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Mikrokosmos Immunsystem 

Die Abwehr- und Antikörper-Armee des Menschen 

Text: Melanie Heider

In jeder Sekunde des Lebens ist der menschliche Organismus damit beschäftigt, sich gegen äußere Eindringlinge wie Keime, Bakterien, Pilze, Parasiten oder Viren zu verteidigen. Jeder kleine gewonnene Kampf trainiert und stärkt das Immunsystem. Um die optimalen Bedingungen dafür zu schaffen und den Körper mit dem erforderlichen Rüstzeug zu wappnen, sind eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und Schlaf sowie Sauerstoff und Sonnenlicht die Maßgabe. Und das bereits im Kindesalter. 

Krankheitserreger gibt es überall: Auf Oberflächen, in der Luft, im Wasser, im Boden wie auch in menschlicher Ausscheidung z.B. Speichelsekret. Allein bei einem zehnsekündigen Kuss werden laut einer Studie der Universität Amsterdam (2014) rund 80 Millionen Bakterienzellen übertragen. 

Kommt der Mensch in den Kontakt mit körperfremden Substanzen, Pilzen, Keimen, Bakterien und Viren, hängen mögliche Symptome von der Beschaffenheit des eigenen Abwehrsystems wie auch von der Aggressivität des fremden Erregers ab. Solange die körpereigene Abwehr reibungslos funktioniert, ziehen sogenannte asymptomatische Verläufe unbemerkt und ohne Beschwerden vorüber – und das täglich. 

In den meisten Fällen schützen bereits die anatomisch-chemische Abwehr wie der Säureschutzmantel der Haut, der pH-Wert im Magen oder Sekrete, die auf den Schleimhautoberflächen sitzen, den Körper effektiv vor Eindringlingen. Schaffen es Keime, ein Bakterium oder Viren doch, in den Organismus zu gelangen, wenden sich bestimmte Zellen des inneren Immunsystems gegen ihn – etwa 80 Prozent davon sitzen im Darm. Zeitgleich werden bestimmte Verteidigungsmechanismen eingeleitet. 

Freund und Feind 

Auch wenn die verinnerlichte Alltagsweisheit „Dreck reinigt den Magen“ dem Praxistransfer nicht standhält, trägt sie viel Wahrheit in sich. Statt Matsch oder Schmutz übernimmt die Magensäure den eigentlichen Reinigungsprozess – gleichzeitig bekommt das Immunsystem die Gelegenheit, sich mit Fremdstoffen auseinanderzusetzen. 

Längst haben wissenschaftliche Studien nachgewiesen, dass Menschen, die in ihrer Kindheit einer geringeren Hygiene ausgesetzt waren, z.B. im Umfeld eines Bauernhofes, im Erwachsenenalter seltener zu Allergien wie Heuschnupfen oder Asthma neigen als jene, die in jungen Jahren seltener mit Keimen oder Bakterien in Berührung kamen. Entwickelt sich eine solche Allergie, verteidigt das Immunsystem fälschlicherweise den Körper gegen Stoffe, die eigentlich nicht bedrohlich sind. Auffällig: Bei Einzelkindern ist die Zahl signifikant höher. 

Humanes Habitat für Bakterien und Viren 

Der Kontakt zu möglichst vielen Bakterien kann somit die Entwicklung eines stabilen Immunsystems begünstigen. Zudem weisen immer mehr Forschungen darauf hin, dass die Stoffwechselprodukte bestimmter Bakterien essentiell für das Immunsystem, den Darm, die Knochen, die Lunge, das Herz wie auch das Gehirn sind. Neben Milchsäure produzieren sie u.a. Enzyme, Vitamine und kurzkettige Fettsäuren ebenso wie Hormone oder natürliche Antibiotika. Gerät diese Balance ins Ungleichgewicht, wird der Körper krank. 

Mensch und Mikrobe gehen daher eine Symbiose auf Lebenszeit ein – aktuellen Schätzungen zufolge etwa im Verhältnis 1:1. 2016 errechneten Wissenschaftler des israelischen „Weizmann-Instituts“ und des „Hospital for Sick Children“ in Toronto für einen jungen Mann mit 70 Kilogramm Gewicht und einer Körpergröße von 1,70 Metern 30 Billionen Zellen und 39 Billionen Bakterien, also etwa zwei Kilogramm des Körpergewichts – die meisten davon im Darm. 

Auch bei Viren deutet die aktuelle Forschung darauf hin, dass sogenannte Phagen die Darmflora des Menschen mit regulieren, indem sie die Darmschleimhautzellen in Alarmbereitschaft halten und so verhindern, dass sich der Darm trotz Infektionsvorgängen nicht entzündet. 

Etwa 80 Prozent der Immunzellen sind im Darm angesiedelt. 

Früh übt sich 

Die Voraussetzungen für eine körperliche und seelische Gesundheit im Erwachsenenalter werden bereits im Embryonalstadium wie auch in der Kindheit gelegt – so auch die eines gesunden Immunsystems. Neben genetischen Faktoren entscheiden bereits die Schwangerschaft und der Geburtsprozess selbst über die immunologische Erstausstattung der neuen Erdenbürger. 

Ein Grund hierfür ist die Gründerpopulation: Kindern, die nicht über den Geburtskanal das Licht der Welt erblicken, fehlt die Mitgabe sogenannter Pionier-Keime, darunter vor allem Milchsäurebakterien, die aus der Vaginalflora stammen. Die Art der Mikroorganismen von schnitt- und vaginal entbundenen Babys unterscheidet sich noch Monate nach der Geburt. Eine jüngst veröffentlichte US-Studie des Mikrobiologen Frederic Bushman der University of Pennsylvania weist zudem darauf hin, dass Stillen und Muttermilch einen positiven Einfluss auf die Virenbesiedelung in der Darmflora von Säuglingen haben. 

Angeborene und erworbene Abwehr 

Dennoch sind alle Neugeborenen automatisch mit einer angeborenen (unspezifischen) Immunabwehr ausgestattet, zu der neben den Abwehrimmunzellen (z.B. Fresszellen oder Natürliche Killerzellen) auch die Haut und Schleimhaut, die Flimmerhärchen auf der Bronchialschleimhaut sowie die Magensäure zählen. Bis etwa zur Pubertät entwickelt sich die erlernte (spezifische) Immunabwehr bestehend aus B-Zellen (Leukozyten/ Unterklasse der weißen Blutkörperchen und Gedächtniszellen) sowie T-Zellen (Helferzellen und Gedächtniszellen) , über die der Mensch sein Leben lang verfügt, besonders stark. 

Ist die Funktion des angeborenen Immunsystems aufgrund eines genetischen Defekts gestört, sprechen Mediziner von Primären Immundefekten (PID). Die Abwehr von Infektionserregern wie Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten ist somit beeinträchtigt. Betroffene leiden bereits im frühen Kindesalter unter wiederkehrenden Fieber- und Entzündungsreaktionen und tragen später ein erhöhtes Risiko für Autoimmunität, was zu Erkrankungen wie z.B. Multiple Sklerose, Rheuma, Morbus Crohn, Allergien oder Krebs führen kann. Aktuell sind mehr als 200 solcher PID-Störungen und über 100 potenziell krankheitsverursachende Gene bekannt. Die frühzeitige Diagnose kann die Entwicklung hemmen und durch eine individuell abgestimmte medikamentöse Therapie dem Krankheitsverlauf entgegenwirken. 

Bei angeborenen Immundefekten stuft das Immunsystem gesunde Zellen des Körpers als gefährlich ein und geht irrtümlich gegen die zelleigenen Oberflächeneiweiße vor. Doch auch Virusinfektionen können bei sonst gesunden Menschen von heute auf morgen chronische Autoimmunkrankheiten hervorrufen. Zudem leiden Kaiserschnitt-Babys im späteren Alter tendenziell häufiger unter Atemwegserkrankungen, z.B. Asthma, akuten Infektionen des Magen-Darm-Traktes und Gelenkentzündungen. 

Während bei der allgemeinen Abwehr keine vorherige Analyse des Eindringlings geschieht und die Bekämpfung demnach unspezifisch ist, identifiziert die spezifische (adaptive) Abwehr den Angreifer und reagiert mit gezielten Mechanismen auf ihn. Gleichzeitig merken sich die Abwehrzellen die Baupläne samt Struktur und Beschaffenheit der Antigene für die Herausbildung sogenannter Gedächtniszellen, die als Vorläuferzellen im Knochenmark entstehen. Später sammeln diese sich als Gedächtniszellen in den Lymphknoten, der Milz und anderen lymphatischen Organen wie dem Thymus (zwischen Herzbeutel und Brustbein), dem Darm samt Dünndarm und Blinddarm oder den Mandeln. Sie sind in der Lage, bei einer erneuten Infektion mit dem gleichen Bakterium, Keim oder Virus sofort die entsprechenden Abwehrreaktionen einzuleiten. 

Der Lerneffekt ist ein fortlaufender Prozess, wenngleich sich bereits ab dem 20. Lebensjahr der Thymus, in dem die T-Helferzellen zu Gedächtniszellen vollständig ausreifen, zurückbildet und sich im Alter auch die Regenerationsfähigkeit des Knochenmarks reduziert. Durch das damit einhergehende verringerte Entwicklungspotenzial der T-Zellen verfügen ältere Menschen über ein geringeres Kontingent als junge Erwachsene. 

Temporäre Immunität 

Das immunologische Gedächtnis bildet auch die Grundlage für die Funktionsweise von Impfungen. Dabei wird dem Organismus ein dem Original-Krankheitserreger optisch identischer, jedoch unschädlicher Doppelgänger injiziert, mit dem sich das Abwehrsystem auseinandersetzt. Dringen die tatsächlichen Viren oder Bakterien dann ein, ist der menschliche Körper innerhalb kürzester Zeit in der Lage, die gesamten erlernten Abwehrmechanismen hochzufahren und die erforderliche Immunantwort zu geben. 

Wie lange ein Impfschutz greift, ist von der Wandelbarkeit der Erreger abhängig. Eine lebenslange Immunität gibt es meist bei Masern, Röteln, Windpocken und Mumps. Andere Impfungen können bis zu zehn Jahre wirkungsvoll sein. Viren, wie z.B. Grippe- (Influenza) oder Coronaviren, verändern ständig ihre Struktur, weshalb der Impfstoff oft nur für eine Überlebensperiode des Virus infrage kommt. Auch bei der normalen Erkältung, funktioniert der Mechanismus nicht: Beim Andocken des Rhinovirus an die Fresszellen, bringt es sie dazu, einen falschen Botenstoff auszusenden. Die von den Immunzellen erhaltenen Informationen sind dann fehlerhaft, weshalb sich der Körper nicht richtig dagegen rüsten kann. 

Erregertypen machen den Unterschied 

Für ein besseres Verständnis der Mikroorganismen bedarf es eines Blicks unters Mikroskop. Hier zeigt sich: Bakterien und Viren sind grundverschieden. Ihre arttypischen Unterschiede liegen maßgeblich in ihrer Größe, Bauweise wie auch in ihrer Lebensform begründet. Bakterien sind mit einem Durchmesser von bis zu einem Mikrometer durchschnittlich hundertmal größer als Viren. Zudem haben sie eine eigene Zelle mit Erbgut, was sie eigenständig lebensfähig macht und ihnen einen Stoffwechsel ermöglicht. Die wesentlich kleineren Viren messen zwischen 20 bis 300 Nanometer (Influenzaviren bis zu 120 Nanometer, Coronaviren bis zu 160 Nanometer) und bestehen lediglich aus eigenem Erbgut, weshalb sie einen sogenannten Wirt benötigen, in dessen Zellen sie sich einnisten und vermehren können. 

Die häufigste Übertragungsform ist die Tröpfcheninfektion, bei der pro Atemzug eines Virusinfizierten, zwischen 1.000 bis 50.000 größeren Tröpfchen, den sogenannten Aerosolen, entweichen. Beim Niesen oder Husten ist die Tröpfchenmenge durch den heftigen Ausstoß um ein Zehnfaches größer und wird in einem großen Radius in der Luft verteilt. Da sich der Mensch unbewusst alle vier Minuten ins Gesicht fasst, können Viren nicht nur beim unmittelbaren Kontakt, sondern auch über Handflächen den Zugang über die Augen-, Nasen- und Schleimhäute in ihren neuen Wirt finden. 

Regelmäßiges und richtiges Händewaschen, eine entsprechende Nies- und Husten-Etikette, das Tragen von Mund-Nasenschutz zur Eindämmung der eigenen Tröpfchenauscheidung wie auch das Abstandhalten sind daher nicht nur in Zeiten von Corona der beste Schutz vor einer Ansteckung und Infektion. Ein Modell, das bislang nur aus den ostasiatischen Ländern bekannt war. Gerade dort ist der Verzicht auf ein Händeschütteln zur Begrüßung, das eigenverantwortliche Tragen von Schutzmasken bei einer Erkrankung wie auch die Distanzhaltung gegenüber Mitmenschen außerhalb des eigenen Hausstandes ein kulturell-immaterielles Erbe, das von Generation zu Generation weitergegeben wird – und damit wissentlich oder unwissentlich eine wichtige Gesundheitsprävention. 

Komplexe menschliche Verteidigungsmechanismen 

Ganz auszuschließen ist eine Infektion jedoch selbst beim Einhalten aller Abstands- und Hygienemaßnahmen nicht. Die unterschiedliche Beschaffenheit von Bakterien und Viren bedingt in solchen Fällen auch die wesentliche Ausbreitung im Körper. So sind bei einem Bakterium dessen eigene Stoffwechselprodukte der Grund für eine Erkrankung. Sie vermehren sich über eine natürliche Zellteilung ohne die menschlichen Zellen zu zerstören. Der Körper reagiert auf das Eindringen des Fremdkörpers mit der Aktivierung von Fresszellen, die sich um die Erreger legen und diese nach und nach abbauen. Hier kann der Einsatz von Antibiotika unterstützend wirkungsvoll sein, die entweder die Zellwand der Bakterien angreifen und sie direkt abtöten oder zumindest verhindern, dass sich Bakterien weiter vermehren. 

Gegen eine Viruserkrankung muss die körpereigene Abwehrreaktion allein ankämpfen. Indem Viren ihr Erbgut in die Wirtszellen einschleusen, bringen sie die Zellen dazu, nur noch Viruspartikel zu produzieren. Wenn die körpereigenen Abwehrzellen die vom Virus befallene Zelle beseitigen oder der Organismus den programmierten Zellselbstmord wählt, wird der Mensch krank. In diesem Fall werden antivirale Medikamente (Virostatika) benötigt, die eine Vermehrung hemmen, indem sie Viren daran hindern, an die Wirtszelle anzudocken, in sie einzudringen oder die Ausbreitung zu verringern. 

Bemerken die inneren Zellen, dass der Organismus gestört oder gar angegriffen wird, werden unterschiedlichste Verteidigungsvorgänge eingeleitet. Zum einen wird die Apparatur der Abwehrmaßnahmen hochgefahren, um sich des Feinds wieder zu entledigen, z.B. durch die Schleimbildung. Über ein ausgelöstes Husten oder Niesen werden die eingehüllten Fremdstoffe nach außen bugsiert. Aber auch Blutungen, Übelkeit oder Durchfall, ebenso wie ein Abtöten durch Fiebersymptome sind typische Abwehrmechanismen des Körpers. 

Gleichzeitig wird der Botenstoff Interferon ausgeschüttet, der die natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) aktiviert, die veränderte Körperzellen erkennen und zerstören, z.B. Tumorzellen oder virusinfizierte Zellen. Zum anderen wirkt Interferon als Signalmolekül und kurbelt die Proteinproduktion von bestimmten Abwehrzellen an. Auf diese Weise wird das unspezifische Immunsystem unterstützt, das nicht infizierte Zellen vor Viren schützt und u.a. die Wundheilung fördert. 

Auch das Biomolekül Zytokin (z.B. Interleukin-6), zu dessen Gruppe Interferon zählt, eilt bei aggressiveren Erregern zur Hilfe, indem es zusätzlich die Abwehrzellen zur Produktion von weißen Blutkörperchen (B-Lymphozyten/Plasmazellen) ankurbelt. Dadurch werden im Verlauf der Infektion passgenaue Abwehrstoffe gegen die bestimmte Art von Erreger gebildet, die sogenannten Antikörper oder Immunglobuline, die späteren Gedächtniszellen. Indem sich die Antikörper während des Gefechts an den jeweiligen Erreger binden und ihn markieren, können ihn die Fresszellen (Phagozyten) schneller erkennen und unschädlich machen. 

Ob eine bakterielle oder virale Infekion vorliegt, muss von einem Arzt abgeklärt werden. Denn der Befund ist für die anschließende Behandlung wichtig. Zur Schlussfolgerung, dass neben Medikamenten auch die Ernährung einen unmittelbaren Einfluss auf den Verlauf einer Infektion hat, kam der Immunologe Ruslan Medzhitov der Yale University 2016 mit seinem Forschungsteam: Sie infizierten eine Gruppe Mäuse mit dem Bakterium Listeria monocytogenes, das eine Lebensmittelvergiftung auslöst, und eine andere mit Grippeviren. Beide Gruppen wurden einmal gefüttert, einmal nicht. 

Ihre Beobachtung: 80 Prozent der gefütterten Mäusen mit Bakterieninfektion starben, während die Hälfte der Mäuse ohne Futter wieder gesund wurde. Von den gefütterten Mäusen mit Grippeviren erholte sich 80 Prozent von der Infektion. Die ungefütterten Mäuse mit Virusinfektion starben. Maßgeblich verantwortlich für die unterschiedliche Wirkungsweise war der Traubenzucker in der Nahrung. Er wirkte einmal wie Gift, einmal wie Medizin. Damit unterstützten die Forscher die Ergebnisse einer niederländischen Studie aus dem Jahr 2002, die ebenfalls den Zusammenhang zwischen den positiven Effekten des Fastens bei bakteriellen Infektionen und der Nahrungsaufnahme bei Virusinfektionen hergestellt hatte. 

Bewiesen ist zwar noch nichts, das sogenannte therapeutische Fressen könnte jedoch hypothetisch auch auf den Menschen übertragen werden: Denn während sich Patienten bei einer bakteriellen Erkältung intuitiv durch Appetitlosigkeit mit Ruhe und Fasten auskurieren, verspüren sie bei akuten viralen Grippesymptomen Lust auf Tee, Hühnersuppe und Honig. Ähnliche Zusammenhänge vermuten Forscher im Übrigen mit den Heißhungergelüsten während einer Schwangerschaft. Das instinktive Verlangen z.B. nach Fleisch versorgt das ungeborene Kind mit wichtigen Nährstoffen wie Eisen. In Afrika nehmen werdende und stillende Mütter sogar besondere Lehmsorten (ähnlich Heilerden) zu sich, um Giftstoffe aus dem Körper zu schwemmen. 

Positive Effekte durch Ernährung 

Unterschiedlichste Studien gehen davon aus, dass eine konsequent dauerhafte Aufnahme fettiger Speisen und zuckerreicher Getränke ebenso wie Bewegungsmangel, Alkohol und Nikotin das Abwehrsystem schwächen. Zivilisationskrankheiten werden daher zum Teil als sogenannte ernährungsassoziierte Krankheiten eingestuft wie z.B. Übergewicht bzw. Adipositas, erhöhte Blutfettwerte, diverse Herz- und Gefäßkrankheiten inklusive Bluthochdruck, Diabetes mellitus Typ 2 und Osteoporose. Auch Gicht, Leberzirrhose, Karies, bestimmte Krebserkrankungen sowie rheumatoide Arthritis zählen dazu. 

Hand in Hand mit dem Körper arbeiten 

Die Ergebnisse machen Empfehlungen wie die „10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DEG)“ zu einem wichtigen Puzzlestück bei der Gesunderhaltung des menschlichen Organismus. Wichtige Vitamine, Spurenelemente und Nährstoffe, die sich positiv auf den Organismus auswirken, finden sich in zahlreichen pflanzlichen und tierischen Produkten. Studien stellten u.a. fest, dass der regelmäßige Verzehr von Nüssen den Wert von Interleukin 6 (IL-6), der für Entzündungen im Körper verantwortlich gemacht wird, um 90 Prozent senken konnte. Auch bei chronischen Erkrankungen wie Morbus Crohn (Darmentzündungen) konnte Gastroenterologe Dr. David L. Suskind vom Seattle Children’s Hospital IBD Center (USA) vor wenigen Jahren bei seinen Patienten eine signifikante Verbesserung durch eine zwölfwöchige Ernährung mit natürlichen, nährstoffreichen Lebensmitteln, wie etwa Gemüse, Obst, Fleisch und Nüssen, feststellen. 

Vor allem Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte enthalten die Vitamine A, B6, B12 und D sowie Zink, Selen und Eisen und dienen Immunzellen als optimale Kraftquelle und zusätzlicher Schutz. Obst und Gemüse sowie pflanzliche Öle, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte runden einen gesunden ausgewogenen Speiseplan ab. Nahrungsergänzungsmittel sollten nur von Ärzten empfohlen werden, da ihre Marktzulassung der Präparate – anders als bei Medikamenten – keines Wirksamkeitsnachweises bedarf, was viele zu Mogelpackungen macht. Stattdessen können eine individuell abgestimmte Einnahme oder Infusion von Vital- und Mineralstoffen wie auch Fußreflexzonenmassagen ebenfalls wirkungsvoll sein. Darüber hinaus sollte der Körper ergänzend mit ausreichend Flüssigkeit in Form von zuckerfreien Getränken versorgt werden. 

Kraftquellen für das Immunsystem 

Ein moderates Aufbau- und Ausdauertraining im Fitnessstudio wie auch ausreichende Bewegung und Sport an der frischen Luft sowie natürliches Vitamin D durch natürliches Sonnenlicht sind die ideale Ergänzung zur Ernährung. Gerade in der heimischen naturreichen Region Siegen-Wittgenstein und den Nachbargebieten lohnt ein Waldspaziergang in doppelter Hinsicht: er fördert die Entspannung durch die Reduzierung von Stresshormonen und aktiviert laut japanischen Forschern die Killerzellen im Blut. Ein weiterer elementarer Baustein, um den Körper bestmöglich von innen heraus zu unterstützen, ist ausreichend Schlaf. Denn während der Tiefschlafphasen werden Botenstoffe ausgeschüttet, die ebenfalls die Killerzellen anregen und damit nachhaltige gesunderhaltende Effekte auf das Immunsystem haben. 

Vor einer Ansteckung gleich welcher Art bleibt ohne die entsprechenden Antikörper kein Mensch geschützt. Zumindest kann aber jeder selbst täglich ein Stück dazu beitragen, sein Immunsystem in seiner Funktion zu unterstützen und verbesserte Voraussetzungen für die eigene Abwehr-Armee zu schaffen.


SARS-CoV-2

SARS-CoV-2 (Abkürzung für englisch severe acute respiratory syndrome coronavirus 2, deutsch: Schweres-akutes-Atemwegssyndrom-Coronavirus 2) 

Was geschieht bei einer Covid-19-Erkrankung im Körper?

Im Falle des neuartigen Coronavirus beobachtete eine internationale Forschergruppe, dass die eigentliche Schutzreaktion des Körpers ausgenutzt wird. Als Einstiegstür in ihre Zielzellen werden demnach die Zellen mit der Bauanleitung für den sogenannten ACE2-Rezeptor genutzt. Das Protein sitzt als Biomolekül in vielen Geweben auf den Oberflächen der Zellen, vor allem auf der Lunge, aber auch in Blutgefäßen, im Darm und in den Nieren. Dort ist es vorwiegend an der Stabilisierung des Blutdrucks beteiligt, wodurch verhindert wird, dass Blutgefäße durchlässig werden. 

Der Erreger bindet sich zunächst mit seinem Protein-Stachel an den ACE2-Rezeptor. Die Zellhülle wird gespalten und das Virus dringt ein. Dort übernimmt es das Erbgut (Genom) der Zelle und zwingt sie dazu, unzählige Viruskopien von sich zu erzeugen, wodurch ihm immer mehr ACE2-Rezeptoren zum Befall weiterer Zellen zur Verfügung stehen. 

Da die feindliche Übernahme vom Immunsystem nicht unbemerkt bleibt, wird in den befallenen Geweben weiteres Interferon ausgeschüttet. Gleichzeitig werden sogenannte Akutphasenproteine von der Leber in großen Mengen produziert, die u.a. den Zellwachstum regulieren. Die Bluteiweiße markieren die eingedrungenen Erregerzellen, indem sie sich an deren Außenhülle, der sogenannten Zellmembran, anheften. Neueste Studien weisen darauf hin, dass die Schwere des Verlaufs u.a. von der Zahl der Killerzellen im Blut abhängig ist. 

Denn um sich dem immer mächtiger werdenden Gegner entgegenzustellen und das Lungengewebe zu reparieren, kommt es bei dem neuartigen Coronavirus vermutlich zu einer Überproduktion an weißen Blutkörperchen, einem sogenannten Zytokinsturm, der meist einen tödlich Ausgang zur Folge hat. 

Der Grund: Freigesetzte Zytokine können sich aufgrund ihrer Bauweise an nahezu allen Zellen andocken – und somit auch wichtige Immunzellen ausschalten bzw. gesundes Gewebe vernichten. Diese massive Entgleisung des körpereigenen Immunsystems führt zu schweren entzündlichen Reaktionen in der Lunge u.a. durch das Ausschalten der Zellen mit kleinen Flimmerhärchen, wodurch sie sich mit Flüssigkeit und Fremdstoffen füllt, darüber hinaus zu geschwächten Blutgefäßen in verschiedenen Organen, einer Gewebezerstörung zusammen mit versteiftem Narbengewebe, was letztlich eine Beatmung erforderlich macht. 

Artikel erschienen in der Top Sommerausgabe 2020