CIRCUIT® Gastbeitrag

Text: Martin Spiecker / CIRCUIT® Magazin

Start in die Motorradsaison

Welche Motorradfahrerin und welcher Motorradfahrer kennt es nicht, dieses Gefühl der Unruhe, wenn die ersten Sonnenstrahlen nach einem langen, grauen Winter endlich wieder die Oberhand gewinnen. Das Bike muss nun unbedingt aus der Garage und möchte wieder bewegt werden! Doch es gilt, ein Mindestmaß an Vorbereitung für Mensch und Maschine einzuhalten. Die nachfolgenden Tipps sollen dazu beitragen, genussvolles und sicheres Motorradfahren in der neuen Saison möglich zu machen.

Wer eventuell seine Maschine nach der letzten Tour vor dem Saisonende einfach in die Garage geschoben hat, auf den könnte nun etwas Arbeit warten. Aber selbst wenn das Bike die letzten Monate in ordentlicher Einwinterung verbracht hat, sollten einige Basics beachtet werden, bevor es wieder losgeht:

Die Maschine sollte einer genauen Sichtprobe unterzogen werden. Staub, Schmutz und Insektenreste werden dabei entfernt. Bei dieser Gelegenheit können direkt alle Anschlüsse, Leitungen und Schraubverbindungen auf festen Sitz bzw. Dichtheit geprüft werden. Ebenfalls die vollständige Beleuchtung am Bike checken. Falls die Batterie nach der langen Standzeit nun ihren Dienst versagt, kann mit einem zeitgemäßen Ladegerät die Aktivität wieder hergestellt bzw. in Zukunft durch ein solches „Frischhaltegerät“ über den Winter der Bike-Akku bei Laune gehalten werden.

Alle Flüssigkeiten am Motorrad werden außerdem geprüft, ggf. aufgefüllt oder ausgetauscht. Speziell der Bremsflüssigkeit sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Bremsflüssigkeit ist ein Verschleißteil und hat hygroskopische Eigenschaften. Dies bedeutet, dass sie im Laufe der Zeit Feuchtigkeit anzieht und bindet. Damit sinkt der Siedepunkt und die Bremsleistung kann gerade im Sommer und bei heißer Bremse rapide nachlassen. Weiterhin werden die Bremsbeläge und anschließend der Druckpunkt der Bremse gecheckt.

  • Von der Bremse zu den Reifen: Der Luftdruck wird auf das vorgeschriebene Niveau gebracht. Dabei auch das Profil überprüfen (Faustregel: 2-2,5 mm Minimum). Sind die Reifen älter als drei Jahre – erkennbar am Herstellungsdatum über die DOT-Nummer an der Reifenflanke – sollten sie ausgetauscht werden. Nur mit frischen Pneus ist der notwendige Grip gewährleistet.
  • Ein Blick auf die äußere Mechanik ist wichtig: Beim Kettenantrieb werden Spannung und Schmierung geprüft. Auch die regelmäßige Reinigung der Kette verlängert ihre Lebenszeit erheblich. Ein Tropfen Öl bzw. etwas Fett auf Gelenke und Bowdenzüge sorgen für Leichtgängigkeit.
    • Ist das Bike nun durch diese Basics fit gemacht, lohnt es sich, auch die Bekleidung anhand folgender Stichpunkte zu überprüfen:
      • Ist die Textil- oder Lederkombi sauber? Lederkombis sollten zudem regelmäßig gefettet werden.
      • Weist die Bekleidung keine sichtbare Beschädigung auf? Speziell bei der Touren-Textilbekleidung sollten Nähte und innenliegende Protektoren auf Schäden bzw. Sitz überprüft werden.
      • Ist das Helmvisier noch in Ordnung und nicht verkratzt? Kleinere und nicht zu tiefe Kratzer lassen sich häufig gut herauspolieren. Die Überprüfung von Helm, Handschuhen und Stiefeln rundet diesen Check ab.
  • Fitness für den Biker: Wer sich nach einer längeren Pause nicht mehr ganz so sicher fühlt, kann ein Fahrsicherheitstraining absolvieren und die persönliche Sensorik in Kombination mit der Fahrdynamik auf zwei Rädern schärfen und justieren. Körperliche, sportliche Fitness unterstützt dies, denn aktives Motorradfahren ist Sport! Mit wachem Verstand und vorausschauendem Fahren auf einem Bike, welches technisch in Ordnung ist – damit ist der Spaß und der Genuss an diesem einzigartigen Hobby perfekt!
  • Ein Letztes: Zum Saisonbeginn müssen sich alle Verkehrsteilnehmer wieder an die „plötzlich auftauchenden“ Motorräder auf der Straße gewöhnen. Viele Autofahrer rechnen nicht mit Motorradfahrern. Schon ein Mittelklassemotorrad ist leistungsmäßig einem Auto weit überlegen und kann zum Leichtsinn bei der Fahrweise verführen. Daher gilt der Grundsatz, der eigentlich für alle Verkehrsteilnehmer selbstverständlich sein sollte, aber besonders für den Motorradfahrer: Niemals an unübersichtlichen Stellen überholen! Defensives Fahren lautet das Gebot und wer es wirklich mal richtig krachen lassen möchte, der kann dies relativ gefahrlos bei einem Training auf der Rennstrecke ausprobieren.

Tipp:
Hat die Bremsflüssigkeit eine bräunliche bis dunklere Farbe, sollte sie unbedingt nach technischer Vorgabe gewechselt werden.


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