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Wasser = Wasser?

Mineralwasser, Leitungswasser und Co.

Text: Julia Wildemann

Wasser zählt seit Jahren zu den Lieblingsgetränken der Deutschen. Und das nicht ohne Grund. Es ist gesund, günstig und punktet mit ausgezeichneter Qualität. Die wird in der Trinkwasserverordnung gesetzlich geregelt. Eine Vielzahl von Leitlinien, rechtlichen Grundlagen, Empfehlungen und Regelwerken ergänzen die Verordnung und sorgen für gleichbleibend hohe Standards. Trinkwasser gilt in Deutschland als das am besten überwachte Lebensmittel.

Wasser
leitet sich vom althochdeutschen wazzar ab,
das mit „das Feuchte, Fließende“ übersetzt werden kann.

Barrieren entlang der gesamten Prozesskette – bei Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung – schützen das Trinkwasser vor Verunreinigungen. Entscheidend für die Qualität ist das Management der Infrastruktur. Das liegt in der Verantwortung der Wasserversorger und Betreiber. Die staatliche Überwachung erfolgt durch die Gesundheitsämter der Länder und Gemeinden. Auch wenn auf den ersten Blick ein Wasser dem anderen gleicht, können sie sich bei einem genaueren Blick auf Zusammensetzung und Geschmack doch enorm voneinander unterscheiden. Wer auf der Suche nach seinem persönlichen Lieblingswasser ist, sollte einen Wassersommelier zu Rate ziehen. Deutschlandweit haben sich 160 Experten der spritzigen Erfrischung verschrieben und empfehlen für jeden Anlass die richtige Flasche.

Leitungswasser wird zu etwa zwei Dritteln aus Grundwasser und zu einem Drittel aus Oberflächenwasser gewonnen. Seine Qualität ist in der Trinkwasserverordnung festgelegt. Dank einer chemischen Aufbereitung ist es geruchsfrei, klar und frei von Keimstoffen.

Mineralwasser entsteht durch Regenwasser, das im Boden versickert, auf seinem Weg durch die einzelnen Schichten natürlich gereinigt wird und Mineralstoffe, Spurenelemente sowie Kohlensäure aufnimmt. Deutsche haben die Wahl zwischen 500 unterschiedlichen Mineralwässern aus 200 Mineralbrunnen, die sich aufgrund der regional unterschiedlichen Bodenzusammensetzung geschmacklich unterscheiden.

Tafelwasser kann anders als natürliches Mineralwasser an einem beliebigen Ort abgefüllt werden und benötigt keine amtliche Anerkennung. Lediglich die Richtlinien der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung und der Trinkwasserverordnung müssen eingehalten werden.

Heilwasser weist einen besonders hohen Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen auf. Seine Wirkung muss wissenschaftlich nachgewiesen sowie amtlich bestätigt sein. Es unterliegt dem Arzneimittelgesetz und wird durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen. Dank seiner Zusammensetzung kann Heilwasser die Stoffwechsel- und Organfunktion stärken und Mangelzuständen vorbeugen.


Drei Fragen an
Soledad Sichert, Wassersommelière aus Windhagen (Rheinland)

Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für Wasser entdeckt?
Ich komme aus Argentinien, wo das Thema Wasser eher negativ besetzt ist. Die Südamerikaner verbinden das Element oft mit Gefahr. Als Kind bin ich häufig umgezogen und habe in vielen verschiedenen Ländern gelebt. Schon früh habe ich verstanden: Wasser ist nicht gleich Wasser. Die Entscheidung, mich bewusst mit dem Thema auseinanderzusetzen, fiel jedoch erst vor wenigen Jahren. Erster Schritt war die Ausbildung zur Mineralwassersommelière an der Mineralwasserschule in München. Seitdem hat mich das faszinierende Nass nicht mehr losgelassen.

Was macht ein gutes Wasser aus? Worauf sollte man beim Kauf achten?
In Deutschland haben wir die Qual der Wahl. In keinem anderen Land gibt es so viele Quellen wie bei uns, die Wasserqualität ist überall sehr gut. Wir sind „wasserreich“. Schlechtes Wasser gibt es nicht. Die Frage ist eher: Was möchte ich mit dem Wasser machen? Wenn ich einen Tee aufgieße, verwende ich ein Wasser, in dem möglichst wenige Mineralstoffe gelöst sind, um den Geschmack nicht zu verfälschen. Wenn ich einen stressigen Tag habe, trinke ich ein Wasser mit hohem Magnesiumgehalt. Für jede Lebenslage gibt es das passende Wasser.

Plastik- oder Glasflasche?
Ausschließlich Glas! Plastikflaschen verfälschen den Geschmack des Wassers und geben Mikropartikel ab, deren Einfluss auf unseren Körper noch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht wurde. Deshalb ist Plastik für mich keine Option. Ich möchte den Geschmack des Wassers ganz unverfälscht genießen können.


Quelle der Gesundheit

Der Körper eines erwachsenen Menschen besteht zu etwa zwei Dritteln aus Wasser. Das sind rund 45 Liter, die innerhalb des Organismus lebenswichtige Aufgaben übernehmen. Mit zunehmendem Lebensalter nimmt der Wassergehalt aufgrund des altersbedingten Umbaus des Bindegewebes und der gleichzeitigen Zunahme des Fettgewebes deutlich ab. Etwa 70 Prozent des im Körper vorhandenen Wassers befindet sich im Innern der Zellen (Intrazellulärraum), 30 Prozent außerhalb der Zellen (Extrazellulärraum). Blut, Gehirn, Leber, Muskelfasern und Haut enthalten besonders viel Wasser. Es ist unerlässlich ist es für den Transport von Nährstoffen in die Zellen und für den Abtransport von Abbauprodukten und Salzen über Gefäße und die Nieren. Weitere wichtige Aufgabe des Wassers ist die Regulierung der Körpertemperatur. Nur wenn diese unabhängig von der Umgebungstemperatur konstant bleibt, kann der Körper optimal funktionieren. Über Kälte- und Wärmerezeptoren in der Haut überprüft und reguliert das Gehirn jederzeit die Temperatur. Um beispielsweise bei sportlichen Aktivitäten nicht zu überhitzen, beginnt der Körper zu schwitzen. Auf der Haut bildet sich ein Schweißfilm und es entsteht die sogenannte Verdunstungskälte. Im Idealfall ist der Wasserhaushalt im Gleichgewicht.

Tägliches Ziel sollte es sein, dem Körper über die Nahrung und mit Getränken mindestens zwei Liter Wasser zukommen zu lassen. Ausgeschieden wird Wasser hauptsächlich als Urin durch die Nieren, in Form von Wasserdampf über die Lungen und als Schweiß über die Haut. Wird parallel zu einem übermäßigen Flüssigkeitsverlust zu wenig Nachschub aufgenommen, gerät die Wasserbilanz in Schieflage. Eine negative Wasserbilanz führt zu einer Dehydratation, die innerhalb kürzester Zeit lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Bei einem Flüssigkeitsverlust von 0,5 Prozent des Körpergewichts verspüren wir Durst, der mit abnehmendem Wassergehalt immer weiter zunimmt. Ein Defizit von 10 Prozent verursacht das Eindicken des Blutes, Kreislaufversagen und Verwirrtheit. Gehen mehr als 20 Prozent verloren, kommt es zum Tod durch Nieren- und Kreislaufversagen.

Haut in Bestform dank Wasser

Grundbaustein für gesunde Haut ist Wasser. Die schützende Hülle besteht zu etwa 80 Prozent aus dem Element und speichert etwa ein Drittel der im Körper vorhandenen Flüssigkeit. Die Haut übernimmt lebenswichtige Aufgaben für den Organismus und sollte besonders gepflegt werden, damit sie einwandfrei funktionieren kann. Erster Schritt ist die bestmögliche Versorgung mit Feuchtigkeit – von innen und von außen. Denn fehlt dem Körper Flüssigkeit, macht sich das auch in den Hautzellen bemerkbar. Ihre Widerstandsfähigkeit wird geschwächt, die Haut trocknet von innen aus. Folgen sind raue, schuppige sowie rissige Stellen, ein unangenehmes Spannen und feine Knitterfältchen. Wer ausreichend viel trinkt, darf sich über elastische und weiche Haut freuen und kann der Entstehung von Cellulite, Hautunreinheiten und Krampfadern vorbeugen. Je besser die Haut mit Feuchtigkeit versorgt ist, desto besser wird sie auch durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Der Hautstoffwechsel wird angekurbelt und die Schutz- und Abwehrfunktion der Haut gestärkt. Mit feuchtigkeitsspendenden Cremes und erfrischenden Hydro-Behandlungen bei der Kosmetikerin kann man der Haut zusätzlich von außen etwas Gutes tun


Drei Fragen an
Dirk Krumpholz & Björn Bach,
Gründer von „57wasser – the robin hood of waters“, Netphen

Wie entstand die Idee hinter „57wasser“?
Dirk Krumpholz: Wir leben in einer Gesellschaft, in der sich unsere „Probleme“ darauf beschränken zu entscheiden, welches gehypte Jeanslabel wir tragen wollen oder welche Farbe das nächste Auto haben soll. Wir müssen nicht mit knurrendem Magen schlafen gehen und am nächsten Morgen auch keine Angst vor Bombenangriffen haben. Dieses unglaubliche Glück machen wir uns viel zu selten bewusst. Irgendwann haben wir überlegt, wie wir aus dem Konsum-Kreislauf ausbrechen können. Wir wollten Bestätigung nicht länger aus Besitz, sondern aus unseren Taten ziehen. Nach drei Jahren Vorarbeit wurde „57wasser“ am Weltkindertag 2012 gegründet. Am 8. Dezember 2012 ging dann die erste verkaufte Flasche über den Tresen – ein unvergesslicher Moment!

„Gutes tun durch Wassertrinken“ – welches Konzept verbirgt sich hinter eurem Slogan?
Björn Bach: Ziel war und ist es, das Bewusstsein der Menschen zu verändern und die Welt ein wenig sozialer und nachhaltiger zu machen. Wasser ist ein Thema, zu dem wir alle einen Bezug haben. Jeder trinkt es, wir brauchen es, um zu überleben. Warum also nicht den täglichen Griff zum Wasserglas mit dem guten Zweck verbinden? „57wasser“ spendet 57 Prozent des Gewinns an soziale und humanitäre Projekte in Deutschland und der ganzen Welt – der Robin Hood-Effekt. So können wir als Gemeinschaft schon mit vermeintlich kleinen Dingen einen Unterschied machen.

Wie wählt ihr Projekte aus, die von euch unterstützt werden?
Dirk Krumpholz: Die Entscheidung treffen nicht wir, sondern die „57wasser“-Community. Jeder kann auf unserer Webseite Projekte vorschlagen, über die dann online abgestimmt wird. Weltweit haben wir bereits über 70 Projekte für Kinder gefördert. Der Fokus liegt auf den Themen Bildung, Ernährung, Kultur und Bewegung. Die Gesamtspendensumme lag im März dieses Jahres bei unglaublichen 105.159,93 Euro. Zuletzt konnten wir die Kita Lillipuz, das Mutter-Kind-Haus Aline, und den Verein AlphaOmega, der sich für Straßen- und Waisenkinder in der Mongolei einsetzt, finanziell unterstützen.

Artikel erschienen in der Top Sommerausgabe 2020

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