Top Blog: Tod und Trauer

Text: Julia Wildemann

Tod & Trauer

Hoffnung in schweren Stunden

Das Leben ist endlich, der Tod eine logische Konsequenz. Trotzdem gilt er immer noch als Tabuthema, über das nur ungern gesprochen wird. Auf den folgenden Seiten werfen wir einen Blick zurück in die Geschichte der Bestattung, treffen wichtige Vorsorgevorkehrungen und beschäftigen uns mit der Bedeutung des Sterbens in unterschiedlichen Religionen.

„Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird zu leben.“


Marc Aurel

Blick zurück!

Die Geschichte der Bestattung

Archäologische Funde lassen vermuten, dass in Israel bereits vor 120.000 Jahren Beisetzungen stattfanden. Auch in Europa fand man ähnliche Spuren, die darauf schließen lassen, dass die Neandertaler ihre Toten in Gemeinschafts- und Familiengräbern bestatteten. In der Antike verabschiedete man sich mit aufwendigen Zeremonien von den Verstorbenen, die im Anschluss auf extra dafür angelegten Friedhöfen außerhalb der Stadtmauern begruben wurden. Im Zuge der Verbreitung des Christentums wuchs der Wunsch der Menschen, ihren Heiligen nach dem Tod möglichst nah zu sein und es entstanden innerstädtische Friedhöfe unmittelbar neben den Kirchen. Das änderte sich mit der Reformation im 16. Jahrhundert, die Grabstätten wanderten an den Rand der Städte. Mit der Aufklärung entwickelten sich auch die Bestattungsrituale weiter und lösten sich immer mehr von der Religion. Kommunale Friedhöfe und Leichenhallen übernahmen teilweise die Aufgaben der Kirchen. Beisetzungen wurden immer professioneller. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Bestattungsunternehmen gegründet, 1876 öffnete in Mailand das weltweit erste Krematorium.

Vollmachten erteilen

Im Todesfall regelt das Testament den Umgang mit dem Nachlass des Verstorbenen. Damit sich die Erben oder der Testamentsvollstrecker jedoch auch um bestehende Verpflichtungen wie Bankgeschäfte oder Schriftverkehr küm- mern dürfen, müssen im Vorfeld Vollmachten ausgestellt werden. Die Schriftstücke werden nicht nur mit den Bevollmächtigten abge- stimmt, sondern auch mit den jeweiligen Banken, Institutionen oder Geschäftspartnern. Um Missbrauch vorzubeugen, kann ein Passus integriert werden, laut dem die Vollmachten erst mit dem Tod des Erblassers in Kraft treten.


Die wichtigsten Vollmachten:

  • Bankvollmacht
    Vollmacht für die Verwaltung aller Konten und Depots des Verstorbenen.
  • Postvollmacht
    Erlaubnis, sich um den anfallenden Schriftverkehr zu kümmern.
  • Vollmacht für unverheiratete Paare
    Wer nicht verheiratet ist, hat nicht automatisch Zugriff auf die Finanzen des Partners.
  • Vorsorgevollmacht
    Jemand wird bevollmächtigt, im Sinne eines nicht mehr handlungsfähigen Patienten rechtskräftig für ihn zu entscheiden.
  • Generalvollmacht
    Umfangreicher als eine Vorsorgevollmacht, regelt die Vertretung in allen Rechtsgeschäften.

ORGANSPENDEAUSWEIS
Wer sich bereit erklärt, seine Organe nach dem eigenen Tod zu spenden, kann Leben retten. Formal reicht eine handschriftliche Notiz, besser ist aber ein Organspendeausweis. Der kann online beantragt werden und sollte jederzeit zugänglich in Portemonnaie oder Handtasche aufbewahrt werden. Die Entnahme kann auf Wunsch auch auf einzelne Organe beschränkt werden. Eine entsprechende Verfügung im Testament zu hinterlegen macht keinen Sinn, weil zu spät.


Testament und Nachlass

Das Testament gehört im Todesfall zu den wichtigsten Dokumenten. In ihm hält der Erblasser handschriftlich fest, wie mit seinem Nachlass umgegangen werden soll. Die Beurkundung durch einen Notar ist empfehlenswert, aber nicht verpflichtend. Bei komplizierten wirtschaftlichen oder familiären Verhältnissen kann ein Erbvertrag eine Alternative sein.


Bestattungsarten im Überblick

In Deutschland gilt die allgemeine Bestattungspflicht. Verfügt der Verstorbene nicht über finanzielle Rücklagen, müssen die Angehörigen für die Bestattung aufkommen. Wer vorsorgen möchte, schließt eine Sterbegeldversicherung ab, die im Todesfall die Kosten für Erbschein, Sterbeurkunde, Bestattungsanzeige, Grabstein, aber auch die anschließende Grabpflege deckt. Sinnvolle Ergänzung für Menschen, die häufig im Ausland sind: eine Unfallversicherung, die eine Rückholung nach Deutschland einschließt.


Feuerbestattung

– 80% DEUTSCHLANDWEIT –
Mittlerweile ist die Feuerbestattung die am häufigsten gewählte Bestattungsart in Deutschland. Streng genommen gehört die Feuerbestattung nicht zu den eigenständigen Bestattungsarten, denn die Feuerbestattung bedeutet lediglich die Kremation (Einäscherung) des Leichnams. Anders als bei der Erdbestattung wird anschließend nicht der Leichnam, sondern die Asche eines Verstorbenen beigesetzt.


Erdbestattung

– 20% DEUTSCHLANDWEIT –
Die Erdbestattung ist die traditionellste der Bestattungsarten in Deutschland. Viele religiöse Gläubige der monotheistischen Religionen wählen heutzutage immer noch diese Bestattungsart. Bei der Erdbestattung wird der Leichnam in einem Sarg in der Erde auf einem Friedhof bestattet. In den vergangenen Jahren hat jedoch die Zahl der Feuerbestattungen in Deutschland zugenommen.


Alles außer gewöhnlich

Der Wunsch nach Individualität und Flexibilität beeinflusst auch die moderne Bestattungskultur. Die Branche wird immer komplexer, alternative Bestattungsarten erfreuen sich großer Beliebtheit. Häufiger Wunsch: eine Naturbestattung als Alternative zur traditionellen Beisetzung auf einem Friedhof. See-, Luft- oder Baumbestattung? Die Optionen sind vielfältig. Durch die geltenden Bestattungsgesetze und die Beisetzungspflicht sind die Möglichkeiten in Deutschland begrenzt. Daher können einige Bestattungsarten nur im Ausland realisiert werden. Die Einäscherung des Verstorbenen erfolgt dabei in der Regel in Deutschland, im Anschluss wird die Aschekapsel überführt. Der technische Fortschritt eröffnet außerdem vollkommen neue Möglichkeiten wie die Diamantenbestattung, bei der die Kremationsasche zu einem Erinnerungsdiamanten verarbeitet wird.


Abschied nehmen und trauern

Niedergeschlagenheit, Schmerz, Schuldgefühle, aber auch Wut sind typische Gefühle, die durch den Verlust eines geliebten Menschen ausgelöst werden. Trauernde durchlaufen unterschiedliche emotionale Stationen, die von Psychologen als Phasen der Trauer bezeichnet werden: Trauer zulassen, Trauer verarbeiten, Trauer bewältigen, Trauer überwinden. Ziel dieses Prozesses ist es, die negativen Gefühle nicht zu verdrängen, sondern sich ihnen zu stellen, damit die Trauer nicht zu einem seelisch-chronischen Problem wird, das beispielsweise in einer Depression mündet.


Leben und Sterben in den Weltreligionen

Christentum
Auferstehung nach dem Tod

Die Auferstehung Jesu gibt Christen die Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende, sondern der Anfang eines neuen Lebens ist. Fest verankert ist dabei der Glaube an Himmel und Hölle sowie das Gericht Gottes. In der Bibel findet sich allerdings kein Hinweis darauf, ob Körper und Seele bei der Auferstehung der Toten weiterhin eine Einheit bilden oder sich voneinander trennen.


Judentum
Unsterblichkeit der Seele

Das Judentum ist eine lebensbejahende Glaubensrichtung, die sich auf die Verbundenheit zu Gott im Hier und Jetzt konzentriert. Suizid und Sterbehilfe sind deshalb streng verboten. Der Tod wird mit der Nacht zwischen zwei Tagen verglichen: Das Gestern steht für das Leben auf der Erde, das Morgen repräsentiert das ewige Leben.


Islam
Leben nach dem Tod

Im muslimischen Glauben gehen die Menschen davon aus, dass sie nach dem Tod in Gottes Nähe weiterleben. Der Tod ist für sie nicht das Ende des Lebens, sondern der Übertritt in eine andere Ebene des Lebens. Vor Allah müssen sich alle Muslime rechtfertigen. Danach wird entschieden, wer ins Paradies kommt und wer in die Hölle.


Buddhismus und Hinduismus
Ewiger Zyklus der Wiedergeburt

Beide Religionen gehen davon aus, dass das Leben nicht beschränkt ist. Für Buddhisten und Hindus endet mit dem Tod des Körpers ein Abschnitt und nach einer Ruhepause beginnt ein neuer. Sie verstehen Geburt und Tod nicht als Grenzen, sondern als Teil eines ewigen Kreislaufs aus Wiedergeburten.


Gemeinsam statt einsam – Unterstützung am Lebensende

Patientenverfügung
Sollte man beispielsweise nach einem Unfall nicht mehr in der Lage sein sich mitzuteilen, greift die Patientenverfügung. Sie ist ein juristisches Dokument, an das sich Angehörige und Mediziner verpflichtend halten müssen. Ihr Inhalt regelt, welche medizinische Betreuung sich der Verfasser wünscht und in welchem Rahmen lebenserhaltende Maßnahmen vorgenommen werden sollen. Wichtig ist deshalb eine möglichst genaue Formulierung.

Sterbehilfe
Ein Tod ohne Schmerzen und einen langen Leidensweg ist die Idealvorstellung vieler Menschen. Wahrscheinlich ist deshalb Sterbehilfe ein Thema, das quer durch alle Bevölkerungsschichten und politischen Parteien äußerst kontrovers diskutiert wird. Lediglich in den Niederlanden, Luxemburg und in Belgien sowie im US-Bundesstaat Oregon existieren Gesetze, die aktive Sterbehilfe zulassen. In allen anderen europäischen Ländern ist ausschließlich die passive Sterbehilfe erlaubt. Aktive Sterbehilfe bedeutet, dass durch eine aktive Handlung wie das Verabreichen einer Injektion der Tod herbeigeführt wird. Passive Sterbehilfe bedeutet, dass der Tod durch Unterlassen einer Handlung eintritt.

Hospiz
Der Begriff Hospiz – lateinisch: hospitium / Herberge – stammt aus dem Mittelalter. Damals bezeichnete er eine Herberge für durchreisende Pilger. Heute werden in einem Hospiz unheilbar Kranke begleitet, die sich in ihrer letzten Lebensphase befinden und palliative Versorgung benötigen. Das Ziel der Behandlung ist nicht die Heilung des Patienten, sondern die Erhöhung seiner Lebensqualität, um ein würdevolles und möglichst schmerzfreies Sterben zu ermöglichen. Der Fokus der Hospizarbeit liegt auf dem Menschen und seinen Angehörigen, die von einem interdisziplinären Team dabei unterstützt werden, voneinander Abschied zu nehmen.


Palliativ Netz Siegen-Wittgenstein-Olpe e.V.

Wer unheilbar erkrankt ist, leidet nicht nur an den Symptomen seiner Krankheit, sondern auch unter der Angst, mit seinen Sorgen alleine gelassen zu werden. Um in dieser Ausnahmesituation zu unterstützen, wurde das PalliativNETZ Siegen-Wittgenstein-Olpe gegründet. Der Zusammenschluss möchte Betroffenen und Angehörigen Ängste nehmen und ihnen eine umfassende Versorgung bieten. Hauptaufgabe sind die Beratung rund um individuelle Hilfsangebote im eigenen Zuhause sowie der 24-Stunden-Bereitschaftsdienst. Alle Ansprechpartner haben Erfahrung im Bereich der hospizlichen und palliativen Versorgung. Die zentrale Rolle übernehmen der betreuende Hausarzt und die Koordinationsstelle des Palliativ-NETZ.

www.palliativnetz-siegenwittgenstein-olpe.de


Deutscher Kinderhospizverein e.V.

Kinder stehen am Anfang ihres Lebens. Sie sollen sich frei entfalten können, glücklich und gesund aufwachsen. Die Diagnose einer lebensverkürzenden Erkrankung trifft deshalb besonders hart. Familien in dieser Situation bestmöglich zu begleiten und zu unterstützen ist seit 14 Jahren Ziel des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Siegen – kurz AKHD Siegen. Unter der Trägerschaft des Deutschen Kinderhospizvereins e.V. arbeiten im Dienst neben vier hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, darunter zwei Koordinationsfachkräfte, insgesamt 47 Ehrenamtliche. Die Betreuung ist so individuell wie der Mensch selbst. Gemeinsames Spielen, Bücher vorlesen, Schwimmen gehen… Die Mitarbeiter des AKHD Siegen orientieren sich immer an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Betroffenen.

www.akhd-siegen.de

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