Schlusspunkt Herbst 2020

Reiner Meutsch

Wäller Kopf weltweit im Einsatz für den guten Zweck

Unternehmer, Stiftungsgründer, Botschafter des Westerwaldes – Reiner Meutsch ist ein vielbeschäftigter Mann. 2007 verkaufte er seine Anteile am Reiseveranstalter Berge & Meer, 2009 verabschiedete er sich auch aus der Geschäftsführung und erfüllte sich einen Lebenstraum. Er tauschte sein Büro gegen das Cockpit eines Kleinflugzeugs und hob ab, um den Erdball zu umrunden. Immer im Gepäck: seine Westerwälder Wurzeln.

49 Länder, 445 Projekte, 86.260 glückliche Kinder – zehn Jahre nach Gründung Ihrer Stiftung FLY & HELP übertriff t deren Erfolg alle Erwartungen. Wie ist die Idee überhaupt entstanden?

Ich habe schon immer von einer Weltumrundung geträumt. Wirklich konkret wurde die Realisierung jedoch nie. Irgendwann fielen mir dann die Worte meines Vaters wieder ein, der die Welt bereisen wollte, sobald er Rentner war. Doch dazu ist es nie gekommen. Er starb mit 58 Jahren. Also beschloss ich, meinen Traum besser heute als morgen umzusetzen. Ich ließ mich zum Piloten ausbilden und startete 2010 zu einer zehnmonatigen Weltreise durch 77 Länder. Die Reise sollte jedoch einen tieferen Sinn haben. So entstand die Idee, fünf Bildungsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika zu finanzieren und diese dann im Rahmen der Weltumrundung zu besuchen. Dazu gründete ich meine Stiftung FLY & HELP. Zuerst stand das Fliegen im Vordergrund, doch dann entdeckte ich, wie viel Freude es mir macht, Kindern durch Bildung eine Zukunft zu ermöglichen.

FLY & HELP betreut Projekte auf drei Kontinenten. Inwieweit hat die Corona Pandemie mit stark eingeschränktem Reiseverkehr und einem fast vollständig zum Erliegen gekommenen öffentlichen Leben Ihre Arbeit verändert?

Glücklicherweise stand die Finanzierung der rund 80 für dieses Jahr geplanten Schulen bereits im Februar final. Dem Bau stand also nichts mehr im Wege. Leider konnten wir seit März nicht mehr persönlich zu unseren Schulprojekten reisen, aber dank der erfahrenen Partnerorganisationen, mit denen wir vor Ort zusammenarbeiten, werden alle Projekte weiterhin optimal betreut. Corona hat aber in vielen Ländern zu Ausgangssperren und dementsprechend zu Baustopps geführt. In dieser Zeit haben unsere Partner die Menschen in den Dörfern mit Lebensmitteln versorgt, damit sie nicht verhungern. Manchmal ist das Schulessen für die Kinder die einzige Mahlzeit des Tages. Wenn dann die Schulen geschlossen sind und die Eltern nicht auf dem Feld arbeiten oder zum Markt gehen dürfen, ist das ein großes Problem. Mittlerweile sind in fast allen Ländern die Bauarbeiten wieder angelaufen, die Ausgangssperren sind gelockert und die Schulen öffnen nach und nach wieder. In Ländern wie Peru ist die Lage aber immer noch sehr kritisch.

Sie sind nicht nur Stiftungsgründer, sondern auch offizieller „Botschafter des Westerwaldes“. Welche Idee steckt hinter der Initiative des Westerwaldkreises?

Um die Außendarstellung der Region zu fördern, hat der Kreistag 2006 erstmals vier „Botschafter des Westerwaldes“ benannt. Bekannte Wäller sollten durch ihr berufliches oder ehrenamtliches Engagement den guten Ruf ihrer Heimat über deren Grenzen hinaus verbreiten. Zusammen mit mir wurden ursprünglich noch Johannes Kalpers, Hilmar Kopper und Dr. Theo Zwanzinger zu Botschaftern ernannt. Derzeit tragen den Ehrentitel neben mir noch Annegret Held, Johannes Kalpers und Roman Weidenfeller. Während Fernsehauftritten, in Interviews sowie bei meinen zahlreichen Reisen und Vorträgen berichte ich immer stolz, dass ich Wäller bin. Der Westerwald ist einfach einzigartig – ich liebe meine Heimat.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Stärken der Region?

Zum einen hat der Westerwald wunderbare Landschaften. Viele kleine Flüsse, Bäche und Seen – perfekt zum Erholen, Radfahren und Wandern. Die Luft ist hier noch rein und die Weite gibt ein tolles Lebensgefühl. Zum anderen macht die Authentizität der Menschen den Westerwald aus. Wir Wäller halten alle zusammen und sind eine große, sehr gastfreundschaftliche Familie.

Die vielfältige Natur des Westerwaldes lädt zum Aktivsein ein. Sind Sie lieber zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs?

Wir haben den Westerwaldsteig und hunderte gut beschilderte Wander- und Radwege. Ich erlebe meine Heimat sowohl zu Fuß als auch mit meinem Fahrrad – wegen der vielen Hügel habe ich mir jetzt ein E-Bike angeschafft. Und da ich nach wie vor leidenschaftlicher Pilot bin, genieße ich es, den Westerwald möglichst oft auch von oben zu betrachten.

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