Bürgermeisterin Nicole Reschke – Top Blog

Interview: Julia Wildemann; Fotos: Kai Osthoff

Mit Bürgermeisterin Nicole Reschke unterwegs rund um die Fachwerkstadt Freudenberg.

Mit der Bürgermeisterin durch Freudenberg

Nicole Reschke, Stadt Freudenberg 

Bekanntestes Motiv Freudenbergs: Der Blick auf die schwarz-weiße Idylle des Alten Fleckens. Die fotogene Fachwerkformation lockte in der Vergangenheit bereits Besucher aus der ganzen Welt in die geschichtsträchtigen Straßenzüge. Davon, dass sowohl die Stadt als auch die umliegenden Dörfer noch mehr zu bieten haben, überzeugten wir uns während eines Spaziergangs mit Bürgermeisterin Nicole Reschke. 

2015 entschieden Sie die Bürgermeisterwahl fьr sich, im vergangenen Herbst wurden Sie in Ihrem Amt bestätigt. Welche städtebaulichen Ziele haben Sie sich fьr Ihre zweite Amtszeit gesteckt? 

Nicole Reschke: Ein zentrales Thema ist Wohnraum. Die Möglichkeiten sind in allen Stadtteilen so gut wie erschöpft, es müssen zusätzliche Angebote geschaffen werden. Ähnliches gilt für Gewerbeflächen. Auch die Modernisierung von Schulen und Kitas steht weit oben auf meiner Agenda. Ein breitgefächertes und gut zu erreichendes Betreuungsangebot ist besonders für junge Familie entscheidend für die Wahl des Wohnortes. 

Früher Hallenbad, heute Mensa: In dem Neubau im Schulzentrum Büschergrund können sich in den Pausen rund 800 SchüerInnen stärken. 

Der „Alten Flecken“ ist das Herzstück Freudenbergs. Welche Herausforderungen bringen die Fachwerkhäuser mit sich? 

Wir freuen uns über das große Interesse an unserer Altstadt. Besucher – Einheimische und Touristen – dürfen aber nicht vergessen, dass der Alte Flecken kein Museum ist. Hier leben und arbeiten Menschen. Wer sich für den Kauf eines Fachwerkhauses entscheidet, übernimmt auch einige Pflichten. Stichwort Denkmalschutz! Die Baudenkmäler sind für die nachfolgenden Generationen zu erhalten, Sanierungen sind aufgrund von strengen Vorgaben und baulichen Herausforderungen häufig kostenintensiv. Dank Förderungsprogrammen können wir die Hausbesitzer finanziell unterstützen. Allein von 2018 bis 2020 flossen über 320.000 Euro aus den Kassen von Stadt und Land.

Aktuell laufen im Kurpark umfassende Umbaumaßnahmen. Geplant sind ein Café, ein Sportbereich und ein Kinderspielplatz. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Baufortschritt? 

Aktuell laufen im Kurpark umfassende Umbaumaßnahmen. Geplant sind ein Café, ein Sportbereich und ein Kinderspielplatz. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Baufortschritt? Wir liegen gut im Zeitplan. Bis Ende Mai werden die Hauptarbeiten erledigt sein und wir hoffen, den Park im Sommer zur Nutzung freigeben zu können. Ich bin begeistert von der hohen Aufenthaltsqualität, die beispielsweise der Sportbereich mit Bewegungsfläche, Fitnessgeräten und Basketballbereich bietet. Auch der komplett neu gestaltete Aufgang, die Sitzterrassen im Hang mit Blick auf den Alten Flecken und der Bereich rund um den Café-Pavillon haben meine Erwartungen übertroffen. Das wird ein schцner Ort, um die Seele baumeln zu lassen. Einziger Wermutstropfen: Die große Feier müssen wir coronabedingt wohl auf 2022 verschieben. Als Alternative zum dreitägigen Bürgerfest zur Eröffnung können wir aber hoffentlich ein Pre-Opening mit den Rudelturnern und einzelne kleinere Veranstaltungen realisieren. 

Auch der Marktplatz soll in den kommenden Jahren umgestaltet werden. Ein erstes Konzept liegt bereits vor. Wie sehen die nächsten Schritte aus? 

Wir warten aktuell auf den Zuwendungsbescheid fьr die ersten zwei der drei Bauabschnitte. Dann folgt die Ausschreibung der Detailplanung. Mit Baubeginn ist frühestens im Sommer 2022 zu rechnen. Ich freue mich schon jetzt auf die vielen Nutzungsmöglichkeiten, die der neue Marktplatz bieten wird. 

Die umfassenden Baumaßnahmen in und um den Freudenberger Kurpark werden bald abgeschlossen sein. Ab Sommer locken unter anderem großzügige Sitzterrassen, ein Aktivbereich und ein neues Gastrokonzept. 

In und um Freudenberg gibt es viel zu entdecken. Ist die Vielfalt das Geheimrezept der Stadt, um langfristig attraktiv zu bleiben? 

Wir haben ein klares Ziel: Aufenthaltsqualität steigern und Besucher länger halten. Gleichzeitig sollen auch die Bürgerinteressen berücksichtigt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir uns noch breiter aufstellen und kombinierte Angebote schaffen. Die Umgestaltung des Kurparks war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Auch die komplette Neustrukturierung des Marktplatzes in den kommenden Jahren wird sich positiv auf die Attraktivität auswirken. Wir arbeiten außerdem stetig am Ausbau der Rad- und Wanderwege. Neue Konzepte wie der „KulturFlecken-Weg“ und der Themenweg „Wasserstaaten“ werden sehr gut angenommen. Auch der Ruhr-Sieg-Radweg durch den Hohenhainer Tunnel erfreut sich großer Beliebtheit. Aktuell erarbeiten wir ein innovatives Projekt in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen und der Gesamtschule. Der Alte Flecken soll mithilfe des Smartphones digital erlebbar werden. Spannend! 

Der Verein „Freudenberg WIRKT“ mit Mitgliedern aus Wirtschaft, Handel und Gastronomie möchte die Stadt als Einzelhandels- und Dienstleistungsstandort stärken und die touristische Weiterentwicklung fördern. Wie beurteilen Sie den allgemeinen Zusammenhalt und Austausch der lokalen Unternehmen? 

Ich bin sehr froh, dass wir ein so aktives Netzwerk vor Ort haben. Aktuell zählt der Verein 95 Mitglieder, der Austausch läuft sehr gut. Mit einem einheitlichen Marketingkonzept und gemeinsamen Aktionen wird in der Tat der Standort gestärkt und die Attraktivität für Touristen gesteigert. Einige Beispiele sind der Frühlingsmarkt, das Seifenkistenrennen, der Herbst- und Mittelaltermarkt, das Adventswochenende, die stimmungsvolle Weihnachtsbeleuchtung oder das jährliche Heimat Shoppen. Es gibt eine enge Verzahnung mit der Stadt, als Bürgermeisterin bringe ich mich als stellvertretende Vorsitzende aktiv ein.

Ende 2020 wurde der Freudenberger (Gut-)schein eingeführt. Wie ist die Idee entstanden? Und können Sie schon ein erstes Fazit ziehen? 

Die Idee ist im Vorstand entstanden: Wir wollten die Vielfalt vor Ort noch stärker präsentieren und Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen langfristig unterstützen. Optisch ansprechende Gutscheine im Wert von 5, 10 und 20 Euro können in der Geschäftsstelle von Freudenberg WIRKT e.V. – Tourist-Information in der Kölner Str. 1 – erworben und bei rund 30 Partnern in allen Stadtteilen eingelöst werden. Seit Anfang Dezember sind über 1.000 Gutscheine im Wert von über 12.000 Euro verkauft worden. Kaufkraft, die im Ort gehalten wird und lokalen Unternehmen zugutekommt. 

Freudenberg besteht aus 17 Stadtteilen. Wie gelingt es, auch die umliegenden Dцrfer in die Stadtentwicklung miteinzubeziehen? Welche konkreten Projekte befinden sich aktuell in Planung? 

In enger Zusammenarbeit mit BürgerInnen sowie Orts- und Stadtvertretern haben wir im Rahmen von Stadtteil-Workshops, Stadtteil-Safaris und Projektblattaktionen ein gesamtkommunales Zukunftskonzept erarbeitet. Das Integrierte Kommunale Entwicklungskonzept (IKEK) bündelt Stärken, Schwächen, Ziele und Projektideen fьr die kommenden Jahre. So konnten wir erfolgreich Fördergelder in Hцhe von 370.000 Euro fьr die Dorfentwicklung, beispielsweise in Oberholzklau, Oberfischbach, Hohenhain und Plittershagen, beantragen. In Heisberg wurde mit der Umgestaltung des Dorfmittelpunktes bereits eine Maßnahme mit großem Erfolg umgesetzt. Um den Weiher gegenüber des Backes zu erhalten und als Treffpunkt erlebbar zu machen, wurde die Wasserfläche freigelegt, das Ufer befestigt und der Zaun versetzt. Über den neuangelegten Rundweg gelangt man zu einer Holzplattform, wo Sitzgelegenheiten zum Verweilen einladen. Blickfang ist hier die historische Feuerwehrspritze unter einem Schutzdach.