Kartoffel

Text: Julia Wildemann

Tolle Knolle

Kulinarische Geheimwaffe Kartoffel

Erdapfel, Ackergold oder solanum tuberosum – die Kartoffel hört auf viele Namen. Das beliebte Grundnahrungsmittel lässt sich so vielseitig verarbeiten wie kaum ein anderes. Auf welchen Wegen die kleinen Alleskönner nach Europa kamen, was Fans bei der Lagerung beachten sollten und warum die Inhaltsstoffe der Kartoffel besser sind als ihr Ruf, verrät der top Guide rund um die tolle Knolle. Auch mit dabei: kartoffelige Rezeptideen.

Die Ursprünge unserer heutigen Kulturkartoffeln liegen in den südamerikanischen Anden Südamerikas. Dort sollen Wildformen bereits vor 10.000 Jahren verzehrt worden sein. Im 16. Jahrhundert brachten spanische Seefahrer die Andenkartoffeln über die Kanarischen Inseln aufs spanische Festland.

In Europa wurden die Kartoffelpflanzen mit ihren hübschen Blüten zunächst nur als Zierpflanzen geschätzt. Erst Friedrich der Große erkannte den Wert der Kartoffel als Nahrungsmittel: Mitte des 18. Jahrhunderts erließ er Verordnungen zum verstärkten Anbau als Nutzpflanze.

Verantwortlich für den Durchbruch der Kartoffel war das rasche Bevölkerungswachstum. Mit der Industrialisierung hatte sich die Zahl der Europäer innerhalb weniger Jahrzehnte fast verdoppelt. Doch obwohl auf immer größeren Flächen Getreide angebaut wurde, verschlechterte sich die Versorgungslage stetig. Mit der Kartoffel konnten die Äcker intensiver genutzt werden und der Ertrag stieg.

Was steckt drin?

Kartoffeln = Superfood! Sie sind kalorienarm, reich an Ballaststoffen, Vitaminen (C, B1 und B2), Mineralien (Magnesium, Kalium, Eisen, Phosphor) und Proteinen.

Nährwerte von 100 Gramm gekochten Kartoffeln:
Kalorien: 69 Kalorien
Eiweiß: 2 Gramm
Fett: 0,02 Gramm
Kohlenhydrate: 14 Gramm
Ballaststoffe: 1,56 Gramm
Vitamin C: 12 mg
Kalium: 384 mg

Schon gewusst…?

Weil die Optik der Kartoffel an die Trüffel-Knolle erinnerte, nannten die Italiener die neue Frucht „tartufolo“. In Deutschland hieß der Erdapfel lange „Tartuffel“ oder „Tartöffel“, später dann „Kartoffel“.

Zusammen mit Tomaten, Auberginen und Paprika ist die Kartoffel die wohl bekannteste Vertreterin der Familie der Nachtschattengewächse.

Die Süßkartoffel – auch Batate und weiße oder rote Kartoffel genannt – zählt botanisch zur Familie der Windengewächse. Sie ist kein Nachtschattengewächs, streng genommen also auch keine Kartoffel.

Weltweit soll es rund 5.000 unterschiedliche Kartoffelsorten geben. 2019 waren in Deutschland 221 Kartoffelsorten zum Anbau zugelassen. Der Fokus der Züchter liegt dabei auf Resistenz, Qualität und Ertrag der Pflanzen.

2021 wurden deutschlandweit 10,6 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Damit liegen wir innerhalb der EU auf Platz 1. Auch beim internationalen Kartoffel-Export zählt Deutschland zu den Spitzenreitern – zusammen mit den Niederlanden und Frankreich.

Wo und wie?

Tipps für die Kartoffellagerung:
Je später die Kartoffeln geerntet werden, desto länger sind sie haltbar. Bei Zimmertemperatur können späte Sorten bis zu vier Wochen gelagert werden. In einer kühlen und dunklen Umgebung fühlt sich die Knolle am wohlsten. Außerdem braucht sie eine ordentliche Portion Sauerstoff. Stoffbeutel oder eine Holzkiste eignen sich besonders gut für die Lagerung. Plastiktüten sind ein No-go!

„Morgens rund, mittags gestampft, abends in Scheiben, dabei soll’s bleiben, es ist gesund.“

Tagebucheintrag von Johann Wolfgang von Goethe im August 1814

Welche Kartoffel für welches Gericht?
Je höher der Stärkegehalt einer Kartoffel, desto lockerer ihre Konsistenz nach dem Kochen. Deshalb unterteilt man die vielseitigen Knollen in drei Kategorien: festkochend, vorwiegend festkochend und mehlig kochend. Mehlige Kartoffeln sind trocken und weich, festkochende saftig und schnittfest, vorwiegend festkochende Erdäpfel sind eine Mischform. Von den Eigenschaften der Sorten ist abhängig, für welches Gericht sie optimal geeignet ist.

MehligkochendVorwiegend festkochendFestkochend
KartoffelsuppeAufläufeBratkartoffeln
PüreeRöstiKartoffelsalat
GnocchiPufferKartoffelspalten aus dem Ofen
KnödelPommes FritesGratin
KrokettenEintopfPellkartoffeln
OfenkartoffelnKartoffelstampf
Aufläufe
Salzkartoffeln
Grillkartoffeln

1950 lag der Pro-Kopf-Konsum der Deutschen bei 186 Kilogramm, 2021 bei 57,4 Kilogramm