Top Blog: Wasser


H2O

Element der Gegensätze

Text: Julia Wildemann

Dass Wasser ein Element der Gegensätze ist, wusste bereits der chinesische Philosoph Laotse im 6. Jahrhundert vor Christus. Wasser oder kurz H2O ist unverzichtbar. Und das in allen Bereichen. Kein anderes Element lässt sich so vielfältig nutzen. Es ist gleichzeitig Grundnahrungsmittel, Lebensraum, Energiequelle, Transportweg und Wirtschaftsmotor – ein Multitalent, dessen Nutzungen, Eigenschaften und Wirkungsweisen gegensätzlicher kaum sein könnten.

“Nichts auf der Welt ist so weich und nachgiebig wie das Wasser.
Und doch bezwingt es das Harte und Starke.“
Laotse

Zwei Wasserstoffatome und ein Sauerstoffatom bilden als Molekül die Grundlage allen Lebens. Das Gesamtwasservolumen der Erde beträgt rund 1,4 Milliarden Kubikkilometer. Eine unvorstellbare Zahl! Verteilt auf Flüsse, Seen und die Ozeane bedeckt es mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche. Nicht umsonst trägt die Erde den Spitznamen „Blauer Planet“. Die Annahme, dass Wasser eine unbegrenzt zur Verfügung stehende Ressource ist, stellt sich jedoch bei genauerer Betrachtung trotzdem als falsch heraus.

Bei 96,5 Prozent des Wasservorkommens handelt es sich um Salzwasser, nur 48 Millionen Kubikkilometer sind Süßwasser. Die Hälfte ist aber dauerhaft an den Polen sowie in Gletschern und Dauerfrostböden gebunden und kann nicht genutzt werden. Insgesamt nur 0,3 Prozent der Süßwasservorkommen stehen für die Trinkwasserversorgung zur Verfügung.

Historie des Wassers

Die Beziehung zwischen Mensch und Wasser ist so alt wie die Menschheit selbst. Erste Siedlungen entstanden an den Ufern von Flüssen und Seen. Der Zugang zu Trinkwasser und die Möglichkeit, das Gewässer als Nahrungsquelle und für den Transport von Waren zu nutzen, waren entscheidende Standortvorteile. Lag die nächste Wasserquelle in einiger Entfernung, ermöglichten durchdachte, kilometerlange Systeme die Bewässerung. Bereits mehr als 1.000 Jahre vor Beginn der christlichen Zeitrechnung wurden von den Hochkulturen in Ägypten, Griechenland und dem Nahen Osten Strukturen zur Umleitung von Wasser errichtet. Am bekanntesten sind jedoch die Aquädukte der Römer, die zu den bedeutendsten Bauwerken der Antike zählen. Ein Großteil der Fernleitungen verlief unmittelbar über der Erde oder unterirdisch, nur etwa ein Fünftel der Konstruktionen wurde von den vermeintlich charakteristischen Steinbögen getragen. Das Quellhaus markierte den Anfang eines Aquädukts, die Reise des Wassers endete im sogenannten
Wasserschloss. Dort wurde es von groben Verschmutzungen befreit und über Rohrsysteme in Häuser, Bäder und Gärten geleitet. Die römischen Kanäle bestanden meist aus Stein, seltener kamen für den Bau der Wasserleitungen auch Holz, Blei oder Leder zum Einsatz.

Der Pont du Gard im Süden Frankreichs ist eines der am besten erhaltenen Aquädukte des Landes und zählt seit 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die 49 Meter hohe Brückenkonstruktion besteht aus drei Ebenen und war Teil einer etwa 50 Kilometer langen Wasserleitung, mit der Wasser zur römischen Stadt Nemausus
transportiert wurde.

Heiliges Nass

Wasser gilt als Quelle des Lebens und steht für Fruchtbarkeit, Reinheit und Neuanfang. Auch in der Religion wird dem Element eine besondere Bedeutung zugewiesen. Bis ins späte Mittelalter wurde die christliche Taufe als Ganzkörperbad vollzogen, heute wird der Kopf des Täufl ings nur leicht mit Wasser benetzt. Weihwasser ist zentrales Element der katholischen und orthodoxen Kirche. Im Islam wird die reinigende Kraft des Wassers während der rituellen Gebetswaschung vor dem Betreten einer Moschee genutzt, Hindus glauben an die Wirkung eins Bades im Ganges. Fast jede jüdische Gemeinde besitzt eine Mikwe – ein Ritualbad – das Frauen nach Menstruation oder Geburt und von orthodoxen Juden vor dem Sabbat oder Feiertagen genutzt wird.

Wasser in der Heimat erleben

Auch in Siegen-Wittgenstein lässt sich das Element aus nächster Nähe erleben. Neben Sieg, Eder und Lahn laden viele kleinere Flüsse und Bäche zu einem Spaziergang entlang ihres Ufers ein. Die beiden Talsperren Breitenbach und Obernau sind nicht nur Trinkwasserspeicher für die Region, sondern auch Naherholungsgebiet. Zu Fuß, mit Rollen unter den Füßen oder auf dem Rad genießt man den Blick auf Wasser und Wälder. Beliebtes Ausflugsziel ist auch die Siegquelle, die nach umfassenden Renaturierungsmaßnahmen dazu einlädt, das Ursprungsgebiet des für die Region charakteristischen Flusses auf Holzstegen und Steintreppen zu erkunden. Oder wie wäre es mit einer Wellnessauszeit à la Kneipp? Das Wassertretbecken am Jung-Stilling-Rundweg in Hilchenbach bietet Gelegenheit zur Entschleunigung der besonderen Art. Bootstour, Kanuausflug oder eine Runde Stand-up-Paddling – Wassersportler finden auf und um Bigge und Lister im benachbarten Sauerland optimale Voraussetzungen, um aktiv zu werden.

Stand-up-Paddling auf Bigge und Lister –
möglich dank der SUP-Stationen von Windsurfing Siegerland.

Schon gewusst?

  • Ein Regentropfen ist im Durchschnitt ein bis zwei Millimeter groß.
  • Fließendes, jederzeit verfügbares Wasser ist nicht in allen Teilen der Welt selbstverständlich. Unglaubliche 200 Millionen Stunden verbringen Menschen JEDEN Tag damit, Wasser aus Brunnen, Flüssen oder Seen ins eigene Zuhause zu transportieren.
  • Über die Atmung verliert der Mensch täglich 230 Milliliter Wasser.
  • Wasser ist die einzige chemische Verbindung, die alle drei Aggregatzustände annehmen kann:
    Wasser = flüssig – Eis = fest – Dampf = gasförmig
  • Durch verschmutztes Wasser sterben laut Schätzungen jährlich rund 25 Millionen Menschen. Besonders betroffen sind Entwicklungsländer.
  • In Valencia tagt seit Œ960 jeden Donnerstag das unabhängige Wassergericht. Damit gilt es als älteste Rechtsinstitution Europas. Die unterschiedlichen Gebiete der L‘Huerta de Valencia – ein Obst- und Gemüseanbaugebiet – werden durch insgesamt acht Männer vertreten, die über die Bewässerung der einzelnen Plantagen entscheiden.
  • Über die Interzeption – Aufnahme und kurzfristige Speicherung von Niederschlag – geben Laubbäume etwa 30 Prozent, Nadelbäume sogar bis zu 50 Prozent des Jahresniederschlages als Wasserdampf an die Atmosphäre zurück. An einem warmen Sommertag können auf einem Hektar Buchenwald 50.000 Liter verdunsten.
  • Die Menschheit verbraucht heute 45-mal mehr Wasser als vor 300 Jahren.

Artikel erschienen in der Top Sommerausgabe 2020

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.