Schlusspunkt Jörn Heller

Interview: Julia Wildemann

Jörn Heller – Autor & Buchhändler 

Regionale Wahrzeichen & überraschende Geheimtipps

Das Herz von Jörn Heller schlägt für die Literatur. Seit 2004 leitet der gebürtige Sauerländer die ALPHA-Buchhandlung im Siegener Stadtzentrum. Auch in seiner Freizeit widmet er sich mit großer Leidenschaft dem geschriebenen Wort. Wenn er nicht in Sachbüchern oder Biografien schmökert, verfasst er Gedichte. Mehr als zehn Bände mit wohlklingenden Versen sind bereits erschienen. Mit „111 Orte in Siegen-Wittgenstein, die man gesehen haben muss“ wagte er den Schritt von der Poesie zur Prosa. Wir sprachen mit ihm über seine Recherchetour durch die Region und seinen ganz persönlichen Lieblingsort.

Wie ist die Idee zu „111 Orten in Siegen-Wittgenstein, die man gesehen haben muss“ entstanden? Das Konzept ist ja nicht neu.

Genau! Im Kölner Emons Verlag sind im Rahmen der 111er-Reihe bereits mehr als 400 Titel erschienen. Irgendwann habe ich mich gefragt, warum es noch keine Ausgabe für Siegen-Wittgenstein gibt. Über einen Außendienstmitarbeiter entstand der Kontakt zum Verlag. Ich erfuhr, dass ein Reiseführer für unsere Region nicht in Planung war. Es fehlte der passende Autor. Da war für mich direkt klar: Ich mache das!

Wie viel Zeit haben die Vorbereitung des Buches und der eigentliche Schreibprozess in Anspruch genommen?

Im Mai 2019 kam die Idee auf, im Juni habe ich den Buchvertrag unterschrieben. Dann habe ich ungefähr ein Jahr recherchiert und Fotos von den Orten gemacht, die unbedingt einen Platz im Buch bekommen sollten. Anfang Januar 2020 habe ich mit dem eigentlichen Schreiben angefangen. 111 Orte, also auch 111 Texte. Ein ganz schöner Brocken! Morgens um halb fünf gings für mich an den Schreibtisch, dann habe ich zwei Stunden geschrieben und den Text abends noch mal durchgesehen. Ziel war ein Ort pro Tag. Am Wochenende auch mal zwei oder drei. So wurde meine Liste Stück für Stück kürzer. Mitte Mai stand der Text, Ende September ging das Buch in die Auslieferung. Die ersten 3.000 Exemplare waren innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Mittlerweile ist bereits die dritte Auflage erschienen.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Orte ausgewählt?

Mein Ziel war, dass sich alle elf Gemeinden Siegen-Wittgensteins im Buch wiederfinden. Klassiker wie das Obere Schloss, ein Hauberg oder ein Backes durften natürlich nicht fehlen. Während meiner Recherche habe ich aber auch nach dem Besonderen, dem Unbekannten gesucht. Ich wollte nicht einfach das Naheliegende vorstellen, sondern den Leser an der ein oder anderen Stelle auch überraschen. Beispielsweise mit dem 3.500 Jahre alten Hochmoor in Erndtebrück, das mitten in einem Industriegebiet liegt. Kennt fast niemand. Auch die Historie der Region sollte auftauchen. Die Lebensläufe von Persönlichkeiten wie Fürst Johann Moritz oder Wilhelm von Oranien habe ich deshalb mit geschichtsträchtigen Orten wie der Fürstengruft oder der Ginsburg verknüpft. Schwierig war die Suche nach einer klassischen Dorfkneipe. Dank eines Tipps bin ich dann auf eine Kneipe in Walpersdorf gestoßen. Uriges Ambiente. Knobelnde Männer am Tresen. Ein Wirt mit Zwirbelbart. Perfekt!

Wie hat die Region auf die Idee reagiert?

Total aufgeschlossen und sehr mitteilungsfreudig! Ich bin auf offene Ohren gestoßen und habe unglaublich viele Tipps bekommen. Egal, mit wem ich mich unterhalten habe. Viele meiner Entdeckungen verdanke ich Gesprächen mit Menschen vor Ort. Generell sind die Siegerländer und Wittgensteiner hier sehr heimatverbunden. Das merke ich auch in meinem Arbeitsalltag in der Buchhandlung. Regionale Titel werden uns förmlich aus den Händen gerissen.

Welcher der 111 Orte ist ihr persönlicher Lieblingsort?

Gute Frage! Da kann ich mich kaum entscheiden. Die einzelnen Orte sind einfach so unterschiedlich und auf ihre Art einzigartig. Wenn ich mich wirklich festlegen müsste, würde meine Wahl vielleicht auf die Aussicht vorm Alexander-Mack-Museum in Schwarzenau fallen. Das ist ein Mini-Museum zur lokalen Geschichte des Pietismus und man hat von dort oben einen traumhaften Blick ins Edertal.“


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