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Wertvolle Ressource

Wasser rund um den Globus

Text: Julia Wildemann

Wasser wird als natürliche Ressource ganz unterschiedlich genutzt. Auf der einen Seite elementare Lebensgrundlage, auf der anderen Seite Motor der modernen Industriegesellschaft. Um die ökologischen und wirtschaftlichen Interessen in Einklang zu bringen, wird die Bewirtschaftung von Seen, Flüssen und Meeren mit dem nationalen, europäischen und internationalen Gewässerschutzrecht gesetzlich geregelt.

Es umfasst die Kernvorschriften des Wasserhaushaltsgesetzes, des Abwasserabgabengesetzes sowie der Oberflächengewässer-, Grundwasser- und Abwasserverordnung. Ein umfassender Gewässerschutz kann nicht ausschließlich auf nationaler Ebene stattfinden. Basis für einen effektiven Schutz ist die europa- und weltweite Zusammenarbeit. 2010 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen das Recht auf Wasser als Menschenrecht anerkannt. Damit dieses Recht auch auf allen Kontinenten umgesetzt werden kann, bedarf es nicht nur finanzieller Mittel, mit deren Hilfe entsprechende Infrastrukturen geschaffen werden können, sondern auch technischem Know-how und Wissenstransfer über Ländergrenzen hinweg.

Der Anteil der privaten Nutzung am weltweiten Wasserverbrauch liegt bei 10 Prozent. 20 Prozent werden von der Industrie genutzt. Mit Abstand größter Verbraucher ist die Landwirtschaft. Ihr Anteil liegt bei 70 Prozent.

Jeder Tropfen zählt!
Wie sich im Alltag wertvolles Wasser sparen lässt

  • Dusche statt Badewanne nutzen
  • Perlstrahler und Sparduschköpfe installieren
  • Dichtungen an Wasserhähnen überprüfen und gegebenenfalls austauschen
  • Spartaste der Toilettenspülung verwenden
  • Waschmaschine nur gut befüllt starten
  • Tropfschlauch statt Rasensprenger verwenden
  • Regenwasser sammeln und zur Bewässerung einsetzen
  • Wasserhahn beim Händewaschen oder Zähneputzen abdrehen
  • Geschirr nicht vorspülen und Öko-Programm des Geschirrspülers nutzen
  • Altgeräte durch wassersparende Modelle ersetzen
  • Obst und Gemüse nicht unter fließendem Wasser, sondern in einer Schüssel waschen und mit dem Inhalt die Blumen gießen
  • Autos nur in der Waschanlage und nicht per Hand zu Hause reinigen

Unsichtbares Wasser

Der Wasserverbrauch pro Kopf sinkt deutschlandweit seit Jahren. Rund 130 Liter kommen beim täglichen Zähne putzen, Kaffee kochen und Wäsche waschen zusammen. Experten hatten Anfang der 1990er-Jahre noch mit einem Anstieg auf bis zu Liter gerechnet. Doch der Schein trügt, denn der virtuelle Wasserabdruck ist um ein Vielfaches höher. Für die Produktion von Nahrung oder Kleidung werden täglich umgerechnet 4.230 Liter verbraucht.

Zahlen, die alarmieren

Laut Weltwasserbericht 2020, den die UNESCO und deren World Water Assessment Programme (WWAP) jährlich für die Vereinten Nationen erstellt, steigt der weltweite Wasserverbrauch als Folge der immer größer werdenden Nachfrage in Entwicklungs- und Schwellenländern seit den 1980er-Jahren jährlich um etwa ein Prozent. Dieser Trend soll bis 2050 anhalten und stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Schon heute leben über zwei Milliarden Menschen in Staaten mit hohem Wasserstress. Sogenannter Wasserstress herrscht dann, wenn mehr als ein Viertel der erneuerbaren Wasserressourcen genutzt wird. Das ist in über 50 Ländern der Erde der Fall. 31 Staaten verbrauchen zwischen 25 und 70 Prozent, 22 Länder sogar mehr als 70 Prozent der verfügbaren Vorräte.

Deutschland nutzt laut Bundesumweltamt seit 15 Jahren weniger als 20 Prozent seiner Ressourcen. Zwischen 2000 und 2015 stieg der Anteil der Weltbevölkerung mit einer mindestens grundlegenden Trinkwasserversorgung von 81 auf 89 Prozent. Trotzdem hatten Millionen Menschen immer noch keinen sicheren Zugang zu sauberem Wasser. Über 80 Prozent aller Abwässer werden weltweit ungeklärt entsorgt – optimale Voraussetzungen für die Entstehung von Krankheiten wie Cholera und Bilharziose. Obwohl die öffentlichen Mittel für Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Hygiene – kurz WASH – jährlich im Schnitt um fast fünf Prozent steigen, können vielerorts Maßnahmen zur Verbesserung der Situation nicht finanziert werden. Um die grundlegenden WASH-Dienstleistungen entsprechend der Globalen Nachhaltigkeitsagenda allen Menschen zugänglich zu machen, müssten die jährlichen Investitionen auf 114 Milliarden US-Dollar verdreifacht werden.

Zu viel oder zu wenig?

Schmelzende Gletscher, ein ansteigender Meeresspiegel, knapper werdende Süßwasserressourcen, zunehmende Wetterextreme wie Dürreperioden, Starkregen, Überflutungen und Wirbelstürme: Der Klimawandel macht sich vielfältig bemerkbar – und dies fast immer durch zu viel oder zu wenig Wasser. Etwa 90 Prozent aller Naturkatastrophen werden durch Wasser verursacht. Im Zeitraum zwischen 1995 und 2015 machten Überschwemmungen 43 Prozent aller dokumentierten Naturkatastrophen aus. Bei fünf Prozent der Katastrophen handelte es sich um Dürren. Tendenz steigend! Die vergangenen Jahre zählen zu den wärmsten seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Durch den fortschreitenden Klimawandel werden Trockengebiete tendenziell trockener und niederschlagsreiche Regionen feuchter. Häufigkeit und Intensität der extremen Wetterereignisse werden also weiter zunehmen. Das erschwert die Landwirtschaft und damit die Lebensmittelversorgung. Niedrigwasser kann außerdem zu Problemen bei der Kühlwasserversorgung von Kraftwerken und der Energieumwandlung in Wasserkraftgeneratoren führen.

Gewässertyp des Jahres
Flüsse, Seen und Küstengewässer sind vielfältige und äußerst wertvolle Lebensräume, die im globalen Ökosystem eine zentrale Rolle spielen. In Deutschland werden aktuell 25 Fließgewässertypen, 14 Seentypen und 11 Typen für Küsten- und Übergangsgewässer unterschieden. Je nach Lage und Größe haben die einzelnen Typen ganz individuelle Eigenschaften und werden unterschiedlich genutzt. Mit der Aktion „Gewässertyp des Jahres“ möchte das Umweltbundesamt auf die ökologische Bedeutung der Gewässer aufmerksam machen und für einen sorgsamen Umgang sensibilisieren. Gewässertyp des Jahres 2020 ist der steinige, kalkreiche Mittelgebirgsbach.

Artikel erschienen in der Top Sommerausgabe 2020

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