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Haut

Sinnesorgan und Schutzschild

Text: Julia Wildemann

Mit einer Fläche von bis zu zwei Quadratmetern und einem Gewicht von bis zu zehn Kilo ist die Haut das größte Organ des Menschen. Sie passt sich flexibel der Körperform an und übernimmt lebenswichtige Aufgaben für den Organismus. Wie genau die schützende Hülle aufgebaut ist, mit welcher Pflege sie sich pudelwohl fühlt und was zu tun ist, wenn das sensible Sinnesorgan aus der Balance gerät, verrät der Top-Ratgeber rund ums Thema Haut.

Ein bis zwei Millimeter dick und doch unverzichtbar für das Funktionieren des menschlichen Körpers – die Haut (Cutis). Bereits ein Verlust von 20 Prozent beispielsweise durch Verbrennungen oder Verätzungen kann tödlich sein. Insgesamt drei Schichten, die jeweils für ganz eigene Aufgaben zuständig sind, bilden zusammen ein strapazierfähiges Schutzschild. Die Oberhaut (Epidermis) besteht aus der äußeren Hornschicht, die sich rund um die Uhr erneuert. In der Basalzellenschicht werden neue Hautzellen gebildet, die innerhalb von 30 Tagen Richtung Oberfläche wandern, um dort Hautschüppchen zu ersetzen, die durch äußere Einflüsse verloren gehen. Anhaltender Druck oder Reibung setzen einen Schutzmechanismus der Haut in Gang. Die Geschwindigkeit der Zellteilung erhöht sich und Hornhaut entsteht.

Schicht für Schicht

Unter der Hornschicht liegt die Keimschicht. Ihr hoher Fettgehalt schützt den Organismus vor Wasserverlust durch Verdunstung, verhindert das Eindringen von Krankheitserregern oder schädlichen Substanzen und bietet Schutz vor Stößen und Schlägen. Die Epidermis reflektiert außerdem das Sonnenlicht. Tiefer eindringende Strahlen werden vom Pigment Melanin – verantwortlich für die Farbgebung der Haut (rötlich bis schwarz-braun) – absorbiert und in Wärme umgewandelt. Dabei entstehen das Lichthormon Provitamin D3 und im nächsten Schritt wertvolles Vitamin D3. Die zweite Schicht bildet die Lederhaut (Dermis) mit straffem Bindegewebe sowie Haarfollikeln, Schweiß- und Talgdrüsen, die auch als Hautanhangsgebilde bezeichnet werden. Schweiß und Talg sind für den sogenannten Säureschutzmantel der Haut verantwortlich. Dank seines niedrigen pH-Wertes wirkt er antimikrobiell – Bakterien und Pilze haben keine Chance. Lockeres Bindegewebe und eingelagertes Fettgewebe, das als Energiespeicher dient, bilden die Unterhaut (Subcutis).

Am menschlichen Körper zeigt sich die Haut mit zwei unterschiedlichen Oberflächenstrukturen. An Fußsohlen, Handflächen und den Innenseiten der Finger verläuft die sogenannte Leistenhaut in parallel angeordneten Furchen, deren Optik an Leisten erinnert. Dadurch wird die Haut griffig und hat beim Greifen Halt. Die restlichen 96 Prozent des Körpers sind von der Felderhaut bedeckt. Sie verläuft in polygonen Linien, deren Form genetisch fixiert ist.

Empfindliche Signalgeber

Wichtige Aufgabe der Haut ist außerdem die Regulation der Körpertemperatur. Durch Zusammenziehen der Gefäße wird eine zu starke Wärmeabgabe und somit das Auskühlen verhindert. Dem gleichen Zweck dient die Gänsehaut. Sie entsteht an behaarten Körperstellen durch die Kontraktion der Haarbalgmuskeln. Feine Härchen richten sich auf und bremsen die Abgabe von Wärme. Durch Erweiterung der Gefäße wird im Gegensatz dazu eine Wärmeabgabe gefördert und so ein Hitzestau im Körper vermieden. Die Abgabe und das Verdunsten von Schweiß dienen zusätzlich der Wärmeregulation. Auch für die Sinneswahrnehmung ist die Haut essentiell. Druck, Schmerzen, Kälte oder Wärme – dank spezifischer Rezeptoren in all ihren Schichten, kann die Haut unterschiedlichste Reize wahrnehmen. Man spricht auch von Oberflächensensibilität. Die hochspezialisierten „Fühler“ sind mit Nervenfasern verknüpft, über die der entsprechende Reiz an das Gehirn weitergeleitet wird. Dort wird die Art des Reizes und sein genauer Ort identifiziert.

Termine bei der Kosmetikerin sind mittlerweile auch für viele Männer ein Muss.

Pflege für Männerhaut

Hautpflege ist schon lange nicht mehr ausschließlich weiblich. Ganz selbstverständlich greifen auch Männer heutzutage regelmäßig ins Cremetöpfchen, um ihrer Haut etwas Gutes zu tun. Darauf haben die Kosmetikhersteller reagiert und eine große Bandbreite an Pflegeprodukten speziell für Männerhaut auf den Markt gebracht. Doch unterscheidet sich die Männerhaut denn überhaupt von ihrem weiblichen Pendant? Ja, das tut sie tatsächlich. Männerhaut enthält einen höheren Anteil an Kollagen und Elastin, weshalb sie rund 20 Prozent dicker ist als die Haut von Frauen. Außerdem ist nicht nur die Anzahl der Talgdrüsen höher, sondern auch deren Aktivität. Damit die Poren trotzdem nicht verstopfen und keine Unreinheiten entstehen, sollten die tägliche Reinigung und ein wöchentliches Peeling Teil der Beauty-
routine sein. Wer kein Fan von einem lässigen Drei-Tage-Bart ist und regelmäßig zum Rasier greift, sollte die Haut vor den scharfen Klingen schützen. Ein pflegendes Rasiergel erleichtert die Rasur und schützt die Haut vor Irritationen und Rasurbrand. Im Anschluss freuen sich die Wangen- und Kinnpartie über eine Extraportion Feuchtigkeit.

Schön im Schlaf?

Wer glaubt, dass der allseits bekannte Schönheitsschlaf ins Land der Mythen gehört, der irrt. Schlaf ist enorm wichtig für einen gesunden Körper und wirkt sich auch auf den Zustand der Haut aus. Denn wenn wir schlafen, werden Wachstumshormone wie Stromatropin produziert, das die Hautzellenerneuerung fördert. Auch die Menge an Hormonen, die freie Radikale neutralisieren steigt nachts. Freie Radikale sind Moleküle, Ionen oder Atome, die durch ihr ungepaartes Elektron extrem reaktiv sind. Sie versetzen die Zellen in oxidativen Stress und können das Gewebe nachhaltig schädigen. Entstehen können die Unruhestifter beispielsweise durch UV-Strahlung, Zigarettenrauch oder Umweltgifte. Antioxidantien wie Ascorbinsäure schützen gegen freie Radikale, indem sie mit diesen reagieren und dadurch ihre Reaktivität mindern. Durch die erhöhte Hormonausschüttung regeneriert sich die Haut im Schlaf dreimal schneller als am Tag. Auch die Kollagenproduktion ist im Schlaf deutlich höher. Kollagen erhält die Elastizität und Flexibilität der Haut und wirkt als körpereigener Anti-Aging-Booster. Erhält unser Körper zu wenig Schlaf, können diese Stoffwechselprozesse nicht optimal ablaufen. Die Folge sind ein geschwächtes Immunsystem, ein Anstieg der Stresshormone Kortisol und Adrenalin sowie eine nicht ausreichend versorgte Haut und ein fahler Teint.

Sonnenbad mit gutem Gewissen

Das A und O für ein unbeschwertes Bad in der Sonne ist ein entsprechender Sonnenschutz. Wie empfindlich der oder die Einzelne auf UV-Strahlung reagiert, hängt sowohl von der hauteigenen Pigmentierung als auch von der Sonnengewöhnung ab. Der Hautfarbstoff Melanin fungiert als körpereigener Sonnenschutz. UV-A-Strahlen
sorgen dafür, dass die vorhandenen Pigmente in die äußeren Hautschichten transportiert werden, um dort die Sonnenstrahlen abzufangen. Helle Hauttypen mit weniger Melaninpigmenten bekommen dementsprechend schneller einen Sonnenbrand. Anhaltende UV-B-Strahlung führt zusätzlich zu einer Verdickung der Hornschicht. Die sogenannte Lichtschwiele erschwert das Eindringen der Strahlen und schützt so die Haut.

Kinderhaut ist besonders empfindlich und sollte mit Lichtschutzfaktor 50+ geschützt werden.

Auf der sicheren Seite sind Sonnenanbeter jedoch nur mit Cremes, Lotionen, Sprays oder fett- und emulgatorfreie Gelen, die Gesicht und Körper schützen. Die große Auswahl erleichtert die Suche nach einem zum eigenen Hauttyp passenden Produkt. Unterschieden wird zwischen chemischem und physikalischem Lichtschutz. In chemischem Sonnenschutz sind organische Verbindungen, die als Filter fungieren. Physikalischer Sonnenschutz arbeitet nach dem Prinzip der Reflexion: die Sonnenschutzprodukte bilden eine Schutzschicht auf der Haut an der die Strahlung abprallt. Der jeweilige Lichtschutzfaktor gibt an, wie lange der- oder diejenige sich ohne Sonnenbrandgefahr im Freien aufhalten kann. Als Basis dient dabei die Eigenschutzzeit der Haut, die je nach Hauttyp stark variiert und von wenigen Minuten bis zu anderthalb Stunden reichen kann. Multipliziert mit dem Lichtschutzfaktor gibt sie die maximale Dauer des Sonnenbades an. Empfindliche Baby- und Kinderhaut möchte besonders geschützt werden. LSF 50 ist Pflicht. Es empfiehlt sich außerdem der Griff zu einem wasserfesten Produkt, das auch nach ausgiebigem Planschen noch gegen die Sonnenstrahlen abschirmt. Als wasserfest gelten Cremes und Lotionen, wenn der gemessene Lichtschutzfaktor nach zweimal 20 Minuten Wasserkontakt mindestens noch halb so hoch ist wie vor dem Sprung ins kühle Nass.

Haut im Ungleichgewicht

  • Akne Unter Acne Vulgaris versteht man eine entzündliche Erkrankung der Hautanhangsgebilde (Talgdrüsen und Haarfollikel), bei der es zu einer Überaktivität der Talgdrüsen, einer starken Verhornung der Poren und der Vermehrung von Aknebakterien kommt. Diese Kombination führt zu starken Unreinheiten und schmerzhaften Entzündungen, die unter Narbenbildung abheilen. Abhilfe schaffen intensive Hautpflege mit medizinischen Wirkstoffen und in schweren Fällen auch eine medikamentöse Therapie mit Antibiotika oder Hormonpräparaten.
  • Neurodermitis Die chronische Hautkrankheit äußert sich schubweise durch gerötete, nässende und schuppende Hautstellen, die unangenehm jucken. Die genaue Ursache der Neurodermitis liegt in einem Zusammenspiel genetischer und immunologischer Faktoren. Genetische Defekte können zu einer gestörten Hautbarriere führen, die Allergenen wie Hausstaubmilben, Pollen oder Duftstoffen das Eindringen in die Haut besonders leicht macht. Folge sind Entzündungsreaktionen und Hautreizungen. Auch Nahrungsmittel wie Milch, Eier, Nüsse, Soja oder Weizen können eine solche Reaktion auslösen. Die Therapie besteht aus einer konsequenten Pflege der Haut mit Produkten, die mit Glycerin und Harnstoff die natürliche Hautbarriere unterstützen. Der behandelnde Dermatologe kann außerdem Kortison oder Immunsuppressiva verschreiben.
  • Schuppenflechte Bei der Psoriasis handelt es sich um eine chronisch-entzündliche, genetisch veranlagte Hauterkrankung, die durch Stress, Infektionen, hormonelle Umstellungen oder Hautreizungen und -schäden ausgelöst wird und mit starkem Juckreiz einhergeht. Betroffen sind meist Kopfhaut, Ellbogen, Hände, Brust und Rücken, aber auch Gesäß und Schienbeine. Typisch sind glänzende, silbrig-weiße Schuppen auf stark geröteten Arealen, die sich scharf von dem umgebenden Hautbereich abgrenzen. Pflegende Cremes lindern die Beschwerden, auch immunsuppressive Medikamente können verschrieben werden. Salben mit Kortison reduzieren zwar die Symptome, führen aber langfristig zu einer Überempfindlichkeit der Haut.
  • Periorale Dermatitis Charakteristisch für die Hautkrankheit, die auch Mundrose genannt wird, ist ein schuppender Ausschlag um Mund, der durch ein Übermaß an Pflege ausgelöst wird. Wer die unschönen Rötungen schnell wieder loswerden möchte, sollte einige Wochen komplett auf Reinigungsschaum, Gesichtswasser und Co. verzichten. Die Beschwerden klingen dann meist ohne Narbenbildung ab.

  • Rosacea Die entzündliche Krankheit verläuft chronisch und in Schüben. Im ersten Stadium rötet sich die Haut an Wangen und Nase, im Verlauf bilden sich Gefäßerweiterungen, Bläschen und Knötchen. Risikofaktoren können häufige Sonnenbäder, heißes Baden und Duschen, Medikamente, Kaffee, Tee, Alkohol, Nikotin oder Stress sein. Rosacea ist zwar nicht heilbar, die Symptome lassen sich mit Salben und Antibiotika jedoch merklich lindern.
  • Hautkrebs Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 198.000 Menschen an weißem Hautkrebs (Basalzell- oder Stachelzellkrebs) und 26.000 Menschen an dem besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebs (Malignes Melanom). Ein Melanom kann sich spontan an allen Körperstellen entwickeln. Häufig sind jedoch ein Muttermal oder Leberfleck Ursprung der Gewebeveränderung. Neben regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen ist deshalb die Selbstuntersuchung für die Früherkennung von Hautkrebs enorm wichtig. Denn seine Vorstufen sind sicht- und tastbar. Die ABCDE-Regel hilft beim richtigen Einschätzen eines Pigmentmals. Trifft mindestens eines der Merkmale zu, sollte ein Check beim Dermatologen erfolgen. Denn je früher Hautkrebs erkannt wird, desto höher sind die Heilungschance.

A wie Asymmetrie
ungleichmäßige, asymmetrische Form

B wie Begrenzung
verwaschene, gezackte oder unebene Ränder

C wie colour
unterschiedliche Färbungen in einem Mal

D wie Durchmesser
an der breitesten Stelle größer als fünf Millimeter

E wie Evolution
Veränderung eines Pigmentmales
innerhalb der letzten 3 Monate

Auch anhaltender Juckreiz und Blutungen
aus einem Mal sollten als Anlass für einen Termin
in der Hautarztpraxis genommen werden.

Hautkrebs-Screening
Seit dem 1. Juli 2008 haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf ein Hautkrebs-Screening beim Dermatologen. Die Kosten trägt die Krankenkasse. Mit Hilfe des Screenings sollen die unterschiedlichen Hautkrebsarten frühzeitig festgestellt werden, um eine möglichst hohe Heilungschancen zu garantieren.

Artikel erschienen in der Top Frühjahrsausgabe 2020

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