Schlusspunkt Frühjahr 2020

Preisgekrönter Professor

Prof. Dr.-Ing. Peter Burggräf im Interview

Ein neuer Studiengang für die Universität Siegen, eine neue berufliche Herausforderung – Seit 2017 betreut Prof. Dr.-Ing. Peter Burggräf den neugegründeten Lehrstuhl für International Production Engineering and Management. Ende 2019 wurde er vom UNICUM Magazin zum „Professor des Jahres“ im Bereich Ingenieurwissenschaften und Informatik gewählt. Wir sprachen mit ihm über seine Zeit als Student, den Unialltag am Paul-Bonatz-Campus und seine Vision für die Fabrik der Zukunft.

2001 haben Sie Ihr Studium an der RWTH Aachen begonnen. Warum überhaupt die Entscheidung für den Bereich Maschinenbau?

Ich war immer schon technikinteressiert. Besonders Fabriken haben mich total fasziniert. Ich hab mich immer gefragt: Wie kann das alles funktionieren? Und deshalb habe ich relativ früh entschieden, mich in dem Bereich zu orientieren und bin dann nach Aachen gegangen, um an der RWTH Maschinenbau zu studieren.

Wann genau haben Sie sich für die akademische Laufbahn entschieden? War die Professor von Beginn an festes Ziel?

Überhaupt nicht! Während des Studiums habe ich als wissenschaftliche Hilfskraft an einem Institut gearbeitet und dort schon früh Kontakte zur Wissenschaft geknüpft, die ich nach meinem Abschluss für den Berufseinstieg nutzen konnte. Der nächste Schritt war der Doktor und irgendwie ist dann das eine zum anderen gekommen. Ich bin generell jemand, der nicht zu konkrete Pläne für sein Leben macht, weil ich glaube, dass sich viele Chancen zufällig ergeben. Gerade in der akademischen Welt muss man immer auch das Glück an seiner Seite haben. Die Professuren sind rar gesät. Zeitpunkt und Ort müssen passen. Deshalb bin ich immer offen und versuche, jede Situation bestmöglich zu nutzen.

Seit 2017 haben Sie den neugegründeten Lehrstuhl für International Production Engineering and Management an der Universität Siegen inne. Warum fiel Ihre Wahl auf den Standort?

Die Universität hat ein enormes Potential. Ich arbeite gerne in einer Umgebung, wo noch viel zu tun ist, wo man eine Strategie zum Wachsen entwickeln und etwas Neues aufbauen kann. Die Voraussetzungen waren in Siegen optimal.

Das Studentenportal UNICUM kürte Sie kürzlich zum „Professor des Jahres“. Glückwunsch! Wie haben Sie auf die Auszeichnung reagiert?

Ich habe mich total gefreut. Auch deshalb, weil die Auszeichnung Rückenwind gibt für die Dinge, die wir hier angestoßen haben. Sie zeigt, dass unsere Ideen und Konzepte den Zeitgeist treffen und allgemein anerkannt werden. So öffnen sich neue Türen und Projekte können schneller umgesetzt werden.

Wie gelingt es Lehrenden, den Kontakt zu den Studenten nicht verlieren?

Ich versuche immer mich daran zu orientieren, was mir an meinem eigenen Studium besonders gefallen hat. Mittlerweile geht es in der Summe während des Studiums nicht mehr ausschließlich darum, sich theoretisches Wissen anzueignen. Wir müssen den Studierenden vermitteln, wie sie sich und ihr Know-how gewinnbringend rüberbringen können. Trockene Zahlen, Daten und Fakten reichen da manchmal nicht aus. Es geht immer auch um Emotionen, um Entertainment. Ein starker Praxisbezug und der Austausch untereinander sind deshalb enorm wichtig.

Stichwort Praxis: Mit dem Campus Buschhütten ist in Kreuztal eine Demofabrik entstanden, in der Studierende ab August einen Blick hinter die Kulissen werfen können. Inwieweit bildet das Projekt den realen Arbeitsalltag ab?

In unserer Demofabrik produzieren wir beispielsweise die Hinterachse für den e.Go, ein kleines Elektroauto für den Stadtverkehr. Die Studierenden lernen den Produktionsprozess, die Logistik im Hintergrund und das Produktionsmanagement kennen. Essentiell in der Praxis ist dabei der Faktor Mensch, der in der Theorie natürlich nicht erlebbar ist. Es macht wenig Sinn, die 23. Nachkommastelle einer technischen Berechnung zu optimieren, wenn wir auf der menschlichen Ebene nicht harmonieren. Der Arbeitsalltag läuft nicht nach Lehrbuch ab. In der Demofabrik können wir die Studierenden darauf vorbereiten.

Siegen ist ein starker Wirtschaftsstandort mit traditionsreichen Industrieunternehmen. Davon profitieren auch die Studenten im Bereich Maschinenbau, oder?

Auf jeden Fall! Diesen enormen Standortvorteil müssen wir noch deutlicher nach außen kommunizieren. Genau wie viele Unternehmen vor Ort ist auch die Uni Siegen ein Hidden Champion. Die Betreuung der Studenten ist sehr gut, es herrscht eine persönliche und lehrunterstützende Atmosphäre. Gemeinsam müssen wir daran arbeiten, die Sichtbarkeit der Universität auch überregional zu erhöhen, um noch mehr Studenten für das schöne Siegerland zu begeistern.


Interview erschienen in der Top Frühjahrsausgabe 2020

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