Impfzentrum Siegen-Wittgenstein – Top Blog

Impfzentrum Siegen-Wittgenstein: die beiden medizinischen Leiter Dr. Thomas Gehrke und Dr. Michael Klock posieren mit Mundschutz für ein Foto
Dr. Thomas Gehrke und Dr. Michael Klock, medizinische Leiter des Zentrums

Kleiner Piks mit großer Wirkung

Erfolgreicher Start im
Impfzentrum Siegen-Wittgenstein

Fast drei Wochen nach Öffnung des Impfzentrum Siegen-Wittgenstein in Eiserfeld ziehen die medizinischen Leiter Dr. Thomas Gehrke und Dr. Michael Klock im Interview mit Top-Redakteurin Julia Wildemann eine erste Bilanz. Wie viele Impfdosen werden pro Tag verabreicht? Wie ist die Stimmung unter den Impflingen? Und wie berechtigt ist die Angst vor Virusmutationen?

Wie lautet ihr Fazit fast drei Wochen nach Eröffnung des Impfzentrums?

Dr. Thomas Gehrke: Wir ziehen eine durchweg positive Bilanz. Das Konzept ist eine Gemeinschaftsleistung der Kreises Siegen-Wittgenstein und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Die ersten Wochen haben gezeigt, dass alles, was wir gemeinsam erdacht haben, in der Praxis funktioniert. Was hier läuft, wie es läuft. Und es läuft einfach prima.

Wie viele Menschen werden aktuell täglich geimpft?

Durchschnittlich 250. Rund 170 Ü80-Impflinge und 65 Pflegedienstmitarbeiter. Betreuer in Heimen, Notärzte und Rettungssanitäter, Abstrichteams, Hubschrauberbesatzung, Impfteams – also Menschen, die direkten Kontakt mit möglichen COVID-19-Patienten haben. Die Zahlen steigen kontinuierlich an. Die Maximalkapazität liegt bei 1.500 Impfungen pro Tag: zwei Schichten á 6 Stunden, 120 Mitarbeiter und sechs Impfstraßen.

Wie ist die Stimmung unter den Impflingen. Überwiegt die Vorfreude oder die Skepsis?

Dr. Thomas Gehrke: Wenn sie im Impfzentrum Siegen-Wittgenstein ankommen, sind einige Impflinge etwas aufgeregt. Doch die Aufregung verfliegt meist nach wenigen Minuten. Mit der Impfung fallen alle negativen Emotionen von den Menschen ab. Die Erleichterung ist spürbar. Die Impflinge verlassen uns voller Freude. Sie wissen, dass sie im Alltag weiterhin eine Maske tragen müssen, bis 75 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. Trotzdem sehen sie die Impfung als einen ersten Schritt zurück zur Normalität und blicken positiv in die Zukunft. Die strahlenden Gesichter machen uns und das gesamte Team einfach nur glücklich.

Welche Erfahrungen haben Sie im Zentrum bisher mit Nebenwirkungen gemacht?

Dr. Thomas Gehrke: Kritischen Impfreaktionen beugen wir vor, indem wir Verdachtsfälle im Vorfeld aussortieren. Beispielsweise Menschen mit schweren Allergien. Die impfen wir nicht im Impfzentrum, sondern leiten sie weiter an eines der Krankenhäuser. Wir sind vor Ort zwar voll ausgestattet und könnten im Notfall alles beherrschen, gehen aber trotzdem auf Nummer sicher.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Diskussion um Impfgeschwindigkeit und Impfstoffknappheit?

Dr. Michael Klock: Gefährliches Halbwissen, Mutmaßungen und Panikmache sind nie gute Ratgeber. Erst recht nicht beim Thema Impfen. Die Tatsache, dass wir bereits Anfang Februar im Impfzentrum starten konnten, übertrifft alle Erwartungen. Letztes Jahr sprachen Experten von Sommer, eher Herbst. Die Entwicklung und Zulassung eines Impfstoffes nehmen enorm viel Zeit in Anspruch. Das macht man nicht mal eben.

Dr. Thomas Gehrke: Und mit der Entwicklung und Zulassung des Stoffes ist die Arbeit ja noch nicht getan. Im nächsten Schritt muss die Infrastruktur für die Massenproduktion geschaffen werden. Allein die Herstellung der Glasfläschchen, in denen der Impfstoff gelagert wird, ist eine Meisterleistung. Benötigt wird Spezialglas, das den extremen Temperaturen standhält. Weltweit sind nur drei Hersteller dazu in der Lage. Auch bei den Inhaltsstoffen handelt es sich um Nischenprodukte, die an kleinen Standorten hergestellt werden. Zulieferer müssen sich auf die neuen Dimensionen erst einstellen. Das ist ein langsamer Prozess.

Wie berechtigt ist die Angst vor Virusmutationen?

Dr. Michael Klock: Die Mutationen des Coronavirus müssen wir auf jeden Fall ernst nehmen. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob noch weitere mutierte Formen auftreten. Um die tatsächliche Gefahr beurteilen zu können, bedarf es einer umfassenden Forschung. Es ist jedoch relativ wahrscheinlich, dass die bisher zugelassenen Impfstoffe auch gegen Mutationen eingesetzt werden können. Die aktuelle Pandemie war nicht die erste und wird auch nicht die letzte gewesen sein. An der Spanischen Grippe und der Hongkong-Grippe sind mehr Menschen gestorben, als im Zweiten Weltkrieg gefallen. Das ist in Vergessenheit geraten. Die Menschen sind so mobil wie noch nie und dringen immer weiter in die Tier- und Pflanzenwelt ein. Wir müssen uns darauf einstellen, dass diese Mobilität von Viren ausgenutzt wird.

Terminvereinbarung
online unter www.116117.de
oder telefonisch unter 0800 116 117 02

weitere Infos unter
www.siegen-wittgenstein.de


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