Top Blog: Gesundes Sehen

Text: Melanie Heider

Gesundheit

Eine lebenslange Aufgabe

„Gesund von Kopf bis Fuß“
Augen & Zähne

Die Coronapandemie hat gezeigt: Die eigene Gesundheit ist oft so lange unsichtbar, bis sie schwindet. Doch es gibt auch andere Krankheitsbilder, vor denen niemand gefeit ist. Ab dieser Ausgabe widmen wir uns daher den häufigsten nicht erblichen Erkrankungen von Kopf bis Fuß und verraten, welche gesundheitlichen Risiken im Laufe des Lebens auf uns warten, warum Prävention immer auch Lebensqualität bedeutet und wieso sich Vorsorge auszahlt – auch wenn dafür meist privat in den Geldbeutel gegriffen werden muss.

Gesundes Sehen

Der Sehsinn ist eines der wichtigsten menschlichen Organe. Etwa 80 Prozent aller Sinneseindrücke werden über ihn aufgenommen, an das Gehirn weitergeleitet und dort als Informationen verarbeitet. Gutes Sehen sorgt für Orientierung, gibt Sicherheit und ist wesentliche Grundlage für ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben.

Angeborene und altersbedingte Sehfehler

Harmlose Sehstörungen sind heutzutage weit verbreitet: Im Durchschnitt benötigt jeder zweite Erwachsene in Deutschland eine Brille zum Ausgleich eines Sehfehlers. Dabei handelt es sich meist um Kurz- oder Weitsichtigkeit wie auch Hornhautverkrümmungen (Astigmatismus). Sie alle sind keine medizinischen Erkrankungen und können mit Sehhilfen korrigiert werden, während das Auge an sich gesund ist.
Auch im fortschreitenden Alter schwindet die Sehkraft – das allein ist ebenfalls noch kein Anzeichen für eine Augenkrankheit, sondern lediglich ein natürlicher Alterungsprozess, der als Alterssichtigkeit bezeichnet wird und ab dem 45. Lebensjahr einsetzt. Die Flexibilität der Linse lässt mit der Zeit nach. Aus der Ferne in die Nähe scharf zu stellen gelingt nicht mehr. Später kommt die Eintrübung der Linse hinzu.
Wird eine Sehstörung nicht korrigiert, kann es jedoch zu Wechselwirkungen im gesamten Organismus kommen. Allgemeine Erschöpfung, Kopfschmerzen oder Verdauungsprobleme entstehen, wenn das Gehirn permanent Anstrengungen aufwenden muss, um eine Fehlsichtigkeit auszugleichen. Schon im Kindesalter ist eine Augenuntersuchung unerlässlich. Denn eine Fehlsichtigkeit kann sich in einer Lernschwäche, Konzentrationsschwierigkeiten, Stressreaktionen oder Gleichgewichtsstörungen äußern. Selbst eine Altersdepression geht so manches Mal mit schlechtem Sehen einher.

Zukünftig mehr Augenerkrankungen

Besserung ist nicht in Sicht: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagt aufgrund der veränderten Lebens- und Arbeitsgewohnheiten eine Zunahme an Augenerkrankungen voraus. Ein Grund, weshalb der Anteil der Menschen mit Sehbeeinträchtigungen wächst, liegt an der höheren Lebenserwartung – und auch die steigende Zahl an Diabetikern trägt dazu bei. Ebenso wirkt sich Stress ungesund auf die Augen aus, da er den Cortisolspiegel ansteigen lässt. Bleibt die Konzentration über einen längeren Zeitraum erhöht, wirkt sich das negativ aufs Nervensystem aus. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Netzhautablösung kommen.

Lebensweise wesentlicher Risikofaktor

Weitere Ursachen für Schädigungen der feinen Blutgefäße der Netzhaut und die damit verbundene Begünstigung von Augenkrankheiten sind Übergewicht, zu wenig Bewegung, die Einnahme mancher Medikamente, Tabak- und Alkoholkonsum wie auch eine zu fett- und zuckerreiche Ernährung bei zu geringer Vitamin- und Nährstoffaufnahme. Hinzu kommt seit einigen Jahrzehnten die Belastung der Augen durch künstliche Lichteinflüsse und Blaulicht bei der Bildschirmarbeit und am Smartphone sowie die netzhautschädigende Wirkung von UV-Strahlen der Sonne. Letztere stehen im Verdacht, die Entstehung der Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) zu fördern – aktuell die häufigste Ursache für Erblindung in Deutschland vor dem Glaukom.

Schleichender Verlauf

Das Tückische bei degenerativen Augenerkrankungen ist, dass Betroffene jahrelang weder Schmerzen noch Beeinträchtigungen des Sehvermögens wahrnehmen. Wird ein Verlust oder eine Veränderung der Sehfähigkeit bemerkt, ist die Augenkrankheit meist bereits fortgeschritten und das Augenlicht möglicherweise gefährdet. Da es im frühen Stadium gute Behandlungsmöglichkeiten gibt, ist eine Früherkennung wichtig. Der Berufsverband der Augenärzte empfiehlt allen Menschen ab einem Alter von 40 Jahren regelmäßige Untersuchungen.


Die häufigsten Augenerkrankungen
Symptome erkennen und rechtzeitig handeln

Katarakt (Grauer Star)
Da bestimmte Stoffwechselprozesse, die u.a. für die Regeneration der Augenlinse verantwortlich sind, im Alter nicht mehr ausreichend funktionieren, trübt sich die Linse beim Grauen Star (Katarakt) langsam ein. Ab einem Alter von 75 Jahren sind etwa 40 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen betroffen.

Symptome:
Erste Anzeichen sind zunehmende Licht- bzw. Blendeempfindlichkeit sowie eine abnehmende Sehschärfe. Im weiteren Verlauf verändert sich das Farbsehen, Konturen verwischen und der Seheindruck wird milchig, trüb und schleierhaft.

Risiken/Empfehlungen:
Ohne Behandlung schreitet die Trübung der Linse immer weiter bis zur völligen Blindheit voran. Um den klaren Blick wiederzuerlangen, bedarf es einer Operation. Die getrübte Linse wird dabei durch eine künstliche Linse (Implantat) ersetzt. Die Katarakt-Operation zählt zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Sie ist mit geringen Risiken verbunden und ermöglicht nach erfolgreichem Verlauf wieder ein optimales Sehen.

Altersabhängige Makula-Degeneration
Die AMD ist eine unheilbare Augenerkrankung und Ursache jeder zweiten Erblindung in Deutschland. Sie kann zwischen dem 50. bis 60. Lebensjahr in zwei Formen auftreten: der trockenen und der feuchten AMD.
Dabei kommt es im Zentrum der Netzhaut (Makula), dem Bereich des schärfsten Sehens, zu stoffwechselbedingten Ablagerungen. Sie beeinträchtigen die Versorgung der Sehnervenzellen mit Sauerstoff
und Nährstoffen, wodurch diese ihre Funktion verlieren und absterben. Bei der feuchten AMD bilden sich zudem krankhafte Gefäße, die Flüssigkeit absondern, wodurch die Netzhaut abgehoben wird. Kommt es zu Einblutungen, gehen die Sehzellen gänzlich zugrunde.

Symptome:
Erste Anzeichen bleiben meist unbemerkt. Erst wenn die Zerstörung der Sehnervenzellen zunimmt, machen sich Beschwerden bemerkbar. Typische Merkmale einer bereits beginnenden Erkrankung sind eine Verschlechterung des Sehens und der Lesefähigkeit, verzerrtes Sehen, verblasste Farben und Kontraste, unscharfe Gesichter oder sich krümmende Linien, beispielsweise bei den Fugen von Badezimmerfliesen oder den Linien eines Kreuzworträtsels.

Risiken/Empfehlungen:
Unbehandelt lässt bei einer trockenen AMD die zentrale Sehschärfe ganz allmählich nach. Ein grauer Schatten überlagert das Sichtfeld, aus dem schließlich ein dunkler Fleck wird. Betroffene werden jedoch nie ganz erblinden und behalten ihr Orientierungsvermögen. Bei der selteneren feuchten AMD hingegen ist der Verlauf schneller und aggressiver. Sie kann unbehandelt bis zur vollständigen Erblindung führen. Die moderne Augenmedizin kann eine AMD diagnostizieren, u.a. auch mit Bildgebungsverfahren wie der Fundusautofluoreszenz (FAF) oder der Optischen Kohärenztomographie (OCT), bei der Schichtaufnahmen des Augenhintergrundes gemacht werden. Verlorenes Sehvermögen lässt sich jedoch nicht zurückgewinnen. Bei der feuchten AMD sind monatliche medikamentöse Injektionen notwendig, um eine Erblindung hinauszuzögern. Bei der trockenen AMD gibt es keine Therapie – mit elektronischen Sehhilfen können Betroffene jedoch noch lange Zeit lesen.

Diabetische Retinopathie
Die Diabetische Retinopathie ist eine Netzhautkrankheit, die in Folge des Diabetes mellitus entsteht. Erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die feinen Blutgefäße in der Netzhaut. Es kommt zur Sauerstoffunterversorgung sowie Veränderungen der Gefäße, die in Kombination mit austretenden Flüssigkeiten oder Blutungen zu einer Netzhautablösung führen können, die das Sehvermögen unwiderruflich schädigt.

Symptome:
Die Netzhautkrankheit schreitet langsam und unauffällig voran und bleibt deshalb von Betroffenen lange Zeit unbemerkt. Erst im fortgeschrittenen Stadium lässt das Sehvermögen nach. Anzeichen dafür sind verzerrtes Sehen, Blitze, Rußregen (rot-schwarze Flecken) oder ein von unten nach oben aufsteigender schwarzer Vorhang.

Risiken/Empfehlungen:
Die exakte Einstellung der Blutzucker- und Blutdruckwerte und der verantwortungsvolle Umgang damit ist eine der wichtigen Maßnahmen zur Vorbeugung. Zudem werden Diabetikern regelmäßige Augenuntersuchungen empfohlen. Die Verschlechterung der Sehleistung kann durch Laser-Behandlungen oder Injektionen verlangsamt werden.

Grüner Star (Glaukom)
Ein Glaukom, auch Grüner Star genannt, ist eine unheilbare Sehnerv-Erkrankung, die entstehen kann, da das Kammerwasser im Auge mit zunehmendem Alter schlechter abfließt, was zu einem erhöhten Druck auf den Sehnerv führt. Sie ist in Deutschland der zweithäufigste Grund für Erblindung und tritt in unterschiedlichen Formen auf, die zunächst unbemerkt voranschreiten. Bei allen Arten wird der Sehnerv von außen nach innen allmählich unwiederbringlich geschädigt. Es kommt zum Absterben der Sehnerv-Nerven und zum Verlust des Augenlichts, was in der Folge zur vollständigen Erblindung führt.

Symptome:
Das Gehirn gleicht das eingeschränkte Sichtfeld bei einem Glaukom zunächst durch das jeweils gesunde Auge aus, weshalb Betroffene im Frühstadium weder Beschwerden noch Schmerzen bemerken. Bei der häufigsten Form, dem chronischen Offenwinkelglaukom, treten die Ausfälle am äußeren Rand des Gesichtsfeldes auf, wo sie lange Zeit nicht auffallen. Wenn sich die ersten Anzeichen einer Sehverschlechterung bemerkbar machen z.B. indem sich blinde Flecke im Sichtfeld ausbreiten, ist die Krankheit in der Regel schon weit fortgeschritten und der Schaden am Sehnerv nicht mehr zu beheben.

Risiken/Empfehlungen:
Das Risiko für einen Grünen Star nimmt mit dem Alter zu und sollte ab dem 40. Lebensjahr im Rahmen der Glaukomvorsorge regelmäßig kontrolliert werden. Dazu zählen die Messung des Augeninnendrucks und eine Begutachtung des Sehnervs mit dem Augenspiegel. Es kann auch eine Messung der Hornhautdicke, der Nervenfaserschicht, eine Gesichtsfeldprüfung oder Spiegelung des Augenhintergrunds durchgeführt werden. Einmal aufgetretene Schäden sind nicht umkehrbar. Durch eine Therapie kann der Verlauf verlangsamt werden. Dazu gehört neben der regelmäßigen Überwachung u.a. die dauerhafte Senkung des Augeninnendrucks. In den meisten Fällen genügt die Behandlung mit Augentropfen, deren Dosierung und Wirkstoffe ständig angepasst wird, bevor weitere Veränderungen des Sehnervs auftreten. Eine Operation kann zusätzlich den Durchfluss des Kammerwassers erleichtern.


Augen: Kassencheck

Die Früherkennung kann eine Augenerkrankung feststellen, bevor sie sich bemerkbar macht. Dennoch zählen die Untersuchungen nur bedingt zu
den gesetzlichen Kassenleistungen. Besteht kein Verdacht auf eine Erkrankung und bleibt der Befund unauffällig, müssen die Kosten selbst getragen werden. Ausnahmen gibt es für Risikopatienten wie etwa bei starker Kurzsichtigkeit, Diabetes oder zurückliegenden Verletzungen an den Augen. Übernommen werden ansonsten ausschließlich die Spaltlampenuntersuchung, die Prüfung der Sehschärfe mit Sehtests, die Messung der objektiven und subjektiven Refraktion (Brechkraft) sowie die
Prüfung des Binokular-Status, also der Kopfhaltung bei Sehanforderung mit beiden Augen.

Wann zu wem?

Augenoptiker und Ärzte für Augenheilkunde üben zwei verschiedene Berufe aus und arbeiten dennoch Hand in Hand. Für Betroffene ist es dennoch oft verwirrend, wer bei Sehproblemen der erste Ansprechpartner ist.
Der Augenarzt ist für medizinische Untersuchung, also die Früherkennung, die Diagnose und Therapie von Augenkrankheiten, sowie die Abklärung von Auffälligkeiten zuständig. Ihnen ist es nach Befund nur in Ausnahmefällen gesetzlich gestattet, eine geeignete Sehhilfe (Brille/Kontaktlinsen) abzugeben.
Denn Ansprechpartner für das gute Sehen, ist der Augenoptikermeister. Er verfügt über die technische Ausstattung für ausführliche augenoptische Prüfungen und das Know-how für die Korrektur von Fehlsichtigkeiten durch angepasste und ausgegebene Sehhilfen (Brillen, Kontaktlinsen oder Low-Vision-Produkte).



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