Top Blog: Fahrrad

Text: Julia Wildemann

Blühende Wiesen, glitzernde Seen, grüne Wälder und tausend Berge: das Sauerland präsentiert sich Rennradfahrern als perfektes Revier. Hier findet jeder die optimale Tour oder attraktive Veranstaltungen – Auswahl gibt es mehr als genug. Mehr Infos unter: www.bike-arena.de

Ab auf’s Rad!

Vielseitige Modelle und regionale Streckentipps

79,1 Millionen – so viele Fahrräder waren 2020 auf den deutschen Straßen unterwegs. Neuer Höchstwert! Die Lust aufs Rad ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Zu Recht, denn wer regelmäßig in die Pedale tritt, fördert die eigene Gesundheit und schont gleichzeitig die Umwelt. Der Top Guide rund ums Zweirad rekonstruiert die Erfindung des beliebten Fortbewegungsmittels, stellt unterschiedliche Modelltypen vor und nimmt die schönsten regionalen Radrouten unter die Lupe.

Eine über zweihundertjährige Erfolgsgeschichte

Bereits in der Antike versuchten die Menschen, sich ohne die Unterstützung von Tieren fortzubewegen. Ergebnis waren sogenannte „Muskelkraftwagen“, die – wie der Name bereits vermuten lässt – mit reiner Muskelkraft angetrieben wurden. Im siebten Jahrhundert entwickelte Rabî ibn Zijâd eine Konstruktion, auf der man wie auf einem Kamel sitzen konnte und der er den Beinamen „der Maschinenreiter“ verdankte. 1420 baute Giovanni Fontana einen vierrädrigen Wagen, der sich per Seilzugmechanismus bewegen ließ. Anfang des 18. Jahrhunderts kamen die „Nürnberger Laufmaschinen“ auf den Markt, die aus zwei Holzrädern und einem Querbalken bestanden. Gemeinsamkeit all dieser Fortbewegungsmittel: sie waren unbequem und wenig praktikabel. Das änderte sich 1817 als Karl von Drais mit der Erfindung seiner Draisine den Grundstein für das Fahrrad in seiner heutigen Form legte. Er kombinierte die nicht lenkbaren Laufräder mit einer Lenkvorrichtung und sorgte so für leichteres Handling. Seine Idee wurde 1818 mit einem „Großherzoglichen Privileg“ belohnt – dem Pendant zum heutigen Patent.

850 Kilometer, 335 Millionen Euro
Kreisweites Radverkehrskonzept mit rund 1.400 Einzelmaßnahmen

Der Radverkehrsanteil im „Modal Split“ – also in die Verteilung des Transportaufkommens auf verschiedene Verkehrsmittel – beträgt in Siegen-Wittgenstein laut einer Mobilitätsumfrage des Kreises lediglich vier Prozent. Rund ein Drittel aller Kurzstrecken – also weniger als vier Kilometer – werden mit dem Auto zurückgelegt. Dieses Potenzial will das kreisweite Radverkehrskonzept nutzen.
In Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden des Kreises soll ein alltagstaugliches Radwegenetz entstehen, das die Kommunen miteinander und mit den benachbarten Kreisen verbindet. Ein erster Entwurf enthält 1.416 Einzelmaßnahmen und über 850 Kilometer Radwege.
Die geplanten Routen sind in drei Kategorien unterteilt: Radpendlerrouten, laut Gutachten wichtigste Verbindung zwischen den Kommunen mit hohem Nutzerpotenzial, Hauptrouten entlang der Hauptverkehrsstraßen und Nebenrouten mit geringem Pkw-Aufkommen, die auch touristische Strecken beinhalten. Die geschätzten Gesamtkosten liegen bei 335 Millionen Euro, eine Förderung in Höhe von 90 Prozent gilt als realistisch. Mit der Umsetzung erster Projekte könnte 2023 begonnen werden.

Bike Leasing
Mit dem Rad zur Arbeit

Wer vom Arbeitgeber einen Dienstwagen zur Verfügung gestellt bekommt, kann diesen unter bestimmten Voraussetzungen auch privat nutzen. Doch auch wer statt auf vier lieber auf zwei Rädern über die Straßen rollt, profitiert von attraktiven Förderungen. Ein rechtlicher Beschluss von 2012 erweiterte das Dienstwagenprivileg auf Fahrräder, Pedelecs und E-Bikes. Der Leasingbetrag wird ganz unkompliziert direkt vom Bruttogehalt abgezogen. Da das Fahrrad der Wahl natürlich auch in der Freizeit genutzt
werden kann, gilt es als geldwerter Vorteil und muss versteuert werden. Seit 2020 aber nur noch mit 0,25 Prozent des Neupreises. Wird das Rad per Gehaltsextra und nicht per Gehaltsumwandlung finanziert, ist es seit 2019 sogar komplett steuerfrei.


Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) zählt in Deutschland über 190.000 Mitglieder. Weltweit ist er die größte Interessenvertretung der RadfahrerInnen. Politisch engagiert sich der Club auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.


Must-haves für Radler

  • Gutsitzender Fahrradhelm, um bei einem Sturz geschützt zu sein. Modelle mit integrierter Lampe garantieren Sicherheit nach Sonnenuntergang.
  • Funktionierendes Fahrrad-Schloss für ausreichenden Diebstahlschutz
  • Reinigungsmittel für die richtige Fahrrad-Reinigung und -pflege nach einer Radtour
  • Bequemer Fahrradsitz mit höhenverstellbarem Sattel
  • Fahrradpumpe, passende Werkzeuge und Flickzeug, um unterwegs kleine Reparaturen durchführen zu können

Top Tipp:
Rasante Abfahrten und Adrenalin pur! Dank elf flowigen Trails kommen im Bikepark Winterberg sowohl Anfänger als auch Profis auf ihre Kosten.
Der insgesamt 15 Kilometer lange Freeride und Downhill Parcours bietet Abenteuer mitten in der Natur. Wer kein eigenes Rad hat, kann sich vor Ort ein Mountainbike ausleihen. Auch für Schutzausrüstung ist gesorgt.
www.bikepark-winterberg.de


Fakten rund ums Fahrrad

  • 1886 umrundete Thomas Stevens als erster Mensch die Erde mit einem Hochrad. 1895 gelang Annie Londonderry die Erdumrundung als erste Frau.
  • Jedes Jahr werden zwischen 12.000 und 15.000 Fahrräder aus den Kanälen von Amsterdam entfernt.
  • Weltrekord im Fahrradfahren unter Wasser: 6,7 Kilometer in einer Stunde
  • Eine Stunde Fahrradfahren = 800 verbrauchte Kalorien
  • Auf Mackinac Island, einer 11,3 Quadratkilometer großen Insel im Bundesstaat Michigan, finden Fahrradfans den M-185 Highway. Er ist der einzige Highway der USA, auf dem keine motorisierten Fahrzeuge, sondern ausschließlich Fußgänger, Zweiräder oder Pferde unterwegs sein dürfen.
  • Im 19. Jahrhundert glaubten WissenschaftlerInnen, dass sich das Gesicht durch den Fahrtwind verformt.
  • Schausteller Michel Lolito konnte unbeschadet Metall verspeisen und aß in seinem Leben insgesamt 18 Fahrräder.

Top Tipp:
3,5 Kilometer Fahrspaß bergab, 2 Varianten – der FLOWTRAIL Siegen bietet zentral am Fischbacherberg gelegen Abwechslung für alle Level. Die Strecke schlängelt sich mal durch Anliegerkurven, mal über umfahr- oder überrollbare Sprungelemente hinunter in die Numbach, von wo aus entspannt zum Startpunkt zurückgefahren wird.
www.mtbsiegerland.de


Deutschland: Fahrradland 2030!?
Der Nationale Radverkehrsplan (NRVP) gibt vor, was Bund, Länder und Kommunen sowie ExpertInnen aus Wissenschaft und Wirtschaft tun müssen, um Deutschland in den kommenden Jahren zum Fahrradland zu machen und für lückenlose Radverkehrsnetze sowie mehr Verkehrssicherheit zu sorgen. Konkrete Fragestellungen wurden auch mit Verbänden wie ADFC, VCD, ADAC, Changing Cities, Deutsche Bahn, VDV, Zweirad-Industrie-Verband e.V. und dem Deutschen Institut für Urbanistik diskutiert.

Ziele für 2030:
Die Anzahl der Fahrten steigt von 120 auf 180 pro Person und Jahr ohne Auswirkungen auf andere Verkehrsarten des Umweltverbundes.
Die durchschnittliche Länge der mit dem Rad zurückgelegten Strecke erhöht sich von 3,7 Kilometer auf sechs Kilometer.
Die Zahl der im Verkehr getöteten RadfahrerInnen reduziert sich im Vergleich zu 2019 um 40 Prozent – trotz deutlich gestiegenem Radverkehr.


Fahrradtypen in der Übersicht:

Mountainbike
In den 1970er-Jahren auf den Markt gekommen, heute weltweit erfolgreichste Radbewegung – der Siegeszug des Mountainbikes kann sich sehen lassen. Der Gelände-Allrounder garantiert Fahrspaß fernab der Straßen und punktet mit robustem Design. Unterschieden wird zwischen Hardtail-Mountainbikes mit
Federgabel sowie ungefedertem Hinterrad und Full Suspension-Bikes mit Federung an Vorder- und Hinterrad. Radgröße, Federweg, Geometrie, Ausstattung und Gewicht variieren je nach Einsatzgebiet.

Rennrad
Extreme Steigungen bezwingen oder auf kurvigen Abfahrten den Geschwindigkeitsrausch genießen? Auf dem Rennrad kein Problem! Fans haben die Wahl zwischen klassischen Modellen, Langstrecken- oder Aero-Varianten, sportlichem Triathlonbike oder geländefähigen Rädern für den Cyclocross- und Gravelroad-Einsatz. Die sportlichen Begleiter rollen häufig mit Carbon- oder Aluminiumrahmen, 2×11-Schaltung, Scheibenbremsen und im High-Class-Segment auch mit elektronischer Schaltung an den Start.

Cityrad
Im Stadtverkehr essenziell: schnell reagierende Bremsen, ein kraftvoller Antrieb und hochwertige Reifen. Genau diese Kombi bieten Cityräder, die außerdem noch mit einer fest montierten Lichtanlage mit Nabendynamo, Klingel, Schutzblech, Fahrradständer und häufig einem robusten Gepäckträger oder Korb ausgestattet sind, dank dem sich Einkäufe oder die Sporttasche bequem transportieren lassen. Die aufrechte Sitzposition garantiert Komfort und dank besserem Überblick zusätzliche Sicherheit.

Trekkingrad
Wer auch auf längeren Strecken komfortabel unterwegs sein möchte, sollte auf Trekkingräder setzen. Die Modelle sind dank breitem Sattel und ergonomischer Sitzposition optimale Begleiter für z. B. Tagestouren. Mit belastungsgerecht konstruierten Reiserädern lässt sich auch das ein oder andere Gepäckstück transportieren. Crossräder kombinieren die schmaleren Reifen von Tourenrädern mit Merkmalen von Mountainbikes und punkten sowohl auf befestigten als auch unbefestigten Radwegen.

Pedelec / E-Bike
Entspannt Meter machen und bei steilen Streckenabschnitten auf elektronische Unterstützung setzen: das können Besitzer von innovativen E-Bikes bzw. Pedelecs (Pedal Electric Cycle). Mittlerweile gibt es in allen Modellklassen, Leistungsstufen und Größen die passende E-Variante für Jung und Alt. Zu der Klasse der Pedelec gehören hierzulande übrigens die meisten elektrisch unterstützten Zweiräder. Der Unterschied zum E-Bike, das auf bis zu 45 km/h kommt: Radler müssen beim Pedelec aktiv in die Pedale treten und bei 25 km/h ist Schluss.

Kinder- und Jugendrad
Fahrradfahren fördert in jungen Jahren Koordination und Körpergefühl. Deshalb ist es wichtig, bereits im Kindesalter in den Sattel zu steigen. Ob Laufrad oder BMX-Bike – wichtig ist eine kindgerechte Ergonomie, die dem individuellen Entwicklungsstand entspricht. Ein verstellbarer Sattel und Lenker sind genauso ein Muss wie ein vollständig geschlossener Kettenschutz, in dem sich keine Hosenbeine verfangen können. Zur Grundausstattung gehört außerdem ein Helm mit CE-Zeichen, der den gängigen Sicherheitsnormen entspricht.


Netpher Radring
Raderlebnis in der Drei-Quellen-Stadt am Rothaarsteig
Ruhr-Sieg-Radweg
Auf ehemaligen Bahntrassen von Meschede nach Kirchen
Auf 36 Kilometern punktet der Netpher Radring mit landschaftlicher Schönheit und zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Wer Ruhe und Entspannung sucht, ist hier richtig. Start und Ziel der Rundtour ist der Freizeitpark Netphen. Von dort folgen Radler dem Verlauf der Sieg durch das Naturschutzgebiet Auenwald bis nach Deuz. Die Tour führt weiter über Salchendorf und Helgersdorf bis nach Werthenbach. Nun wartet entlang der alten Eisenstraße das sagenumwobene Quellgebiet von Sieg, Eder und Lahn. Vorbei am Forsthaus Hohenroth fährt man zur Obernautalsperre, wo die Anstrengungen der Tour mit einzigartigen Ausblicken belohnt werden.Der Ruhr-Sieg-Radweg ist Verbindungsglied zwischen Ruhr und Sieg. Etwa die Hälfte der Strecke führt über ehemalige Bahntrassen und bietet so die Möglichkeit, ohne große Steigungen durch die Mittelgebirgslandschaft zu radeln. Startpunkt ist der Bahnhof Meschede. Entlang des Biggesees – einem der größten Stauseen der Region – verläuft die Strecke Richtung Wenden. Durch den 400
Meter langen Hohenhainer Tunnel führt der Radweg zum historischen Stadtkern Freudenbergs. Abschließend geht es nach Kirchen, wo sich ein Abstecher zum Druidenstein lohnt. Um die 20 Meter hohe Basaltformation ranken sich zahlreiche Mythen. Welche wohl stimmen?
Schwierigkeit: schwer | Strecke: 36 km | Dauer: 2:55 h
Aufstieg: 429 hm | Abstieg: 449 hm
Schwierigkeit: mittel | Strecke: 113 km | Dauer: 7:30 h
Aufstieg: 612 hm | Abstieg: 696 hm
Bad Marienberg-Tour
Fordernde Rundfahrt für Fortgeschrittene
Starke Landschaft – Starke Tiere
Auf den Spuren der Wisente
durch Wittgenstein
Auch diese Tour ist mit zahlreichen Highlights gespickt. Wer entgegen des Uhrzeigersinns fährt und in Bad Marienberg startet, gelangt rasch nach Großseifen. Hier wartet an der Radstrecke ein kleiner Kunstpark. Nahe Langenbach bei
Kirburg treffen Radler auf einen ehemaligen Grubensee. Auf dem Weg nach Kirburg wartet eine steinerne Nisterbrücke. Auf dem Rückweg nach Bad Marienberg empfiehlt sich ein Stopp beim Wildtiergehege oder ein Besuch des Kletterparks. Der Rundweg endet an der Bahntrasse oberhalb von Nistertal. Hier bietet sich ein hervorragender Blick auf die Erbacher Eisenbahnbrücke, die bei ihrer Eröffnung 1911 die größte
Betonbrücke Deutschlands war.
Auf dieser Tour, die auch als Schleife des Ederradweges gefahren werden kann, ist der Name Programm. Wer sich für die Route entscheidet, kann die größten Landsäugetiere Europas in der Wisent-Wildnis am Rothaarsteig hautnah erleben. Idyllische Landschaften, zauberhafte Wälder und weite Wiesen machen den Ausflug mit dem Rad zu einem Erlebnis. Auf knapp 43 Kilometern laden charmante Dörfer entlang des Weges zur Einkehr ein. „Starke Landschaft – starke Tiere“ ist der längste von drei Radwanderwegen, die von der BLB-Toursimus GmbH konzipiert wurden. Außerdem empfehlenswert: „Adel im 21. Jahrhundert“ und „Fluss – Felsen – Aussichten“.
Schwierigkeit: schwer | Strecke: 45,4 km | Dauer: 3:25 h
Aufstieg: 551 hm | Abstieg: 551 hm
Schwierigkeit: mittel | Strecke: 42,3 km | Dauer: 3:20 h
A
ufstieg: 575 hm | Abstieg: 609 hm

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