Schlusspunkt Dr. Karin Kolb

Interview: Julia Wildemann

Dr. Karin Kolb – Leiterin des Siegerlandmuseums 

Altes bewahren, Neues wagen

Gestern Bauhaus, heute Regionales: Seit Oktober ist Dr. Karin Kolb neue Leiterin des Siegerlandmuseums. Nach beruflichen Stationen in Dresden, Weimar und Dessau freut sich die Kunsthistorikerin auf eine neue Herausforderung. An ihrem Arbeitsplatz genießt sie nicht nur eine spektakuläre Aussicht auf die Krönchenstadt, sondern hat auch die Weiterentwicklung des Museums fest im Blick.

Warum haben Sie sich für das Sieger- landmuseum entschieden? Was hat Sie an der Aufgabe gereizt?

Bereits in der Stellenausschreibung der Stadt Siegen wurde deutlich, dass ein neuer Weg beschritten werden soll. Ein Weg, mit dem sich das Museum einem breiteren Publikum öffnet und die Besucher mehr einbezieht. Die Neuausrichtung des Museums ist eng verbunden mit dem Ausbau der beiden Hochbunker in der Burgstraße, in denen zusätzliche Ausstellungsfläche entstehen soll. Solche Transformationsphasen bieten immer große Chancen. Wie entwickeln wir Konzepte mit den Menschen, nicht nur für sie? Die Idee, gemeinsam mit meinem Team als Motor für das Museum zu wirken, hat mich von Anfang an fasziniert.

Welche Aspekte machen den Siegener Standort besonders?

Die bunte Mischung! Das Museum hat einen enorm vielfältigen Bestand aus unterschiedlichsten Zeiten. Alle Objekte sind Zeugnisse der Geschichte der Region. Die wirtschaftliche Entwicklung, das Schaubergwerk, die Dynastie der Oranier, Siegen als Geburtsort von Peter-Paul Rubens – ein einzigartiger Spaziergang durch die Dinge, die Siegen-Wittgenstein und die Menschen vor Ort geprägt haben. Ein Zeugnis der kulturellen Identitäten. Diese Vielfalt möchte ich noch deutlicher herausarbeiten.

Wie gelingt es, Geschichte lebendig zu halten und immer wieder neu zu erfinden?

Ein Ausstellungsstück muss einen Bezug zu unserer heutigen Lebenswirklichkeit haben. Zu uns sprechen und so einen Mehrwert bieten – unabhängig von Ort oder Zeit seiner Entstehung. Diese Verbindung herzustellen, ist die Aufgabe guter Museumsarbeit. Die Gretchenfrage ist immer das „Wie“. Objekte sind selten selbsterklärend. Es braucht jemanden, der die Geschichten hinter den Objekten erzählt und so den Zugang erleichtert. Was hat das was du siehst, mit dem zu tun, was du in deinem Alltag erlebst? Probleme, die wir heute haben, sind bereits vor 300 Jahren diskutiert worden. Wahrscheinlich mit ganz anderem Ergebnis. Die Kenntnis der Vergangenheit hilft zu verstehen, wer wir heute sind. Was uns ausmacht. So lassen sich auch die richtigen Fragen für die Zukunft stellen. Digitalisierung und neue Medien ermöglichen außerdem eine ganz andere Art der Auseinandersetzung mit Kunst. Alle Sinne werden angesprochen. Wir müssen unsere Arbeit und auch die Aufgabe des Museums regelmäßig hinterfragen. Dabei spielt die Vernetzung mit Kollegen und anderen Standorten eine wichtige Rolle.

Welchen Aufgaben und Projekten werden Sie sich in den kommenden Wochen widmen?

Ich befinde mich immer noch in einer Art Kennenlernphase, tauche ein in das Museum und seine Kunst. Dafür verbringe ich viel Zeit in der Sammlung und versuche die Objekte mit frischem Blick auf mich wirken zu lassen. So hat sich bereits die ein oder andere konzeptionelle Idee entwickelt. Meine Mitarbeiter und ich überlegen, wie wir das Museum aufstellen wollen. Neue Wege gehen, rote Fäden herausarbeiten, herausragende Objekte noch stärker in den Fokus rücken. Dabei lerne ich nicht nur das Museum immer besser kennen, sondern auch die Region. Ich knüpfe neue Kontakte und netzwerke mit Multiplikatoren. Der gemeinsame Austausch macht großen Spaß.

zur Webseite des Siegerlandmuseum


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