Bürgermeister Steffen Mues – Top Blog

Interview: Melanie Heider

Bürgermeister Steffen Mues
Bürgermeister Steffen Mues unterwegs auf einem Spaziergang durch die Krönchenstadt.

Mit dem Bürgermeister durch Siegen

Steffen Mues, Bürgermeister der Universitätsstadt Siegen

Ein Konzept für die Krönchenstadt Siegen hatte Steffen Mues bereits im Kopf, als er sich vor 13 Jahren als Bürgermeisterkandidat aufstellen ließ. Seitdem ist er wesentlicher Weichensteller für zahlreiche städtebauliche und strategische Projekte. Das Top Magazin traf ihn zu einem Stadtspaziergang und sprach mit ihm über aktuelle Baustellenprojekte und zukünftige Entwicklungspläne zwischen Corona-Lockdown und Campus-Leben.

Herr Mues, seit Herbst können Interessierte an Baustellenrundgängen mit dem Bürgermeister teilnehmen. Das Format haben Sie selbst ins Leben gerufen, richtig?

Steffen Mues: In der Tat. Die Führungen schließen gewissermaßen an die Baustellenrundgänge „Siegen – Zu neuen Ufern“ an. Die Idee dazu entstand bei einem eigenen Spaziergang durch Siegen. Da mich die aktuellen Baufortschritte in der Ober- und Unterstadt sehr faszinieren, hielt ich es für eine tolle Möglichkeit, Bürgerinnen und Bürgern die städtischen Meilensteine persönlich näherzubringen. Denn gerade in diesen Zeiten ist es mir wichtig, den direkten Bürgerdialog coronakonform fortzusetzen. Die Nachfrage war so groß, dass die erste Tour bereits innerhalb weniger Stunden ausgebucht war. Damit hatte ich gar nicht gerechnet.

Wie ist es für Sie, nun wieder Neues entstehen zu sehen?

Es ist insgesamt ein schönes Gefühl, wenn Ideen Gestalt annehmen. Denn allein über die Pläne für das künftige Johann-Moritz-Quartier  wurde zehn Jahre lang diskutiert. Dabei haben wir ganz intensiv mit allen Beteiligten um Optik, Qualität und Höhe gerungen. Den Bürgerinnen und Bürgern bin ich sehr dankbar, dass ich durch die Wiederwahl auch die Möglichkeit bekommen habe, all diese Baufortschritte weiter zu begleiten und Projekte zu Ende bringen zu dürfen.

Bei welchen Projekten kommen Sie besonders schnell ins Schwärmen?

Definitiv bei den Sanierungsarbeiten der historischen Stadtmauer und der Erweiterung des Schlossparkes mit künftig einem der schönsten Spielplätze der Region, der sich auf mehrere Ebenen erstrecken wird. Aber auch die Errichtung des Johann- Moritz-Quartiers in der Unterstadt oder der Bau des „Haus der Musik“ in der Oranienstraße für das Landesorchester Philharmonie Südwestfalen, zählen für mich zu den Highlights. Das alles werden echte Innenstadt-Vorzeigeprojekte – übrigens: Auch die neue Mensa der Universität ist in meinen Augen ein echter Anwärter auf einen Architekturpreis.

Inwiefern schlägt die Fertigstellung des Campus Unteres Schloss ein neues Kapitel der Stadtgeschichte auf?

Das Projekt „Uni in die Stadt“ ist mehr als bloß eine städtebauliche Veränderung. Vielmehr wird das Stadtleben dadurch nachhaltig geprägt. Mit der Fertigstellung des neuen Hörsaal-Zentrum Unteres  Schloss wurde bereits Platz für bis zu 1.350 Studierende geschaffen, die hier – nach Corona – gleichzeitig lernen und arbeiten können. Mit den beiden noch geplanten Campus-Erweiterungen am Löhrtor und in der Friedrichstraße werden perspektivisch bis zu 8.000 weitere Studierende folgen. Das belebt die Kernstadt, schafft Begegnungen von Generationen und stärkt durch die universitäre Forschung und aus-gegründete Start-ups langfristig auch die heimische Wirtschaft.

Was schätzen Sie am neuen Stadtbild?

Ich finde die geschlagene Brücke zwischen Historie und Modernität besonders gelungen und spannend. Siegen ist das Oberzentrum einer traditionsreichen Mittelstandsregion, ein Ort der lebendigen kulturhistorischen Geschichte und gleichzeitig eine innovative junge Universitätsstadt – übrigens seit 2012 offizieller Namensbestandteil. Was das Stadtbild anbelangt heißt das aber auch: Wir müssen und dürfen uns nicht mit den Bausünden aus den 1970er- und 80er-Jahren zufrieden geben. Und weil wir das nicht tun, haben unsere städtischen Initiativen bereits Investitionen aus der Privatwirtschaft nach sich gezogen, d.h. Gebäude wurden modernisiert und neuer Arbeits- und Wohnraum geschaffen. All das trägt zur Attraktivitätssteigerung der Stadt und der Region bei.

Was stört Sie dennoch aktuell?

Ein städtebaulicher Dorn im Auge sind  mir die beiden leerstehenden Hochbunker in der Burgstraße. Die tiefen Deckenhöhen und die dicken Betonwände machen einen Abriss finanziell unmöglich. Gemeinsam mit dem Siegerlandmuseum befinden wir uns jedoch gerade in der Konzeptentwicklung für eine Erweiterungsfläche. Die Überlegungen gehen in Richtung einer digitalen Wechselausstellung über die Wirtschafts- und Industriegeschichte unserer Region. Problematisch ist die Finanzierung, da ein solches Projekt nur mit bis zu 70 Prozent vom Land bezuschusst wird. 2021 hoffen wir daher, eine Finanzierungslösung zu finden.

Welche geschichtsträchtigen Orte sind noch eher unbekannt?

Sicherlich die unscheinbaren Plätze, die historisch jedoch sehr bedeutsam sind. Zum einen das ehrenamtlich betriebene Aktive Museum am Platz der Synagoge, das 1996 als Gedenk-, Lern- und Dokumentationsort über die Zeit des Nationalsozialismus eröffnet wurde. Es wird gerade um ein zweites Stockwerk erweitert. Zum anderen unsere Fürstengruft, die aktuell denkmalgerecht saniert wird. Die da-zugehörige Grabplatte von Fürst Johann Moritz (1604–1697) wurde übrigens erst im Zuge der universitären Nutzung des Unteren Schlosses wieder freigelegt.

Welches zukünftige Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen?

Den Herrengarten wieder in seiner ursprünglichen Funktion in das Stadtbild einzufügen, das ist – wie bereits die Wieder-Freilegung der Sieg – für mich eine echte Herzensangelegenheit. Als es damals zum Teilverkauf kam, war das für mich ein echter Glücksgriff. Um den Fuß in die Tür zu bekommen, haben wir das erste Mal seit langer Zeit von dem Vorkaufsrecht der öffentlichen Hand Gebrauch gemacht. Dann ist lange nichts passiert – mittlerweile sind jedoch alle Verhandlungen geführt und der Abriss bzw. die Fertigstellung der grünen Parkanlage für 2022 geplant.

2020 wurde ein Bürgerantrag zur Vergabe von mehr weiblichen Straßennamen eingereicht. Wie stehen Sie dazu?

Mir persönlich gefällt es, dass wir in einer Zeit leben, in der es aktive Bürgerbewegungen gibt. Bei uns ist der Antrag auf offene Ohren gestoßen. Schließlich gibt es nicht nur berühmte Söhne, sondern auch wichtige Töchter der Stadt. Übrigens passt ein solches Vorhaben sehr gut zu unseren weiteren Stadtplanungen hinsichtlich Neuerschließungen für Wohnen und Ge-werbe und einer fahrradfreundlichen Verkehrsentwicklung.