Top Blog: Patricia Setzer und Red

Interview: Melanie Heider / Fotos: Sina Fröhlich

Australien Shepard Red mit Besitzerin Patricia Setzer

Patricia Setzer und Red

Richtiges Training birgt Hoffnung

Jeder Hund hat eine Vergangenheit. Mangelt es ihm an positiven Bindungserfahrungen und einer richtigen Grundausbildung, äußert sich das oft, indem die Vierbeiner an der Leine ziehen, nicht auf Kommando hören, andere Hunde und Fremde anbellen, blocken, knurren oder jaulen. Für Halter heißt das: intensives Training – am besten in einer Hundeschule. Patricia Setzer, Inhaberin des BABOR Kosmetik Instituts in der Siegener Oberstadt, hat im Oktober 2020 dem fünf Jahre alten Rüden „Red“ ein neues Zuhause gegeben. Das Top Magazin begleitete sie beim Gassi gehen und sprach über die Frage: Was tun, wenn Bindung und Erziehung bei einem Hund versäumt wurden?

Welche Vorgeschichte hat Red?

Patricia Setzer: Red ist als klassischer Zuchthund auf einem Bauernhof mit Rindern und Pferden groß geworden. Er hat keine Sozialkontakte zu anderen Artgenossen erlernen können und hatte auch nie einen festen menschlichen Bindungspartner, der mit ihm gespielt hat oder Spazieren gegangen ist. Ich bin seine dritte Besitzerin.

Ein entspannter Spaziergang durch die Stadt ist für Sie noch immer undenkbar …

In der Anfangszeit ist er mit mir Gassi gegangen. Das hat sich gelegt. Aktuell arbeiten wir daran, Außenreize abzubauen. Hierfür wähle ich immer noch Strecken, auf denen ich möglichen Gefahrensituationen gut aus dem Weg gehen kann. Denn sobald er angeleint ist und wir einem fremden Hund begegnen, dreht er komplett auf und bellt bis zur Erschöpfung.

Was hilft in solchen Momenten?

Mir persönlich hilft das Verständnis seiner Vergangenheit. Er geht auf Verteidigung, weil er denkt, mich beschützen zu müssen. In den ersten vier Wochen waren fremde Hunde noch überhaupt kein Problem für uns. Erst seitdem er mich als sein Frauchen angenommen hat. Leider reagieren andere Hundehalter mit Vorurteilen und Ablehnung. Das verschlimmert die Situation. Deshalb spanne ich meine „mentale Leine“ komplett an – ein Zusammenspiel aus Kraft, Konzentration, Wissen, Ausdauer und Liebe. Wichtig ist, mein Verhalten auf den Hund zu spiegeln. Das spürt er und beruhigt sich.

Wie wichtig ist die eigene Einstellung?

Als ich mich für ihn entschieden habe, wusste ich, dass er zunächst ein schwieriger Hund sein wird. Daher war ich von Anfang an dazu bereit, intensiv mit ihm zu arbeiten und zu trainieren. Bei Such- oder Fangspielen ebenso wie beim Gassi gehen. Und ich bin sehr froh, dass das bisherige Training Auswirkungen auf sein Verhalten zeigt.

Was macht ein gutes Hundetraining aus?

Leider bin ich anfangs an eine Hundeschule geraten, deren Methoden ich nicht teilen konnte. Dort wurde auf Lernen durch Schmerzen gesetzt. Seit über zwei Monaten arbeite ich nun mit einer tollen Hundetrainerin der Hundeschule „Klein-StadtSchnauzen“ aus Niederfischbach zusammen. Sie sagt mir, was ich tun muss, damit Red sich so verhält, wie er soll. Dank Deckentraining bleibt er mittlerweile ruhig auf seinem Platz liegen, wenn jemand den Laden betritt.

Es ist also mehr ein Training für Sie?

Absolut. Und genau das macht eine gute Hundeerziehung aus: Meine Trainerin arbeitet mit mir. Und ich arbeite mit dem Hund. Seitdem Red und ich beide jeweils wissen, was wir zu tun haben, stellt sich auch der Erfolg ein. Die Prognose: Gegen Ende des Sommers werden wir entspannt durch die Stadt spazieren gehen können. Darauf freue ich mich sehr – und dafür hat sich jede Minute Training gelohnt.


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