Top Blog: Gesund beginnt im Mund

Text: Melanie Heider

Gesundheit

Eine lebenslange Aufgabe

„Gesund von Kopf bis Fuß“
Augen & Zähne

Die Coronapandemie hat gezeigt: Die eigene Gesundheit ist oft so lange unsichtbar, bis sie schwindet. Doch es gibt auch andere Krankheitsbilder, vor denen niemand gefeit ist. Ab dieser Ausgabe widmen wir uns daher den häufigsten nicht erblichen Erkrankungen von Kopf bis Fuß und verraten, welche gesundheitlichen Risiken im Laufe des Lebens auf uns warten, warum Prävention immer auch Lebensqualität bedeutet und wieso sich Vorsorge auszahlt – auch wenn dafür meist privat in den Geldbeutel gegriffen werden muss.

Gesund beginnt im Mund

Wir alle nutzen sie täglich: unsere Zähne. Ein makelloses Lächeln gilt allgemein als Schönheitsideal. Doch gesunde Zähne sind weit mehr als nur ein Attribut für Attraktivität. Sie entscheiden im Wesentlichen über die Allgemeingesundheit des Organismus. Da die Bedeutung eines gesundes Gebisses für den gesamten Körper oft nur unzureichend in den Köpfen verankert ist, werden sie oft als reine Kauwerkzeuge verstanden und entsprechend behandelt. An ihrem Erhalt und der Pflege hängt jedoch viel mehr.

Wurzel für die Gesamtgesundheit

Längst sind sogenannte Wechselwirkungen zwischen Zahnerkrankungen und Erkrankungen im Körper wissenschaftlich nachgewiesen. Sind Zähne, Zahnfleisch, die Mundschleimhaut oder das Kieferknochengewebe erkrankt, kann das Auswirkungen auf andere Organe haben. In der TCM – Traditionelle Chinesische Medizin – ist jeder Zahn mit einem Energiemeridian assoziiert, der wiederum mit spezifischen Organen und Systemen in Verbindung gebracht wird. Daher sollten Symptome wie Zahnfleischbluten, Zahnfleischrückbildung oder -verfärbungen sowie Schmerzen nicht unterschätzt werden. Denn chronische Entzündungen im Mundraum können Ursache für verschiedene Krankheiten sein, darunter Herz-Kreislauferkrankungen, Rheuma, Diabetes mellitus Typ 2 oder Osteoporose. Umgekehrt ist für bereits Erkrankte die Zahnpflege besonders wichtig. Doch auch ein schiefer Biss kann zu Schmerzsymptomen in anderen Körperregionen führen. Zahnfehlstellungen können z. B. Rückenbeschwerden oder Schmerzen in den Nervenbahnen hervorrufen und u. a. Migräne, Tinnitus oder Sehprobleme auslösen. Passen Ober- und Unterkiefer nicht richtig zusammenpassen, ist von dem Krankheitsbild Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) die Rede.

Oft unbemerkter Verlauf

Viele Erkrankungen verlaufen zunächst symptomlos und schmerzfrei und machen sich erst bemerkbar, wenn sie bereits fortgeschritten sind. Am häufigsten treten Entzündungen im Mundraum bedingt durch Bakterien auf. Doch auch Viren oder Pilze können eine Zahnerkrankung begünstigen. Ein weiterer Risikofaktor sind Medikamente, deren häufige Nebenwirkung eine reduzierte Speichelproduktion ist. Dieser hilft jedoch auf natürliche Weise dabei, das Wachstum von Bakterien zu kontrollieren.

Erlerntes Vertrauen ist wichtig

Der beste Weg, Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen im vornherein zu vermeiden, ist eine Vorsorge in Form von regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Denn rechtzeitig erkannt, können sie oft problemlos behandelt werden. Eine natürlich erlernte Zahnhygiene und -pflege bildet den Grundstein für die Gesunderhaltung. Immer häufiger kommt es jedoch vor, dass eine dentale Vorsorge im Kindesalter nicht richtig erlernt wurde. Oft führen auch traumatische Erlebnisse auf dem Behandlungsstuhl oder auftretende Komplikationen im Nachgang dazu, dass Angstpatienten ihre Zahngesundheit ganz bewusst vernachlässigen. Effektivstes Mittel: Kommunikation. In ausführlichen Gesprächen baut der Zahnarzt das Vertrauen auf. Bei der Untersuchung bzw. Behandlung können zudem Narkosemittel eingesetzt werden.

Pro Prophylaxe

Die zweimal jährlich empfohlenen Routinekontrollen beim Zahnarzt sollten dabei Hand in Hand mit der Selbstbeobachtung und der täglichen Mundhygiene (2 x Zähneputzen, Zungenhygiene und Zahnseide) gehen. Mit der richtigen Prophylaxe können so Erkrankungen wie Karies oder Parodontitis deutlich reduziert werden, wodurch sich auch die Risikofaktoren für Allgemeinerkrankungen verringern.


Die häufigsten Zahnprobleme
Symptome erkennen und rechtzeitig handeln

Parodontitis
Bei einer Parodontitiserkrankung löst sich die Verbindung zwischen
Zahn und Zahnfleisch, was u.a. zum Zahnverlust führt. Ursache sind
Bakterien, die in Folge einer Entzündung des Zahnfleisches (durch
eine unbehandelte Gingivitis, mangelnde Mundhygiene oder abgestorbene Zähne) auftreten. Der Körper reagiert auf die bakteriellen Eindringlinge mit der Immunabwehr und der Aktivierung knochenabbauender Zellen. Dabei werden der Zahnhalteapparat und der eigene Knochen zerstört. Im Alter von 65 bis 74 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, an Parodontitis zu erkranken.

Symptome:
Parodontitis beginnt mit einer Entzündung und Schwellung des Zahnfleisches. Der Zahn tritt mit der Zeit immer weiter aus dem Zahnfleisch heraus. Anzeichen ist, dass die Zähne länger erscheinen. Zwischen den Zähnen erscheinen zudem dunkle Dreiecke, da das Gewebe im Zahnzwischenraum (Papille) fehlt.

Risiken/Empfehlungen:
Im weiteren Verlauf kommt es zur Zerstörung des Zahnhalteapparates, was zu weiterem Zahnverlust selbst gesunder Zähne oder einem Kieferbruch ohne große Krafteinwirkung führt. Darüber hinaus begünstigen fehlende Zähne das Fortschreiten der Parodontitis, wodurch das Risiko für Entzündungen im ganzen Körper steigt. Die Therapie besteht aus einer Zahnstein- und Plaque-Entfernung mit Glättung der Zahn- bzw. der Wurzeloberflächen und der Desinfektion der Zahnfleischtaschen. Beträgt der Abstand zwischen den Zähnen und dem Zahnfleisch mehr als
5 mm, ist mitunter ein chirurgischer Eingriff notwendig. In manchen Fällen kann die Einnahme von Antibiotika notwendig sein. Ist ein Zahnverlust nicht vermeidbar, kann das Fehlen mancher Zähne auch trotz erfolgreicher Beseitigung der Reizfaktoren, die Rückbildung des Kieferknochens bzw. des Kiefergewebes begünstigen, da der natürliche Kaudruck verloren gegangen ist. Dem Knochenschwund kann mit einem Knochenaufbau und Implantaten entgegengewirkt werden, da die künstliche Wurzel die natürliche Druckerzeugung wiederherstellt

Gingivitis
Bei einer Gingivitis handelt es sich um eine Zahnfleischentzündung. Sie entsteht durch zu viel Plaque im natürlichen Bakterienfilm, wenn dieser nicht täglich vom Zahn und dem umliegenden Gewebe entfernt wird. Ist die Konzentration zu hoch, bilden sich schädliche Toxine. Ein weiterer Risikofaktor für die Ansiedelung von Bakterien im Mundraum sind auch Verletzungen z.B. durch übermäßiges Zähneputzen. Ebenso kann es beim Abbau von Geweberesten der Nerven nach Wurzelbehandlungen zu Entzündungen kommen.

Symptome:
Indikatoren sind eine rötliche Verfärbung des Zahnfleisches, Schwellungen und Zahnfleischbluten. Bei rechtzeitiger Behandlung ist eine Gingivitis unproblematisch. Oft bildet sie sich auch von allein zurück.

Risiken/Empfehlungen:
Chronische Entzündungen im Mundraum können unbehandelt zu einer Parodontitis führen und begünstigen, dass Bakterien in den Blutkreislauf geraten, von wo aus sie sich in anderen Organen ausbreiten. Eine gute Mundhygiene und regelmäßige Kontrolluntersuchungen können vorbeugend sein.

Karies
Kariesbakterien entstehen durch ein Ungleichgewicht im mikrobiellen Biofilm (Zahnbelag), oft ausgelöst durch mangelnde Mundhygiene und zu hohen Zuckerkonsum. Doch auch die Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. Durch die Bakterienansammlung bilden sich Säuren und Toxine, die den Zahnschmelz angreifen. Allgemeinerkrankungen (z. B. Diabetes und Essstörungen) oder zu stark abrasive Weißmacher-Zahnpasten können die Entstehung von Karies begünstigen, da sie zusätzlich zur Schwächung des Zahnschmelzes beitragen.

Symptome:
Die ersten Anzeichen eines Karies sind weißliche bis bräunliche Flecken auf den Zähnen. Zahnschmerzen treten häufig erst auf, wenn der Zahnschmelz schon durchbrochen ist. Im Anfangsstadium lässt sich der Prozess noch gut stoppen.

Risiken/Empfehlungen:
Bleibt ein Karies unbehandelt, können kariöse Läsionen (Löcher) entstehen. Unbehandelt führt er zur Zerstörung der Zähne. Zudem begünstigt er, dass sich die Bakterien in der Mundhöhle aber auch im Körper und anderen Organen weiter ausbreiten und sich weitere Zahnerkrankungen herausbilden. Vorgebeugt werden kann durch tägliches Zähneputzen sowie die Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Zwischenraumbürsten sowie des Belags auf der Zunge. Die Professionelle Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis kann ebenfalls sinnvoll sein.

Zahnfehlstellungen
Ein nicht optimal aufeinander eingestellter Ober- und Unterbiss kann auf Dauer zu Fehl- und Überbelastungen der empfindlichen Kiefergelenke führen, wodurch in Folge starke gesundheitliche Beeinträchtigungen im gesamten Körper auftreten können. Das Krankheitsbild (Funktionsstörungen des Kiefergelenks) wird als Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) bezeichnet. Auch eine schlecht sitzende Zahnfüllung, eine nicht optimal passende Zahnprothese oder Zahnlücken können Fehlstellungen hervorrufen.

Symptome:
Da die Kiefergelenke über die Kaumuskulatur eng mit den muskulären Strukturen an Halswirbelsäule und Nacken verbunden sind, zählen Verspannungen, Konzentrationsschwäche, Schwindel, Kopfschmerzen oder gar Migräne zu den häufig auftretenden Symptomen. Zumeist äußern sie sich auch in Form von Rückenschmerzen im Wirbelsäulenbereich, Ohrgeräuschen (Tinnitus) und Sehstörungen. Auch das nächtliche Zähneknirschen (Bruxismus), kann durch eine Fehlstellung ausgelöst werden. Dabei wirkt eine enorme Belastung auf den Kauapparat (bis zu 400 kg pro cm2), wodurch ein wohltuender Schlaf verhindert wird. Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Verdauungsprobleme sowie ein starker Abfall der Leistungsfähigkeit sind dann weitere Anzeichen, die auch zu Niedergeschlagenheit und Depressionen führen können.

Risiken/Empfehlungen:
Erhebungen zufolge weisen in Deutschland
etwa 70 Prozent der Bevölkerung eine Verschiebung der Kiefergelenkteile auf, doch nur bei jedem Siebten verursacht diese Beschwerden. Eine Korrektur von Zahnfehlstellungen und des Kiefergelenks dient daher nicht allein der Erfüllung eines bestimmten Schönheitsideals, sondern ist Wurzel für die Wiederherstellung des allgemeinen körperlichen Wohlbefindens. Gerade in jungen Jahren können mit kieferorthopädischen Methoden Fehlstellungen gut korrigiert werden. Doch auch im Erwachsenenalter ist eine Korrektur des Zahn- und Kieferstandes durch angepasste nahezu unsichtbare Schienen, wie auch feste Spangensysteme oder kieferchirurgische Eingriffe möglich.


Zähne: Kassencheck

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen pro Jahr zwei zahnärztliche Kontrolluntersuchungen, eine Zahnsteinentfernung sowie Wurzelbehandlungen, wenn der betroffene Zahn als erhaltungswürdig eingestuft wird. Alle zwei Jahre werden die Kosten einer Früherkennung von Parodontitis sowie eine behandlungsbedürftige Parodontitis übernommen (Zahnfleischtaschentiefe 3,5 mm oder mehr). Seit Juli 2021 zählen zusätzlich zur Hauptbehandlung auch die Vor- und Nachbehandlung zu den Kassenleistungen. Manchmal sind zudem Zuschüsse für eine Professionelle Zahnreinigung, kostenpflichtige Füllungen, Zahnersatz oder Leistungen im Bereich Kieferorthopädie möglich. Umfangreicher ist die Kostenübernahme bei Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen.

“Ach… Ist doch nur Zahnfleischbluten”

Es fängt harmlos an und kann schwerwiegende Folgen haben: Bakterielle Entzündungen in der Mundhöhle können Entzündungen in anderen Körperregionen auslösen, zu einer Arterienverkalkung führen oder über den Blutkreislauf das Herz erreichen. Siedeln sie sich dort kann, kann es zu einer Herzmuskelentzündung und einer Herzschwäche kommen. Das Risiko, einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Frühgeburt zu erleiden, steigt.



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