Standesamt eingetragen werden. Hat nur ein Elternteil das Sorgerecht, erhält das Kind grundsätzlich dessen Familiennamen.

Anerkennung der Vaterschaft
Vater eines Kindes ist laut Bürgerlichem Gesetzbuch derjenige, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist, der die Vaterschaft anerkannt hat oder dessen Vaterschaft gerichtlich festgestellt ist. Unverheiratete Paare müssen die Vaterschaft also beim Standesamt, Jugendamt, Amtsgericht oder Notar anerkennen lassen.

Gemeinsames Sorgerecht
Eltern, die nicht verheiratet sind, sollten das gemeinsame Sorgerecht beantragen und eine beurkundete Sorgeerklärung abgeben. Verzichten Paare darauf, trägt die Mutter die elterliche Sorge allein.

Kindergeld und Elterngeld beantragen
Nicht zu lange warten sollten Eltern mit dem Antrag auf Kindergeld, der bei der Familienkasse oder beim Arbeitsamt gestellt wird. Anspruch auf Kindergeld besteht bis zum 18. Lebensjahr, sogar bis zum vollendeten 25., wenn das Kind eine Ausbildung oder ein Studium absolviert. Monatlich werden für das erste und zweite Kind 204 Euro überwiese, 210 Euro für das Dritte und ab dem Vierten 235 Euro. Auch das Elterngeld sollte unmittelbar nach der Geburt beantragt werden. Gezahlt werden 14 Monate lang bis zu 67 Prozent des letzten Nettogehalts. Unterschieden wird zwischen Basiselterngeld, ElterngeldPlus und dem Partnerschaftsbonus. Die unterschiedlichen Varianten können auch miteinander kombiniert werden.

Anmeldung zur Geburt
Ob Geburtshaus oder Krankenhaus – die Geburt muss in der jeweiligen Einrichtung bis zu drei Monate vorher angemeldet werden. Wer eine Hausgeburt plant, sollte frühzeitig Kontakt zu einer Hebamme aufnehmen.

Anmeldung bei der
Krankenversicherung
Besteht Versicherungsschutz über eine Familienversicherung, ist der Nachwuchs ab dem ersten Tag kostenlos mitversichert. Ist der besser verdienende Elternteil privat versichert, greift die gesetzliche Krankenkasse nicht. Sohn oder Tochter können aber innerhalb von zwei Monaten ohne Risikoprüfung in die private Krankenversicherung mitaufgenommen werden.

Artikel erschienen in der Top Frühjahrsausgabe 2020

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